Kultur fürs Auge im Ellwanger Rathaus

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Natalie Itals Fotogramme bringen den Wartebereich im zweiten Stock des Rathauses regelrecht zum Leuchten.
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Neu sortiert: Was das Ellwanger Rathaus in seinen Ecken und Fluren so alles an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat.

Ellwangen

Lust auf ein bisschen Kunst? Wer nicht die Zeit für einen ausgiebigen Museums- oder Galeriebesuch hat, und trotzdem nicht gänzlich auf ein wenig Kultur fürs Auge verzichten will, der kann einfach ins Ellwanger Rathaus kommen. Stadtarchivar Christoph Remmele hat zusammen mit seinem Team, die Lockdownschließzeit genutzt und das mit der Rathauskunst gänzlich neu gedacht.

„Irgendwie wird man mit der Zeit ja betriebsblind“, schmunzelt Ellwangens Stadtarchivar. Aufgefallen, dass kein rechtes System hinter der Bebilderung steckt, war's dann doch. „Deshalb haben wir den Großteil abgehängt, eine Bestandsaufnahme gemacht, alles fotografiert, gruppiert, neu arrangiert, kurze Texttafeln über Leben und Schaffen der Künstler erstellt.“ Herausgekommen ist eine stimmige und absolut sehenswerte Hausausstellung, über die Stockwerke des Verwaltungsgebäudes verteilt:

Hält man sich unten im Foyer gleich links, wird man von Karl Heinz Knoedlers „Hommage à Chadwick“ begrüßt. Gegenüber zeigt Helmut Esdar, wie Christus den blind Geborenen heilt. Gleich dahinter ein erstes Highlight: in goldenen Rahmen die Porträts von Helena, Oskar und Karl, Gräfin und Grafen Adelmann von Adelmannsfelden. Ausdrucksstarke Ölgemälde von Sofie Probst, alle drei um die Jahrhundertwende entstanden. Über die 40 Schaffensjahre der heimischen Künstlerin, die unter Professor Friedrich von Keller studierte, informiert ein kleines Täfelchen. „Wir wollen den Besuchern ein bisschen Mehrwert mit an die Hand geben“, sagt Remmele. Damit die Werke nicht „reine Deko“ seien, habe man die Ausstellung mit „ein bisschen historischer Bildungsarbeit“ ergänzt.

Ein paar Meter weiter bei den Räumen des Amts für öffentliche Ordnung trifft Siegfried Rimpler mit harten Szenen in seinen Holzschnittunikaten „Die Verdammten“ oder „Stunde null“. Beim Büro der Stadtinfo zeigt er die verrückte Welt der Modeszene. Peter Betzler setzt nur wenige Meter weiter beim Kulturamt mit den zwei kleinen Aquarellen „Samenkorn“ und „Schöpfung“ sanft-lebensbunt und naturig-schön Gegenpole.

Im Bereich des Bürgerbüros erwarten die Rathausbesucher märchenhafte Szenen von Elisabeth Schachinger. Mal in Grün-Blau-Tönen, mal in Lila, mal in Orange gehalten versprechen diese Bilderbuchillustrationen Kurzweil während eventuellen Wartezeiten.

Motive aus dem alten Ellwangen

Den Flur geradeaus zeigt Erich Pörner „125 Jahre Pennäler Schnitzelbank“ und Walter Ast, der sich nach dem 1. Weltkrieg in der Stadt niederließ, idyllische Motive aus dem alten Ellwangen, durch das man beim Betrachten der Werke nur zu gerne schlendern würde: Hier wird ein Schwätzchen am Gartenzaun gehalten, dort spaziert eine Mutter mit ihren Kindern an der Hand.

„Das hier haben wir erst vor wenigen Monaten erworben“, erklärt Remmele bei den Räumen des Stadtbauamts. Der bisherige Prospektständer ist einer „Strichfigur“ von Siegfried Utz von 1989 gewichen, als Blickfang am Ende eines schmalen Flurs. Sehr modern geht’s im zweiten Stock zu: zwei leuchtende Fotogramme („savage kicks“), 2005 von Natalie Ital kreiert. In der historischen Pfruntner studiert im dämmrigen Licht eine alte Frau ein Gebetsbuch. Farbenfroh geht’s bei den neuesten Werken zu: denen, die Phantasie und Händen Ellwanger Kinder entspringen, gestaltet in den städtischen Kindergärten auf wabenförmigen Leinwänden.

Zu entdecken gibt es Vieles in der abwechslungsreichen Hausausstellung im Ellwanger Rathaus. Zu sehen ist sie zu den Öffnungszeiten des Rathauses. Lediglich ein aktueller Corona-Negativtest ist für das Betreten des Gebäudes nötig.

Wir haben die Ausstellung mit ein bisschen historischer Bildungsarbeit ergänzt.“

Christoph Remmele, Stadtarchivar
  • Zu entdecken gibt's Vieles in der abwechslungsreichen Hausausstellung im Ellwanger Rathaus. Zu sehen ist sie zu den Öffnungszeiten des Rathauses. Lediglich ein aktueller Corona-Negativtest ist für das Betreten des Gebäudes nötig.
In Walter Asts idyllischen Darstellungen des alten Ellwangens würde man zu gerne einmal spazieren gehen.
Märchenhafte Szene von Elisabeth Schachinger sorgen im Wartebereich des Bürgerbüros für Kurzweil.
In Walter Asts idyllischen Darstellungen des alten Ellwangens würde man zu gerne einmal spazieren gehen.
1977 schuf Erich Pörner anlässlich 125 Jahren Pennäler Schnitzelbank dieses Erinnerungsstück.

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