Lernbrücke: Manche möchten noch extra Aufgaben

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Zusammen mit ihren Lehrerinnen Anne Schneider (links) und Sarah Wolf kämpfen sich Schüler der Mittelhofschule bei der „Lernbrücke“ durch mathematische Untiefen. Und haben Spaß dabei.

Passgenaue Hilfe für Schüler, die durch die Pandemie im Unterrichtsstoff hinterherhinken.

Ellwangen. Sie pauken zwei Wochen lang Mathe, Deutsch und Englisch. Obwohl sie eigentlich noch Ferien haben. Knapp hundert Ellwanger Schüler haben das Angebot „Lernbrücke“ wahrgenommen und drücken derzeit in Kleingruppen vormittags vier Stunden die Schulbank.Durch die Pandemie ist die Unterrichtssituation oft schwierig. Daher entstand die Idee „Lernbrücke“. „In diesem Jahr haben wir sehr viel mehr Resonanz als im Letzten“, berichtete Lehrerin Anne Schneider am Mittwoch bei einem Pressegespräch in der Mittelhofschule.

Ein paar Zimmer weiter sitzen elf Mädchen und Jungen der bisherigen Klassen 6 bis 8 und blicken auf die von Lehrerin Sarah Wolf an die Wand projizierten Aufgaben. Als Bürgermeister Volker Grab vorbeischaut und fragt, wie es ist, in den Ferien zur Schule zu gehen, schallt ihm ein mehrstimmiges „gut!“ entgegen. Und das wohl nicht nur, weil man das eben so sagt, wenn jemand wie der Bürgermeister so etwas fragt. Nein. „Viele haben genug von Zuhause nach vier Wochen. Die Eltern können ihnen ja nicht so lange einen tollen Hotelurlaub bieten“, weiß Rektor Harald Rathgeb. „Für die Schüler ist das attraktiv, dass wir mehr mit Tablets arbeiten“, erklärte Schneider.

Die intensive Arbeit in den kleinen Gruppen tue ihnen gut. „Sie sagen oft, wo noch Probleme sind. Das würden sie sich im normalen Unterricht nicht trauen. Und manche wollen sogar noch extra Aufgaben mit nach Hause nehmen.“ Die Klassenlehrer hätten mit den Fachkollegen ein kleines Förderprogramm erstellt, damit klar war, wer wo Probleme habe, erläuterte Rathgeb das Prozedere. „Es sind große Rückstände da. Das sind Lernlücken, die in den eineinhalb Jahren Corona entstanden sind.“ Joseph Ott, Schulleiter der Buchenbergschule ergänzte: Studien belegten, dass bei einem Drittel der Schüler die Leistung „immens abgefallen“ sei. Genau für diese Kinder sei die Lernbrücke da. 55 haben die Empfehlung dafür von ihren Lehrern bekommen, 49 machen mit an der Mittelhofschule. Das selbe Angebot gibt es auch am Hariolf Gymnasium, der Buchenbergschule und in Röhlingen. Um das Ganze effizient zu machen, kommen Rindelbacher, Schrezheimer und Neunheimer Kinder für diese zwei Wochen Lernbrücke an die Buchenbergschule. Umgekehrt funktioniert das im Übrigen auch: Er habe viele hilfsbereite Kollegen gehabt – die damit ja einen beträchtlichen Teil ihrer unterrichtsfreien Zeit investieren (zwar gegen Bezahlung, aber keine gute) - dass er welche nach Zöbingen für die dortige Lernbrücke „exportieren“ konnte, erzählte Ott.

Warum das Angebot wirklich sinnvoll ist, wird bei Anne Schneider klar: „Als Klassenlehrerin weiß ich genau, wo die Lücken bei jedem sind und kann die individuell angehen.“ Für die Schüler aus den Ortsteilen hatten deren Lehrer ein „Defizitprofil“ erstellt. Damit die Kollegen genau wussten, wo es bei wem hakt. „Das war wirklich passgenau“, freute sich Joseph Ott. Kleines Manko: „Wir hatten nicht alle dabei, von denen wir es uns gewünscht haben.“

Panja Tillmann-Mumm

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