Lockdown: die Stimmung in Ellwangen

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Grau und verregnet, leere Tische: Die Stimmung ist gedrückt.

Nun ist es fix: Am Montag startet der Teil-Lockdown. Wie ist die Stimmung bei Ellwangens Händlerinnen und Händlern?Diese Beschlüsse hat die Stadt getroffen.

Ellwangen

Tag eins nach den angekündigten Verschärfungen: Es wird bereits ruhiger in der Stadt. Die Ellwanger halten Abstand, viele tragen wieder Masken in der Fußgängerzone. Wie ist die Stimmung bei Ellwangens Händlerinnen und Gastronomen?

Gastronomie: "Wir haben bereits im ersten Lockdown Essen zum Mitnehmen angeboten, das ist auch sehr gut angenommen worden. Die Nachfrage ist da," erklärt Franz Bolz vom Seegasthof in Espachweiler. Das soll es daher auch diesmal wieder geben. Dennoch wurde er kalt erwischt. "Mit einer kompletten Schließung habe ich nicht gerechnet, das hinterlässt uns etwas ratlos." Geplant war im Anschluss an die Ellwanger Wildwochen ein dreitägiges Martinsgansspecial. "Das ist natürlich nun hinfällig." Der Gaststättenbetrieb sei aber nur eine Seite. "Wir müssen auch an unsere Mitarbeiter denken. Für die wird es enorm schwierig. Die müssen wir wieder teilweise in Kurzarbeit schicken, Aushilfen gehen aber leer aus. Und wenn es die Fallzahlen erlauben, müssen wir kurz vor Weihnachten alles wieder hochfahren."

Gastro und Fitness: Asma Gebreloel ist als Inhaber der Gaststätten "Punto", "Waldschenke" und des Fitnessstudios "ellvida" gleich in zwei Branchen betroffen. "Zwischen den Zeilen habe ich in den letzten Tagen damit gerechnet", so Gebreloel. "Frustrierend ist die Situation schon, wir haben viel in Hygienekonzepte und auch Zelte investiert, um den Leuten Freizeitangebote zu ermöglichen. Es ist hart, weil es dieses Jahr der vierte Ausfallmonat sein wird. Ich hoffe nur, dass es etwas bringt und die Zahlen sinken."

Essen zum Mitnehmen oder Tele-Fitnesskurse werde er wahrscheinlich nicht anbieten, der Aufwand rechne sich für den Ertrag eher nicht.

Buchhandel: Für Susanne Hoßmann von der Buchhandlung Rupprecht macht sich das angekündigte Herunterfahren des Lebens bereits bemerkbar: "Viele Kunden kaufen bereits Weihnachtsgeschenke, halten mehr Abstand und sind vorsichtiger. Es ist ruhiger als normal, einige sind verunsichert." Die Schließung der Gastronomie bedauert sie: "Die Lokale bringen auch viel Laufkundschaft und Leben in die Stadt."

Martin Hald, Gastwirt und Hotelier des "Hirsch" in Neunheim und stellvertretender Vorsitzender der DEHOGA-Ostalb: "Ich bin frustriert und auch relativ angesäuert von dem erneuten Lockdown. Wir sitzen doch alle im selben Boot, Bürger, Gastronomen, Gäste, Beschäftigte. Wenn sich alle an die Vorgaben gehalten hätten, wären die Infektionszahlen doch nicht so explodiert. Jetzt trifft es alle, die sich größte Mühe gemacht haben, die Hygienevorgaben streng umzusetzen und die, die es eher locker angingen."

"Unser Geschäft lief gerade wieder richtig gut, die Wildwochen hatten begonnen, die Menschen kamen wieder in die Gaststätten. Jetzt vier Wochen zuschließen, das bedeutet für uns erneut Umsatzverlust, Kurzarbeit, Planungsunsicherheit und bei den Gästen wird sich noch mehr Zurückhaltung ausbreiten", sagt Hald. Hinzu komme die Unklarheit: Dürfen Hotelgäste bewirtet werden? Die Finanzhilfen der Bundesregierung seien bitternotwendig. Aber auch hier sei bislang unklar, ob es sich um Kredit oder echten Zuschuss handelt.

"Für uns heißt das jetzt: ab Montag die Einkünfte gleich null. Löhne und viele weitere laufende Kosten müssen bezahlt werden. Wir werden wieder unsere Pakete mit Gerichten zum Mitnehmen anbieten. Unsere ganze Hoffnung liegt jetzt darin, im Dezember öffnen zu können und das Weihnachtsgeschäft nicht abschreiben zu müssen", sagt Hald weiter.

Keine Wildwochen und kein Hallenbetrieb

Ellwangen. Die Stadt Ellwangen reagiert auf die Beschlüsse, welche die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder getroffen haben. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, werden ab Montag, 2. November, alle Veranstaltungen bis zum 30. November abgesagt. "Zu den abgesagten Veranstaltungen gehören neben Veranstaltungen des Kulturamts auch die Ellwanger Wildwochen, deren Fortsetzung aufgrund der Schließung der Gastronomie nicht möglich ist." Ebenso entfalle die Sammlung für die Kriegsgräberfürsorge, die für den Samstag, 14. November, geplant war. Weiter seien ab dem kommenden Montag keine Vereinsveranstaltungen mehr in den städtischen Hallen möglich. "Die Stadt wird darauf achten, dass die vorgegebenen Regelungen eingehalten werden. Diese betreffen unter anderem den Aufenthalt in der Öffentlichkeit."

Oberbürgermeister Michael Dambacher bittet deshalb alle Bürgerinnen und Bürger, ihre Kontakte in den kommenden Wochen zu verringern. "Jeder kann mit dem Einhalten der Hygienevorschriften und dem Einhalten des notwendigen Abstandes einen Beitrag leisten, dass sich die Pandemie vor Ort nicht weiter ausbreitet", so Dambacher.

Änderungen ergeben sich ab dem 2. November für die städtischen Einrichtungen: "Das Wellenbad und das Alamannenmuseum werden geschlossen, hingegen werden die Musikschule und die Stadtbibliothek vorerst geöffnet bleiben." Ab Montag sei auch wieder eine Terminvereinbarung für einen Besuch im Rathaus notwendig. Das heißt, die Dienststellen und Ämter der Stadt könnten nicht mehr ohne Voranmeldung besucht werden.

Für alleinstehende oder kranke Bürgerinnen und Bürger biete die Stadt weiterhin das Angebot "Ellwangen hilft sich" an: Jeweils am Dienstag und Donnerstag ist in der Zeit von 10 bis 12 Uhr das Hilfetelefon unter der Nummer (07961) 84410 geschaltet bzw. können Mails an corona-hilfe@ellwangen.de geschickt werden.

Für die Gastronomie bittet Michael Dambacher darum, den Bestell- und Abholservice der Betriebe in Anspruch zu nehmen.

"Als Versammlung eines öffentlichen Organs werden die Gemeinderatssitzungen weiterhin stattfinden, unter Einhaltung der Vorschriften", so die Stadt.

LEA: Für die LEA ergeben sich durch die Änderungen "keine gravierenden Auswirkungen auf unseren internen Betrieb", so Berthold Weiß, Leiter der LEA. Größere Ansammlungen gebe es dank der geringen Belegungsquote nicht. Das Personal könnte im Bedarfsfall darüber wachen, dass die Verordnung eingehalten wird.

In Ellwangens Innenstadt ist bereits jetzt spürbar weniger los.
Auf dem Wochenmarkt gilt Maskenpflicht.

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