Mal „volle Lotte“ in Posaune röhren

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Yvonne Rieker (37) aus Ellwangen probiert im Parcous der BVSG aus, wie es ist, mit Rollstuhl zurechtkommen zu müssen.

Eine „Musikjagd“, einen Rollstuhlparcours, Kunststücke in der Luft und Sportangebote - das und mehr ist beim „Tag der Vereine“ in Ellwangens Innenstadt geboten.

Ellwangen

Die Hände liegen an den Griffen der Rollstuhlräder. Sehr ungewohnt. Links nach vorne und rechts nach hinten drehen. Sonst wird’s nichts mit dem Ausparken. Hirn und Hände wollen nicht so recht zusammenspielen. Wie es sich anfühlt im Rollstuhl zu sitzen und wo die typischen Alltagstücken sind, das zeigte die BVSG (Behinderten- und Versehrtensportgemeinschaft) Ellwangen an der Ecke Spitalstraße – Marienstraße. Der BVSG ist einer von vielen Ellwanger Vereinen, die sich am Samstag beim „Tag der Vereine“ den Bürgerinnen und Bürgern präsentierten. Das Ziel: sich nach der langen Coronapause wieder ins Gedächtnis zu rufen und Lust auf Verein zu machen.

Zufrieden war der BVSG-Vorsitzende Heinz Rieker nicht. „Dadurch, dass alles örtlich so verteilt war, hat sich das ziemlich verlaufen.“

Musikangebote kommen gut an

Eine weitere Station befand sich in Röhlingen hinter der Schule. Dort war mächtig was los. 20 Kinder hatten großen Spaß bei der „Musikjagd“ des Musikvereins. Thilo und Kai pusten kräftig in die Posaune. „Volle Lotte reinröhren“, grinst Jugendleiter Steffen Kurz. Dann wird gemessen, was sie an Dezibel zusammenbekommen. Pia (11), Jule (8) und die anderen haben Instrumente gesucht. Und in einem Art Memory den Instrumentenkoffern zugeordnet. Es werden Klänge erraten und mit Dietmar Wiests Musikvereinsjugend Rasseln gebastelt.

Eine T2 in der Luft

Auch beim Flugplatzfest der Fliegergruppe Ellwangen ist mächtig was los. Das Programm ist vollgepackt. Durch Corona ging zu lange nichts. Jetzt vollführt Pilot Matze mit seiner silbernen T2 Kunststücke in der Luft. Unten wird gestaunt – auch über die ausgestellten Oldtimer – geknipst und applaudiert

Der TSV wollte Turnen für Powerkids und Tennis für Kinder anbieten, Christine Heckert von der SG Schrezheim einen Bewegungsparcours. Keiner kam. Bei der Schnupperstunde für jedermann des Tennisclubs wars ein Einziger. Matteo (8) aus Neunheim. Der macht seine Sache wirklich gut. „7:4 für Dich“, lobt Trainerin Gudrun Sauer. Mama Corinna Bieg überlegt, ob's am Badewetter liegt, dass die sportlichen Angebote so schlecht angenommen wurden. Christine Heckerts Erklärung: „Wir hatten erst zehn Tage Zeltlager in Schrezheim. Danach schnappen sich die Eltern üblicherweise ihre Kinder und fahren in den Urlaub. Das Datum war für uns ungeschickt.“

Flohmarkt läuft prima

Richtig glücklich sind dagegen Jutta Jakob und Margret Schreg vom Juze. Sie hatten zusammen mit den Klimahelden und dem Haus Lindenhof einen Benefizflohmarkt organisiert. „Wir haben viel dafür geschafft. Heute sind wir dafür belohnt worden“, freut sich Jakob. Es waren jede Menge Besucher da. Und sie haben auch gerne eingekauft. Erstens gab's vom Knochenkarle (einem künstlichen Skelett) über alte Kinderbücher oder trendige Krawatten wirklich alles, was das Secondhandshopperherz begehrt. Und zweitens ging es ja um einen guten Zweck. Denn der Erlös geht an „medica mondiale“, eine gemeinnützige Organisation, die sich weltweit für Frauenrechte einsetzt. Tobias Brenner, Bewohner des Haus Lindenhof und einer der Klimahelden, hat ein kleines Panflötenkonzert gegeben.

Knochenkarle und Drehorgel

Jetzt steht Lütfiye Ceylan an der Drehorgel, die jeder mal ausprobieren darf. Sie kurbelt. Klänge ertönen. Und ein Lächeln stiehlt sich auf ihr Gesicht. Die Damen auf der Bank am Haus singen gut gelaunt mit. Ein 55-jähriger Aalener vertieft sich im Schatten in die „Rock Dreams“-Ausgabe von 1973. Nur die siebenjährige Elias versteht nicht, warum der Knochenkarle noch nicht verkauft ist. Denn der ist perfekt fürs nächste Halloween.

Lütfiye Ceylan genießt es, als sie die Drehorgel beim Juze-Benefizflohmarkt mal ausprobieren darf.
Bei der "Musikjagd" des Musikvereins Röhlingen gibt Leni beim Dezibel-Test mit der Posaune alles.
Zusammen mit den Helfern der Vereinsjugend des Musikvereins Röhlingen haben 20 Kinder eine Instrumentenmemory gemacht und Rasseln gebastelt.

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