Mit der Öffnung kommt die Zuversicht

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Montagvormittag, ein Blick vom Fuchseck in die Marienstraße: Die Menschen kommen in die Stadt zurück und erledigen Einkäufe, die mitunter seit Wochen aufgeschoben worden waren.
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Erleichterte Mitarbeiter, glückliche Kunden und endlich sieht man wieder Menschen auf den Straßen. Am Montag nach dem Lockdown in der Ellwanger Innenstadt.

Ellwangen

Wochen-, nein monatelang herrschte Tristesse in der Ellwanger Innenstadt. Verschlossene Ladentüren, menschenleere Straßen. Seit Montag erlaubt die Inzidenz unter 50 den Einzelhandel, mit Abstand und Hygienekonzept. Hier ein Bericht vom Rundgang durch die Innenstadt.

In der Wolfgangsstraße kommen mir bereits zwei ältere Damen mit gefüllten Einkaufstaschen entgegen und der Blick in das Stadtzentrum zeigt auf den ersten Blick: Das Leben kehrt zurück, es sind wieder Menschen zu sehen.

Bei NKD in der Marienstraße stehen zwei Kunden an den Außenregalen, auch drinnen sieht man Interessierte. Vor dem Ellwanger Hemdenladen treffe ich auf einen Bekannten: "Schau wie ich aussehe, ich brauche seit Wochen dringend eine neue Jeans. Jetzt kaufe ich schnell ein, solange es möglich ist."

Rainer Horlacher macht der Erleichterung ebenfalls Luft: "Ich hatte soeben meine erste Kundin. Jetzt hoffe ich, dass wir bis Ostern geöffnet bleiben." Der Textileinzelhändler aus Hüttlingen hat sich während des Lockdown mit Werbung auf Online-Kanälen sowie "click and meet" beholfen. Jetzt hofft er auf die Rückkehr zur Normalität der Vor-Corona-Zeit und setzt Hoffnung in die neue Luka-App.

"Endlich wieder geöffnet!"

Bei Schuh-Neubert in der Marienstraße werden die Kunden von einem Schild empfangen: "Endlich! Wir haben wieder für Sie geöffnet". Auch hier ist bereits einiges los, ebenso bei Foto-Zirlik. "Wir durften im Lockdown immerhin Passbilder machen", erzählt Martin Reimer. Doch den Fotostudios fehlen vor allem die großen Familienfeste, Hochzeiten, Kommunion. Noch während wir uns unterhalten, ruft ein Kunde an und will wissen, ob das Geschäft auch wirklich geöffnet ist.

Auf der anderen Straßenseite das Modegeschäft "Malaleika" ist noch geschlossen. Nicht nur Kunden, auch manche Einzelhändler waren am Morgen offenbar verunsichert, was denn nun gilt. Manche haben vielleicht auf eine behördliche Mitteilung gewartet, weil die Nachrichten in den Medien, etwa zu den Schnelltests, allzuschnell überholt sind.

Bei Juwelier Hunke sind Ein- und Ausgang getrennt, Inhaber Andreas Hunke hat für seine Belegschaft auf eigene Kosten Schnelltests eingekauft, damit sich jeder zuhause testen kann. Nichts wäre schlimmer, als wenn die Mitarbeiter jetzt, da wieder geöffnet werden darf, coronabedingt in Quarantäne müssten.

"Wir registrieren schon seit über einer Woche zunehmend Anfragen nach Terminen und Beratung. Die Kunden haben Einkäufe verschoben, manche wollen ein Weihnachtsgeschenk umtauschen, andere wollen Trauringe anschauen."

Das Personal aus der Kurzarbeit zu aktivieren, sei nicht schwer gewesen. Die Werkstatt war ohnehin geöffnet und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien über eine App verbunden.

Hunke hofft, dass die Inzidenz dauerhaft unter 50 bleibt. Ein ständiges On-Off wäre für die Stimmung verheerend, denkt er.

Wir registrieren schon seit über einer Woche zunehmend Anfragen nach Terminen und Beratung.

Andreas Hunke Juwelier

Das Weihnachtsgeschäft fehlt in allen Branchen

"Es hat sich schon vorige Woche abgezeichnet, dass wir öffnen dürfen", sagt Anna Junginger von der Buchhandlung Rupprecht. "Wir waren in der Kurzarbeit alle auf standby und sind froh, dass wir jetzt wieder arbeiten können." Das Weihnachtsgeschäft war auch im Buchhandel massiv weggebrochen. Nur "Click and collect" machte Umsätze möglich. "Wir haben glücklicherweise viele Stammkunden. Manche haben sich gleich Stapelweise neuen Lesestoff besorgt", berichtet Junginger.

Am Fuchseck ist richtig was los, hier treffen die drei Haupteinkaufsstraßen aufeinander. Bei Tedi und Quick-Schuh sieht man Regale draußen stehen.

Und was hat Enzo während des Lockdown gemacht? "Gejoggt. Zehn Kilometer am Tag", berichtet der Inhaber des gleichnamigen Modegeschäfts in der Spitalstraße lachend, nachdem er die ersten Kunden bedient hat.

Auch er ist erleichtert, dass es wieder los geht. "Zum richtigen Einkaufsgefühl in der Stadt fehlt aber noch die Gastronomie", sagt er. Am Fuchseck sitzen sonst bei Sonnenschein die Menschen vor den Cafés. Davon kann man einstweilen nur träumen. Ein kleiner Trost sind die Eisdielen, wo die Naschkatzen wenigstens ein Eis auf die Hand bekommen.

Nebenan im Musikladen steht Thomas Bader hinter der Ladentheke und freut sich, dass die Normalität zurückkehrt. Auch der Musikunterricht sei wieder erlaubt ist. "Die Schüler und die Lehrer lechzen regelrecht danach", sagt er.

Große Erleichterung auch bei Kicherer Home in der Schmiedstraße: beide Geschäfte sind geöffnet, die Belegschaft ist aus der Kurzarbeit zurück und die Kunden kommen.

Bei Abele Ambiente war die Verbindung mit dem Handwerksbetrieb vorteilhaft, sagt Katharina Abele. So hatte man auch im Lockdown immer Kundenkontakt.

Dasselbe gilt für Expert Schlagenhauf, wo der stellvertretende Filialleiter Alexander Neef wieder regen Besuch verzeichnet. Die Öffnung ist auch gut für die Auszubildenden. Sie können jetzt wieder Erfahrung mit richtigen Kunden sammeln.

Kleiderständer und Warentische vor dem Eingang zum NKD: Die Auslagen zeigen eine Rückkehr zum Normalzustand an.
Andreas und Heidi Hunke vom Juweliergeschäft in der Marienstraße: Der Terminkalender hat sich in kürzester Zeit gefüllt.

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