Mobilität: Ohne eigenes Auto von A nach B

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Am Bahnhof, wo Busse und Bahn und privater Verkehr zusammentreffen, steht eine von zwei Mobilitätssäulen, die Informationen und praktische Hilfen vereinen. (v.l.) Lukas Dreher, Volker Grab, Charly Kurz.
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Wie die Beauftragten für Integrierte Mobilität die Art und Weise, wie man von A nach B kommt grundlegend verändern wollen.

Das Ellwanger Car-Sharing

Ellwangen schloss sich 2014 dem Ford-Carsharing an und stellte einen Stellplatz in der Parkpalette dafür bereit. Im Gegensatz zu anderen Städten, wo das Angebot mangels Kunden bald wieder eingestellt wurde, baut der Anbieter, das Autohaus Baur (Mutlangen), die Möglichkeiten in Elllwangen aus. Fünf PKWs, davon ein 9-Sitzer, stehen derzeit bereit. Nach der einmaligen Registrierung (49 Euro) fährt man ab 1,50 Euro pro Stunde oder 33 Euro pro Tag (ab dem 2. Tag 29 Euro) und einer Verbrauchspauschale von 0,31 Euro pro Kilometer. Bis zu einer Fahrleistung von 10 000 Kilometer pro Jahr sei Car-Sharing rentabler als das eigene Auto, sagen Fachleute. Die Mitgliedschaft ist eingebunden in Flinkster, ein bundesweit aktives Angebot. ⋌gek

Ellwangen

Verkehr im ländlichen Raum, das sind noch immer vorwiegend Kraftfahrzeuge, Autos, oft nur mit einer Person besetzt, mit Diesel oder Benzin angetrieben und damit alles andere als umweltfreundlich. Fast jeder Haushalt verfügt über eines oder mehrere Autos, mit denen fast alle Strecken zurückgelegt werden. Daran wollen Charly Kurz in Ellwangen und sein Kollege Lukas Dreher im Landratsamt Aalen Grundlegendes ändern.

Die beiden sind Beauftragte für integrierte Mobilität, sie sollen die Mobilitätswende im ländlichen Raum voran bringen. Dahinter steckt die Erkenntnis:  nur wenn die Menschen die Art und Weise verändern, wie sie von A nach B kommen, kann der Klimagasausstoß, den der Verkehr verursacht, zurückgehen.

Bezahlt werden beide Stellen über ein Förderprogramm des Landes, das auf vier Jahre angelegt ist, zur Hälfte mitfinanziert von der jeweiligen Kommune beziehungsweise dem Landkreis.

Doch was sind denn die wichtigsten Hebel, über die man die Gewohnheiten der Menschen in Bezug auf Verkehr verändern kann?

Wichtig: ÖPNV gut getaktet

Bürgermeister Volker Grab ist überzeugt, dass nur der Ausbau eines gut getakteten öffentlichen Angebots Wirkung zeigt: „Wir haben seit acht Jahren den Ellwanger StadtBus und wir sehen, wie gut der ankommt. Wir haben viele Anfragen, die Linien auszuweiten. Auch der StadtLandBus befördert immer mehr Personen.“

Allerdings gebe es noch immer Verbesserungsbedarf. Zum Beispiel darf der StadtLandBus in Ortschaften unter 200 Einwohnern nicht anhalten, um den Taxis keine Konkurrenz zu machen. Was dazu führt, dass man eben im Zweifelsfall doch wieder auf den eigenen PKW zurückgreift.

Car-Sharing wird ausgebaut

Charly Kurz meint, die Vernetzung von Mobilitätsangeboten und die Information darüber müssen unbedingt besser werden. Viele Menschen wüssten nur noch nicht, wie einfach es bereits ist, auf das eigene Auto zu verzichten. Als Beispiel verweist er auf das Car-Sharing, das die Stadt Ellwangen zusammen mit dem Autohaus Bauer anbietet. Bislang drei, jetzt sogar fünf Fahrzeuge stehen bereit für Menschen, die auf das eigene Auto verzichten wollen.

„Wer im Voraus weiß, dass er an dem und dem Tag ein Auto baucht, kann davon ausgehen, dass er eines bekommt. Wer spontan einsteigen will, muss etwas Glück haben“, erzählt Volker Grab. Das Angebot werde nämlich bereits von zahlreichen Leuten genutzt. „Das sind dann oft, Geschäftsleute, die mit der Bahn nach Ellwangen kommen und hier per Car-Sharing auf eines der bereitstehenden Autos umsteigen, um ins Industriegebiet oder nach Tannhausen oder Wört weiterzufahren.“

Zwei neue Leihautos werden nun in den Wohngebieten „Wannenfeld“ und „Karl-Stirner-Straße“ platziert, für die Alltagsfahrten der neuen Bewohnerinnen und Bewohner.

Große Hoffnung setzen die Mobilitätsbeauftragten auch auf den Fahrradverkehr. Insbesondere das E-Bike habe das Potenzial, dass Menschen alte Gewohnheiten ablegen und das Auto öfter stehen lassen. Dazu müssten jedoch die Radwege zwischen den Ortschaften ausgebaut werden und auch innerorts müsse es Strukturen geben, die etwa das Abstellen und sichern von Fahrrädern erleichtern.

Mehr Fahrradwege

In und um Ellwangen läuft bereits eine Offensive zum Ausbau von Radwegen in Hinblick auf die Landesgartenschau 2026. Auch das Thema Fahrradparkhaus oder Abstellboxen ist in Arbeit. 2026 werde es am Eingang zur Landesgartenschau entsprechende Anlagen geben, verspricht Volker Grab.

Dass E-Scooter oder E-Bikes zum Ausleihen, die in den Metropolen zum Straßenbild gehören, auch in Städten von der Größe Ellwangens bald Bedeutung gewinnen, glaubt Volker Grab eher nicht: „Wir hatten bislang keine Anfragen von entsprechenden Firmen. Ich sehe das wilde Abstellen dieser Fahrzeuge auch eher skeptisch.

Noch ist die Alternative zum Automobil alles andere als perfekt. Lukas Dreher hält die Mobilitätswende für einen Prozess, der stetig neu gedacht und ausgesteuert werden muss. Dabei helfe das Netzwerk der über 100 Mobilitätsbeauftragten im Land, die sich regelmäßig treffen und austauschen. Wichtig sei, dass die Fördermittel nicht in Stuttgart ausgegeben wurden, sondern dass zuständige Stellen im ländlichen Raum geschaffen wurden.

Neu: die Mobilitätssäulen

Am Bahnhof und bei der Parkpalette stehen seit November zwei Mobilitätssäulen, die das Land komplett finanziert hat. Sie informieren mit QR-Code über alle vor Ort verfügbaren Mobilitätsangebote. Der Nutzer hat über sein Smartphone sofort den Fahrplan für den Regionalbus oder den StadtBus parat, kommt direkt zum Car-Sharing Anbieter oder sieht, wann der nächste Zug fährt.

Für Fahrradfahrer bieten die Mobilitätssäulen eine Reparaturstation an: Luftpumpe und Werkzeug, mit denen man eine Panne schnell beheben kann.

„Diese Säulen haben Signalwirkung und stehen für eine neue Kultur: Mobility as a Service“, sagt Charly Kurz. Durch Anreize zum Umsteigen vom Auto auf andere, klimafreundlichere Verkehrsmittel, werde die Mobilitätswende Fahrt aufnehmen. Und trotzdem sei allen klar, dass im ländlichen Raum der eigene PKW auch in Zukunft noch eine große Rolle spielen werde.

Die Mobilitätssäule am Bahnhof bietet neben schnellen Links zu allen Mobilitätsangeboten auch eine Luftpumpe und eine Reparaturstation für Fahrräder.

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