Narren kommen nicht bis ins Rathaus

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Der Schlüssel zum Rathaus ist in den Händen der Narren: Auch in der Pandemie lassen sich die Fasnachter in Ellwangen nicht einfach auf das nächste Jahr vertrösten.
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Eine kleine Delegation der Fasnachtszünfte klopft am Rathaus an und fordert in aller Vorsicht die coronagerechte Herausgabe der Schlüssel.

Ellwangen

Eine Barrikade aus leeren Bierkisten vor dem Rathausportal gab am Dienstagmorgen den Passanten in der Spitalstraße zu denken: Handelt es sich etwa um das Leergut einer nächtlichen Rathausparty? Ist für die Vorbereitung der Landtagswahl wirklich so viel Bier nötig?

Als dann am Fuchseck die ersten Fasnachter auftauchten, war man klüger. Offensichtlich hatte Ordnungsamtschef Thomas Steidle die rote Wand als Pandemie-Barrikade errichten lassen, damit ja kein Narr das Virus ins Rathaus tragen kann.

Die Ellwanger Fasnachtszünfte hätten in einem normalen Jahr zu hunderten das Rathaus gestürmt. In Coronazeiten musste umdisponiert werden. Und so kam lediglich eine Delegation aus fünf Narrenpolizisten und einem Feuerteufel mit Napo-Chef Joschi Ziegler die Spitalstraße vom Fuchseck heraufgeschritten und forderte vom OB die Rathausschlüssel.

Der streckte seinen Kopf aus dem Fenster des Dienstzimmers im zweiten Stock. Eine Kapitänsmütze war die einzige Verkleidung an ihm. Dambacher wollte sich zunächst nicht stellen, erst nach längerer Debatte ließ er sich dazu bequemen, an einem langen Seil einen schwach gefüllten Vesperkorb herabzulassen.

Mit dem gaben sich die Narrenpolizisten aber nicht zufrieden. Ein Brotlaib und zwei Flaschen Wasser? Auch den Verweis auf die angespannte Finanzlage der Stadt ließen sie nicht als Entschuldigung gelten.

Mit Hits der Napo-Band, aus einem dünnen Smartphone-Lautsprecherchen machten sie Druck. "Schmiedstroß" wurde von dem Häufchen Schaulustiger mitgesungen, das sich zwischenzeitlich vor dem Rathaus angesammelt hatte.

Joschi Ziegler hatte eine Rede vorbereitet und reimte: "Nana popo! Seit ihr bereit? Willkommen zur Beklopptenzeit (...) es ist die Zeit der tollen Tage, so eine Art Idiotenplage...".

In diesem Jahr mussten sich die Fasnachter um die letzten Flaschen Fasnachtsbier der Rotochsenbrauerei streiten!

Joschi Ziegler NAPO-Chef

Da mag dem Oberbürgermeister klar geworden sein, dass es die Narren auch nicht leicht haben in dieser Zeit. Wie sollen sie ihrem Auftrag, gute Laune zu verbreiten, denn gerecht werden, wenn sie zum Häs den Mund-Nasenschutz tragen müssen?

"Wir Ellwanger Narren sind alle noch da, im Verborgenen, mit coronakonformem Trara. (...) Wir wünschen uns ein 2022 mit vielen Dingen, die mit unseren Narren wir gerne verbringen, an richtigen Gombendonnerstag in der Innenstadt und FCV-Sitzungen, die in der Stadthalle finden statt."

Die Narren waren nicht bereit, ohne den Schlüssel wieder abzurücken. Deshalb kam Michael Dambacher schließlich nach unten, wo er den Narren den Schlüssel mit den Worten übergab: "Aber nicht wieder im Roten Ochsen liegen lassen."

Vertröstet auf 2022

Joschi Ziegler nahm dem abgesetzten Rathauschef noch das Versprechen ab, im nächsten Jahr dafür zu sorgen, dass Alexander Veit von der Rotochsenbrauerei genügend Fasnachtsbier braut. "In diesem Jahr mussten sich die Fasnachter um die letzten Flaschen streiten!"

FCV Ehrenpräsident Dieter Groß, der zwischenzeitlich hinzugekommen war, applaudierte Dambacher, der dann doch ein paar Schluck Bier verteilte. Dann war die Absetzung aber auch schon vorbei.

Die Fastnachter blicken hinauf zum Dienstzimmer des OB. Für einen Rathaussturm sind sie zu wenige.

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