Neue Ideen für "Ellwangen Süd"

+
Neue Ideen für die Konversionsfläche: Der städtebauliche Entwurf von Daniel Blum spart das LEA-Gelände aus.
  • schließen

Daniel Blum, der in Nürtingen Städteplanung studiert, hat im Speratushaus seine Bachelorarbeit zum Konversionsgebiet vorgestellt.

Ellwangen

Die Fläche der ehemaligen Reinhardt-Kaserne soll zu einem neuen Stadtteil mit Wohnungen und Gewerbeflächen entwickelt werden. Es wird wohl auf lange Sicht das letzte große Wohngebiet in Ellwangen werden, das komplett neu entwickelt wird. Entsprechend groß ist das Interesse, hier viele Zukunftsthemen zu vereinen und die wertvolle Fläche möglichst sinnvoll zu verwenden.

Das Stadtplanungsamt hat zusammen mit der Kommunalentwicklung (KE) aus Stuttgart einen Entwurf vorgelegt, den der Gemeinderat mehrheitlich für gut befunden hat. Er soll nun unter Einbeziehung von Ideen der Bürgerschaft zum Bebauungsplan weitergeführt werden. Grüne und SPD wollten dagegen einen Planungswettbewerb, um für "Ellwangen Süd", wie das neue Baugebiet genannt wird, aus einem breiteren Ideenpool schöpfen zu können. Da kam die Bachelorarbeit von Daniel Blum wie gerufen. Sie wurde im Speratushaus vorgestellt.

Der Student ging mit seiner Kommilitonin Laura Hertfelder ganz anders an das Thema heran, als die Planer der Stadt. Zum Beispiel wurde das LEA-Areal ausgespart, die Flüchtlingseinrichtung muss nicht verschwinden, der Zaun verschwindet lediglich hinter einer Grünzone. Die B290, die sich bislang noch durch die Jagstaue zieht, wird als Erschließungsstraße durch das neue Wohngebiet geführt und geht in die Hohenstaufenstraße über. "Um im Jagsttal eine weitere Renaturierung der Jagst zu ermöglichen. Man könnte sogar die Landesgartenschau erweitern", sagte Blum, der davon ausgeht, dass mit der Verkehrswende viel weniger Autos fahren werden. Der Verkehr, der in Zukunft bleibt, soll Leben in das Wohngebiet bringen und Frequenz für die Geschäfte, die im Erdgeschoss der Mehrfamilienhäuser vorgesehen sind.

"Wir fragten uns, wie man in Zukunft leben will", erklärte der Student. Seine Antwort: möglichst umweltverträglich, in Mehrfamilienhäusern, die als durchbrochene Quartiere mit großen Innenhöfen angelegt sind. Bewuchs auf Dächern und Fassaden, große Privat- und Gemeinschaftsgärten, regenerative Energieversorgung durch PV und Hackschnitzelanlage der Stadtwerke, das alles sind auch Aspekte, die der städtische Entwurf berücksichtigt.

Was Blum anders macht: der Bildungscampus wird über eine breite Trasse für Fußgänger, Radfahrer, Busse mit dem Wohngebiet verbunden und die einzige Zufahrt bildet die verlegte B290. Die Wohngebäude für 1750 Menschen sind so angelegt, dass man vorhandene Strukturen wie die breiten Straßen zwischen den derzeitigen Hallen im Technischen Bereich weiter nutzen kann, Stichwort ressourcenschonendes Bauen.

Die im städtischen Entwurf bereits recht hohe Verdichtung, zwei Drittel der Gebäude sind Mehrfamilienhäuser, wird in Blums Entwurf noch viel stärker: Nur zu einem kleinen Teil sieht er Einfamilienhäuser und auch nur als Reihenhäuser. Die Wohneinheiten bringt er fast ausschließlich in teilweise sehr großen Wohnblöcken unter. Diese massive vierstöckige Bebauung schirmt den Lärm der Erschießungsstraße ab und spart Fläche. Sie macht das Wohnen aber auch preisgünstig.

"Es sind genau solche Ideen, die wir mit dem Wettbewerb sehen wollten", meinte Architekt Wolfgang Helmle. "Die Verlegung der Bundesstraße, die Erschließung durch die Hohenstaufenstraße, das denkt nur jemand, der völlig unvoreingenommen auf die Situation blickt." Der Entwurf der Stadt sei mittlerweile ohnehin obsolet, weil die LEA zum Jahresende sicher nicht schließen werde. Blums Entwurf dagegen könne parallel zum Betrieb der Flüchtlingseinrichtung entwickelt werden.

Berthold Weiß dankte Blum für die Vorstellung der Planung und wünschte sich gute Folgegespräche: "Ich hoffe, dass wir eine gute und zukunftsfähige Lösung für die Kaserne hinbekommen."

Daniel Blum vor dem Plan des Konversionsgebietes: der Student hat in seiner Bachelorarbeit eine Siedlung geplant, mit Blick auf die sozialen und ökologischen Ansprüche der Zukunft.

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Mehr zum Thema

Kommentare