Neue Unterkunft, neues Konzept für Obdachlose

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Im ehemaligen Gasthaus "Linde" in Rotenbach waren bislang durchreisende Obdachlose untergebracht. Nun wurde das Gebäude verkauft und steht nicht mehr zur Verfügung.
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Die "Linde" in Rotenbach steht für die Unterbringung von Obdachlosen nicht mehr zur Verfügung. Wo künftig Räume für Durchreisende angeboten werden.

Ellwangen

Die Unterbringung von obdachlosen Personen ist eine Pflichtaufgabe jeder Kommune, die im Polizeigesetz verankert ist. In Ellwangen steigt aktuell die Zahl derer, die obdachlosenrechtlich untergebracht sind, steil an. Das machte Jürgen Schäfer, Leiter des städtischen Sozialamts, kürzlich im Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales deutlich. Stand 30. Juni 2022 waren 116 obdachlose Personen untergebracht, darunter 22 Familien und 31 Einzelpersonen. 57 von ihnen waren Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet der Ukraine (16 Familien und zwei Einzelpersonen). Die Stadt hat vor allem von der Baugenossenschaft Wohnungen zu diesem Zweck angemietet. Die Zunahme von Personen, die obdachlosenrechtlich eingewiesen wurden, geht also vor allem auf den Krieg und nicht auf die Pandemie zurück. Die akute Wohnungsnot ist ein weiterer Faktor, der das Problem befeuert.

Mit der Caritas Ostwürttemberg hat die Stadt bereits 2018 einen Kooperationsvertrag über Obdachlosenhilfe abgeschlossen, der mittlerweile bis Ende 2023 verlängert wurde. Die Caritas übernimmt die Sozialarbeit, die mit der Obdachlosenunterbringung verbunden ist. Die Kosten dafür belaufen sich auf 9900 Euro pro Jahr, 8150 Euro für 10 Prozent einer Vollzeitstelle und 1750 Euro Sachkostenzuschuss.

Was da alles getan wird, erklärt Wolfgang Lohner, der seit 1996 in der Wohnungslosenhilfe arbeitet. Mittlerweile ist er zuständig für die Landkreise Heidenheim und Ostalb, leitet ein Wohnprojekt in Aalen und betreut auch die Wohnungslosenhilfe in Giengen. Die Gründe, warum Menschen keine Wohnung mehr finden, seien völlig unterschiedlich. Das reicht von der Haftentlassung über Familienstreit, Jobverlust, bis zu Krankheit, Verlust nahestehender Personen oder psychischen Problemen. "Wir nehmen die Leute so, wie sie sind", versichert Lohner und die Arbeit beginne bereits, wenn jemand von der Wohnungslosigkeit nur bedroht ist. Unter Prävention versteht Lohner die Kontaktaufnahme mit den Betroffenen, das Gespräch mit dem Vermieter, wenn eine Räumungsklage im Raum steht, dem Arbeitgeber, wenn Jobverlust droht. Zudem die Vermittlung von Hilfsangeboten, wenn beispielsweise ein Suchtproblem oder eine psychische Erkrankung erkannt wird.

Die Caritas übernehme die Funktion einer "sozialen Feuerwehr", die dringend benötigt werde, sagt Lohner. Eine erste derartige bundesweite Erhebung zur Wohnungslosigkeit habe erschreckende Zahlen erbracht: 178 000 Personen sind in Deutschland, 36 000 in Baden-Württemberg obdachlosenrechtlich untergebracht. Nicht mitgezählt sind diejenigen, die tatsächlich "Platte machen", also auf der Straße leben. Lohner geht davon aus, dass im Land mindestens 40 000 Obdachlose leben, 10 000 davon sind unter 18 Jahre alt.

Die Caritas betreut in Ellwangen auch die durchreisenden Obdachlosen, für die man bei der Stadt bislang Zimmer in der "Linde" in Rotenbach vorgehalten hatte. Das Gebäude steht jetzt nicht mehr zur Verfügung. Künftig soll der Personenkreis in der Goldrainstraße 6 (Männer) und in der Dalkingerstraße 22 (Frauen) untergebracht werden. "Die klassischen Tippelbrüder gibt es fast gar nicht mehr", macht Lohner deutlich, dass in diesen Räumen nur sporadisch Betrieb sein wird.

Die Betreuung vor Ort liegt bei Charlotte Raubach, die im Haus der Caritas im Sebastiansgraben ihr Büro hat. Dort betreibt die Caritas auch drei Frauenwohnungen für Frauen in Not, auch mit Kindern, die dort maximal sechs Monate bleiben können.

Bürgermeister Volker Grab machte deutlich, dass die Prävention extrem wichtig ist, um größeres Leid für die betroffenen und auch größere Kosten für die Gesellschaft zu vermeiden. Wichtig sei aber auch, die Wohnungsnot aktiv zu lindern und in der Stadt Mehrfamilienhäuser mit Sozialwohnungen zu bauen.

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