Niedrigzins schadet der Bürgerstiftung

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Vertreter des Stiftungsvorstands und der Vereine und Organisationen, die 2021 mit einem Betrag aus der Ellwanger Bürgerstiftung bedacht wurden, stellten sich im Rathausfoyer auf.
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In diesem Jahr werden 6000 Euro an soziale und kulturelle Projekte ausgeschüttet. Doch das Kapital der Ellwanger Bürgerstiftung bringt immer weniger Ertrag.

Ellwangen

Viele Stiftungen wurden gegründet, weil die Stifter sich sagten: "Mein Vermögen soll später einmal der Allgemeinheit zugute kommen." Eine Rechnung, die über Jahre und Jahrzehnte aufging, kommt bei Niedrigzinsen und steigender Inflation an ihre Grenze. Darauf machte Oberbürgermeister Michael Dambacher am Montagabend aufmerksam, bei der alljährlichen Ausschüttung von Erträgen der Ellwanger Bürgerstiftung. Das gesamte Kapital dieser Stiftung umfasste vor der Ausschüttung 529 682 Euro. Eine Summe, für die, wenn sie auf dem Konto liegt, bei fast allen Banken bereits Negativzins zu bezahlen ist. Die Stadt hat aber nicht nur das Kapital der Bürgerstiftung zu verwalten, sondern auch noch das der Grözinger-Stiftung und das der Georg- und Ruth-Weber-Stiftung.

"Die Stadt zahlt momentan für Guthaben auf städtischen Konten 50 000 bis 70 000 Euro Strafzinsen, jedes Jahr", teilte Dambacher mit. Für das Geld der Stiftungen fallen bislang noch keine Strafzinsen an, die Banken haben noch Sonderregelungen, um das Stiftungskapital zu bewahren. Doch Ertrag zu erwirtschaften ist schwierig. Man habe damit bislang unter anderem Kredite zu marktüblichen Zinsen an die städtischen Eigenbetriebe ausgegeben. So brachte das Kapital wenigstens noch etwas Ertrag. Doch aktuell liegen die marktüblichen Zinsen weit unter dem, was die Inflation vernichtet. Finden sich nicht bald ertragreichere Investments, droht das Stiftungskapital dahinzuschmelzen wie Schnee in der Sonne.

"Uns bleibt irgendwann keine andere Möglichkeit, als der Aktienmarkt. Wir werden ins Risiko gehen müssen", befürchtet Dambacher. Dabei sind die Stiftungssatzungen oft so gestaltet, dass nur risikofrei oder risikoarm investiert werden darf. Die Börse beinhaltet aber immer ein gewisses Risiko. Andererseits sagen die Satzungen auch, dass das Stiftungsvermögen erhalten bleiben soll.

Am Montagabend wurden 6000 Euro an sechs Gruppen ausgeschüttet: Der Förderverein der Buchenbergschule bekam 1900 Euro für ein geplantes integratives Schülerfrühstück. Der FC Ellwangen 1913 bekam 500 Euro für die Kinder- und Jugendfreizeit auf dem Wagnershof. Der FC Röhlingen bekam 1000 Euro, um Rollmatten für das Training der Gold Seekers anzuschaffen. Der Kneippverein Ellwangen bekam 1000 Euro für Reparaturen an der Kneipp-Anlage und Neubeschaffungen. Die THW-Helfervereinigung des Ortsvereins Ellwangen bekam 600 Euro um eine Go-Pro-Kamera für die THW-Jugend zu beschaffen. Außerdem beschloss der Stiftungsvorstand den Theatermenschen bis zu 500 Euro als Abmangel für die Aufführungen 2021 zukommen zu lassne. 500 Euro gehen auch in Form von Kinogutscheinen an ehrenamtlich besonders engagierte Personen. Gerhard Königer

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