Niemand soll allein vor dem Teller sitzen

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Einmal im Monat gibt es den ökumenischen Mittagessen im Jeningenheim: ein Angebot an alle, die sonst allein vor dem Teller sitzen, hier zusammenzukommen und Gemeinschaft zu erleben. Barbara Boecker (l.) hilft beim Verteilen.
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Der ökumenische Mittagstisch der Ellwanger Kirchengemeinden im Jeningenheim soll ein Treffpunkt werden für alle die einsam und bedürftig sind.

Ellwangen

Ausgehend von der Vesperkirche im März und November, die in Ellwangen sehr gut angenommen wird, hatte der frühere Stadtpfarrer Michael Windisch die Idee, ein dauerhaftes Essensangebot für Bedürftige in der Stadt zu etablieren. Das Vesperkirchenteam unterstützte den Plan und eigentlich sollte bereits 2020 das ökumenische Mittagessen starten. Aufgrund der Pandemie verzögerte sich der Start bis August 2021. Auch im Winter 2021/22 musste pandemiebedingt das Angebot immer wieder ausfallen beziehungsweise "to go" angeboten werden.

Nach einem Jahr ziehen Irmgard Wiest und Dorothee Steidle trotzdem eine positive Bilanz: Am vergangenen Mittwoch waren es erstmals 65 Mahlzeiten, die ausgegeben wurden. Zu Gast waren auch ukrainische Frauen und Kinder des Sprachkurses von Renate Huober. Es gab gefüllte Paprika mit Reis, wahlweise mit Fleischfüllung oder vegetarisch, dazu Tee oder Kaffee, Mineralwasser und Gebäck. Die Gäste sitzen an langen Tischen im Saal des Jeningenheims, das Essen wird an den Tisch gebracht, man unterhält sich mit den anderen und lässt es sich schmecken. Das Essen ist kostenfrei beziehungsweise wird gegen eine Spende ausgegeben.

"Im Winter haben wir auch schon Suppe als Vorspeise gereicht, oder Kuchen zum Nachtisch", berichtet Dorothee Steidle, die für die Caritas arbeitet und den ökumenischen Mittagstisch betreut. Das Essen liefert die Küche der Anna-Schwestern, es gibt immer ein paar Portionen mehr, als bestellt wurden, damit auch spontane Gäste nicht hungrig bleiben müssen. So wurden auch schon Obdachlose bewirtet, die von dem Angebot erfahren hatten.

Das ökumenische Mittagessen jeden zweiten Mittwoch im Monat richtet sich an einsame und bedürftige Menschen in Ellwangen. An Leute, die es sich nicht leisten können, einfach ins Restaurant zu gehen, um andere Menschen zu treffen. Leute, die sich schwer damit tun, Kontakte zu knüpfen. Die Organisatoren haben dafür zunächst im Tafelladen, bei den Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, im Haus Lindenhof, Werkstätte Habila geworben. Anfangs waren es 15 bis 20 Personen, später wurden es 20 bis 30, jetzt also 65. Manche sind von Beginn an dabei, kommen jedesmal, nehmen sogar noch eine Mahlzeit mit für den Verwandten oder Ehepartner, der das Haus nicht verlassen kann. Es sind bereits Freundschaften entstanden bei diesem Mittagstisch, die Begegnung gelingt, vielleicht weil es ein geschützter Rahmen ist, vielleicht auch, weil es sich um eine kirchliche Initiative handelt, wo man sich geborgener fühlt als in einem öffentlichen Restaurant, wo jeder den kritischen Blicken der anderen Gäste ausgesetzt ist.

"Die Zahl derer, die in Ellwangen allein vor ihrem Teller sitzen, ist sicher größer als man denkt", sagt Irmgard Wiest. Einsamkeit ist weit verbreitet, vor allem unter alten Leuten. Deshalb wollen die Organisatoren weiter werben für den ökumenischen Mittagstisch, bei Senioreneinrichtungen, Sozialdiensten, Selbsthilfegruppen. Kapazität gibt es im Jeningenheim genug. Bei der Vesperkirche wurden pro Tag schon über 200 Essen ausgegeben. Und der Kreis der Ehrenamtlichen, die sich in der Küche, bei der Organisation und beim Verteilen der Mahlzeiten einbringen ist mit rund 20 Personen auch nicht ganz klein.

Info: Der nächste ökumenische Mittagstisch unter dem Motto "essa, drinka, verzähla" findet am Mittwoch, 14. September statt. Anmeldung bis 9.9. unter Tel. 07961-52872.

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