NS-Gräueltaten angeprangert

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Um ein Tuch mit dem Davidstern versammelten sich am Dienstagabend rund 70 Besucher der Mahnwache und gedachten der Opfer des Nationalsozialismus.
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Gedenken am Ellwanger Fuchseck an die Opfer der Reichspogromnacht vor 83 Jahren. Wie das Friedensforum den Abend gestaltet hat.

Ellwangen

An ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte wurde bei der Mahnwache am Fuchseck erinnert, damit die Ereignisse in der Reichspogromnacht - die Nacht vom 9. auf den 10. November - im Jahr 1938 nicht in Vergessenheit geraten, als tausende jüdische Geschäfte geplündert und zahlreiche Synagogen geschändet und zerstört wurden. Rund 70 interessierte Besucher nahmen an der Gedenkveranstaltung teil.

Das Friedensforum und die Mahnwache machten die grausamen Ereignisse, die sich damals abspielten wieder lebendig, auch unter lokalem Bezug. Um ein großes weißes Tuch, auf dem der Davidstern aufgemalt war, versammelten sich die Gäste und waren von den Redebeiträgen ergriffen. Josef Baumann vom Friedensforum sagte: „Damals brach ein unvorstellbares Inferno aus und der Rechtsstaat zerbrach. Die große Mehrheit blieb stumm und hat bei den Schandtaten der Nazis geschwiegen.“ So etwas dürfe sich niemals wiederholen.

Peter Maile, ebenfalls vom Friedensforum, ging ins Detail und beleuchtete die damaligen Ereignisse in der Raumschaft. Er berichtete über das Schicksal des Zeitzeugen David Heimann aus Bopfingen-Oberdorf und seine Erlebnisse in Dachau. Der Jude Heimann sei am 9. November 1938 ins Oberamtsgefängnis nach Ellwangen unter massiven Gewaltandrohungen gebracht worden. Maile sprach von den großen Qualen, die der damals als 60-jährige habe über sich ergehen lassen müssen; er erwähnte ebenso die Torturen, die dessen Mitgefangene erliten. Maile berichtete von unzähligen Transportzügen von Menschen, die mit der Bahn im KZ Dachau ankamen, die geschlagen, geschunden und misshandelt wurden. „Manche hielten das lange Stehen ohne Nahrung nicht aus, anderen versagten die Nerven, so dass sie schrien, wie wilde Tiere“, erzählte Heimann. Nach einer langen Zeit des Wartens hätten die Gequälten in die Baracken gedurft. Heimann sei den Nazis entkommen und nach Amerika ausgewandert.

„Der Antisemitismus ist zu einer Art digital beschleunigten, umgedrehten Weltreligion geworden“ kontatierte Volker Lauster-Schulz vom Friedensforum. Man müsse ihn mit aller Entschiedenheit bekämpfen. „Wir können Antisemitismus mit Bildung, Wissen und Begegnung durchaus überwinden. Mensch für Mensch.“

Im Anschluss stellten die Besucher der Mahnwache Kerzen auf den Davidstern, in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Hubert Thalheimer und Berthold Weiss umrahmten die Mahnwache mit Gesang und Gitarre sowie einigen jiddischen Liedern.

Besucher der Mahnwache am Fuchseck legten am Dienstagabend Kerzen am Davidstern nieder, zum Gedenken an die Opfer des Nazionalsozialismus.

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