Ohne Kläranlagen und Anreicherung wäre die Jagst jetzt trocken

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Die Verbandsschau am Sonnenbachstausee, der auch als Badesee genutzt wird.
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Aus den Rückhaltebecken des Wasserverbands obere Jagst verdunstet derzeit mehr Wasser als nachfließt. Warum trotzdem nicht zu befürchten ist, dass der Fluss austrocknet.

Ellwangen

Am Stauwehr beim Schießwasen ist derzeit kein Rauschen mehr, nur noch ein müdes Plätschern. Nach Wochen ohne Niederschlag wird es langsam trocken im Einzugsbereich der Jagst. Noch gibt es für Panik keinen Grund. Das jedenfalls ist die Botschaft von Josef Gentner, Betriebsleiter des Wasserverbands obere Jagst. Bei der Verbandsschau am Dienstag fährt er mit den Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedsgemeinden die verschiedenen Speicher- und Rückhaltebecken ab. Andrea Schnele, Bürgermeisterin von Lauchheim, berichtet, dass an der Jagstquelle in Walxheim derzeit gar nichts entspringt, kein Tropfen.

Wir kommen am Jagstpegel bei Schwabsberg vorbei: die Anzeige steht bei 62 Zentimeter. Das entspricht einem Durchfluss von 368 Litern pro Sekunde, erklärt Gentner. Sinkt der Pegel auf 58, verbietet das Landratsamt den Anliegern die Wasserentnahme. Noch ist es nicht so weit, doch wo kommt das Wasser der Jagst her, wenn aus den Quellen kaum noch etwas zufließt? Zum Beispiel aus den Stau- und Rückhaltebecken, des Wasserverbands. Wir stehen am Stausee Buch. Dort sind jetzt 550 000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten und nur wer genau hinschaut, sieht am Ufer, abseits der Badestellen, den kleinen Streifen kahler Steine. Der im Sommer angestrebte Dauerstau ist bereits um 25 Zentimeter unterschritten. Baden, Surfen, Segeln sind nicht eingeschränkt, die Kinder spritzen munter an der römischen Badelandschaft. Sie werden das auch in den nächsten Tagen und Wochen noch können. Der Stausee Buch wird nämlich auch bei anhaltender Trockenheit nicht so weit entleert werden, dass man beim Schwimmen am Seegrund aufsitzt.

Dafür sorgt der Wasserverband, der noch 14 weitere Hochwasserrückhaltebecken hat, aus denen er bei Trockenheit und Niedrigwasser einspeisen kann. Zum Beispiel den Stockmühlsee, in dem aktuell noch rund 500 000 Kubikmeter Wasser gespeichert sind, fast so viel wie im Stausee Buch. Am Stockmühlsee gibt es keine Freizeitnutzung und weil der See relativ tief ist, steht auch nicht zu befürchten, dass Fische absterben, wenn weiter Wasser entnommen wird. Die Ablassschieber sind so steuerbar, dass die Stauwärter gezielt das warme Oberflächenwasser auf die Reise schicken. Dass auch am Stockmühlsee der Wasserstand bereits unter dem Dauerstau liegt, hat aber nicht nur mit dem Ablass zu tun:  die extremen Temperaturen und die starke Sonneneinstrahlung lassen sehr viel Wasser verdunsten. "In fast allen unseren Becken verdunstet aktuell mehr als zuläuft", sagt Josef Gentner.

Am Haselbachstausee ist einiges los, die Gäste der beiden Campingplätze am Ufer kann man beim Baden und Stand-up-Paddeling beobachten. Der See ist sehr sauber, weil keine Kläranlagen zufließen und weil der Biber am Oberlauf der Ellenberger Rot eine Wasserlandschaft geschaffen hat, in der sich Schlamm absetzt. Mit 0,3 Kubikmeter pro Sekunde ist der Regelabfluss hier eher gering. Etwas talwärts Richtung Sechta liegt der Rötlenstausee. Auch hier findet kaum Niedrigwasseranreicherung statt. Der See ist nur 2,8 Meter tief, im Sommer erhitzt sich das Wasser schnell und aktuell hat der ASV Ostalb, der den See gepachtet hat, eine Belüftung laufen, um den Fischbesatz zu schützen.

Weil die Niedrigwasseranreicherung intelligent gesteuert wird, fällt die Jagst mit ihren Zuflüssen auch in Hitzephasen wie aktuell nicht trocken. Und es gibt noch einen Grund: weil aus den Kläranlagen an Sechta und Jagst das geklärte Abwasser der Anliegergemeinden zufließt, aktuell sind es oberhalb von Ellwangen rund 50 bis 60 Liter pro Sekunde, schätzt Gentner, die aus den Haushalten kommend am Ende in die Jagst gelangen.

Damit die Hochwasserrückhaltung und Niedrigwasseranreicherung auch künftig noch funktionieren, sind laufend Investitionen nötig. Die Staubauwerke müssen gesichert sein, um auch extreme Niederschläge aufnehmen zu können. Die Steuerung muss automatisiert und aus der Ferne möglich sein, sonst wäre das Team mit den aktuell vier Mitarbeitern zu klein. Und es muss immer wieder auch in die Wasserrückhaltung in der Fläche investiert werden. So wie bei Rötlen und bei Beersbach, wo die Rot renaturiert wurde, wo Drainagen zurückgebaut und dem Biber Raum zugewiesen wurde. Der baut nun Dämme und Stauwerke, ohne auch nur einen Euro dafür zu verlangen.

Der Wasserverband obere Jagst in Zahlen

Den Wasserverband Obere Jagst, 1956 gegründet, bilden die Gemeinden Ellwangen (Sitz), Schwäbisch Hall, Crailsheim, Langenburg, Stimpfach, Jagstzell, Gerabronn, Kirchberg, Satteldorf, Frankenhardt, Rosenberg, Rainau, Westhausen, Lauchheim, Ilshofen, Unterschneidheim und der Ostalbkreis. Die 15 Stau- und Hochwasserrückhaltebecken haben eine Rückhaltekapazität von fast 13 Millionen Kubikmeter. Im Dauerstau werden 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten und stehen zur Niedrigwasseranreicherung bereit.

Grundablass am Hselbachstausee.
Die Dammsickerung am Haselbachsee: die Mitarbeiter des Wasserverbands sehen auf einen Blick, wenn der Damm undicht wird.
Am Rötlenstausee hat der Angelverein eine Wasserbelüftung geschaltet, um den Fischbesatz zu schützen.
Die Jagst ist aktuell ein müdes Rinnsal. Damit sie nicht austrocknet, wird das Niedrigwasser aus den Rückhaltebecken des Wasserverbands angereichert.
Die Verbandsschau am Stausee Buch: aktuell wird so viel abgelassen wies zufließt. Weil zusätzlich einiges verdunstet, sinkt der Wasserstand, aber ganz langsam.

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