Ostalbtrucker: Eine Stunde Warten für eine Dusche

+
Pascal Winter ist einer der Ostalb-Trucker und gibt einen Einblick, was sich für ihn und seine Kollegen seit Corona verschlechtert hat.

Wie Corona Truckern das Leben erschwert, warum es nicht ohne Halteverbot geht und wüste Beschimpfungen an der Tagesordnung sindVon Panja Tillmann-Mumm

Ellwangen

Leicht? Nein. Das haben es Lkw-Fahrer ganz sicher nicht. Fragt man in die Runde der Ostalbtrucker nach den konkreten Problemen, lautet die erste Antwort: „Oje. Davon gibt’s 'ne Menge. Da brauchst Du einen dicken Block.“ 

Also, dann schränken wir ein: Was ist seit und durch Corona schlimmer geworden? „Ich mach' das jetzt seit 44 Jahren“, sagt Hans (64) aus Schwäbisch Gmünd. „Aber so schlimm wie jetzt, war's noch nie.“ „Bei den Kunden werden wir teilweise wie Aussätzige behandelt“, sagt Kollege Pascal Winter aus Waldstetten. Früher habe man bei den Firmen, die man beliefere, Dusche und Toilette benutzen dürfen.

Seit Corona: nada. Der Autohof in Ellwangen sei eine der wenigen Ausnahmen gewesen, berichtet Winter. Dort gebe es auch genügend Duschen. Bei anderen seien es nur zwei. „Da steht man dann eine Stunde in der Kälte an, bis man mal duschen kann“, erzählt Hans. Auch in der Raststätte Ellwanger Berge West gibt’s nur eine. Drüben auf der Ostseite genauso. Und ab dem Nachmittag herrscht regelmäßig Dusch-Stau. 

Der Umgangston der Lagerarbeiter den Fahrern gegenüber sei „sehr unangenehm“. Hans konkretisiert. Es sei beinahe an der Tagesordnung, dass man von der Lagerarbeitern als „Arschloch“ beschimpft werde, das nur schon wieder Arbeit bringe. Winters Erklärung: „Die gesamte Menschheit ist halt durch Corona gefrustet. Die Lagerarbeiter sind häufig mit Fahrern, die kein Deutsch sprechen konfrontiert, müssen alles fünf Mal erklären.“ Da sei die Laune dann... am Allerwertesten.

„Wir sind das unterste Glied in der Kette. Man wird dumm angemacht, wenn man eine halbe Stunde vor Feierabend noch Ware bringt. Dabei können wir in den meisten Fällen nichts dafür.“ Die Termine würden gerne völlig unrealistisch gelegt: „Wir sollen um 8 in Gmünd einen Auftrag laden und um 9 damit in Hamburg sein.“ Mit einem respektvollen Umgang habe das Ganze nichts mehr zu tun, findet Hans.

Anderes Beispiel: Durch Corona seien lang weniger Touristen unterwegs gewesen. Viele Raststätten hätten daher zeitig geschlossen. „An uns denkt da keiner.“ Inzwischen sei es es besser, aber: „Eine Zeit lang waren bei den Raststätten und Autohöfen die Duschen und Toiletten komplett geschlossen“, ergänzt „Passe“ Winter. „Uns stellen sie dann ein paar Dixieklos hin, die schon überlaufen“, sagt Hans.

Zehn bis 20 Euro für die Übernachtung

Zum Ab- oder Beladen brauche es inzwischen bei 80 Prozent der Kunden einen 3G-Nachweis. „Wie soll ich jeden Tag mit dem Lkw wenn ich unterwegs bin irgendwo zum Testen gehen? Das funktioniert nicht“, schildert Winter.

Der 30-Jährige hatte sich eigentlich nicht impfen lassen wollen. „Aber ohne hätte ich nicht mehr arbeiten können.“ Gefühlt war's wie eine Impfpflicht für ihn. Das Non-Stop-Tragen einer FFP2-Maske sei Pflicht beim Verladen. Paletten schieben, Gurte zurätschen. Das ist körperlich anstrengend. Und „kein Spaß mit der dicken Maske.“ Richtig schlimm geworden sei die Parkplatznot. Dafür gibt’s einen anderen Grund. Will ein Lkw-Fahrer auf einem Autohof übernachten, dann kostet das zwischen zehn und 20 Euro pro Nacht. Übrigens: in der Regel das Privatvergnügen des Truckers. Die Kosten für Dusche und Toilettenbenutzung ebenfalls. Je nachdem, was der Fahrer sich leistet, kommt er mit der Spesenpauschale hin oder nicht.  In den Ostblockstaaten sieht das neuerdings anders aus. Die dortigen Chefs erstatten inzwischen häufig die Parkplatzgebühren. So füllen sich die Autohöfe gegen Abend rasch. Spätestens um 20 Uhr ist nichts mehr zu kriegen, oft ist schon um ein, zwei Stunden zur alles dicht. Positiver Nebeneffekt: alles, was auf Autohöfen parkt, tut dies nicht mehr in Industriegebieten wie Neunheim. Doch Platz für alle gibt’s eben nicht. „Eine Stunde vorher muss man schon anfangen einen Parkplatz zu suchen“, weiß Winter. Oft genug lande er dann doch im Industriegebiet, am Waldrand oder auf einer Bushaltestelle. „Zu 50 Prozent bin ich irgendwo im Halteverbot“, gesteht Winter. Was soll er auch anderes machen? Parkplatz herbeizaubern? Auch tagsüber, wenn nach viereinhalb Stunden eine Pflichtpause ansteht, müssen die Fahrer gut planen. Überziehen sie mehr als ein paar Minuten, gibt’s richtig Ärger. 28 Tage lang speichert die Fahrerkarte alles genau: wann er fährt, wie schnell, wann er steht, wann er Pause macht. Wer im Stau steht und den Parkplatz zu spät erreicht, sind bei einer Kontrolle 30 Euro fällig. Wie stehen die Kollegen von der Ostalb zu den Truckerblockaden in vielen Ländern dieser Welt? „Dass die das wegen Corona machen, finde ich unverhältnismäßig“, meint Pascal Winter. „Aber wenn's um bessere Arbeitsverhältnisse für uns geht, dann ist es aufjedenfall gut. Wir werden einfach oft als Dreck angesehen.“

20 Uhr Autohof Ellwangen. Der Parkplatzwärter hat das Stoppschild aufgestellt. Nichts geht mehr. Alle Plätze sind belegt. Für die Lastwagenfahrer ein echtes Problem. Sie müssen ihre Ruhezeiten einhalten und irgendwo ihren Truck parken können. Neue Regelu
Die Sonne ist noch nicht mal untergegangen, da stehen die Lastwagen bei der Raststätte Ellwanger Berge West schon bist fast auf die Autobahn. Die Lenkzeit des Tages ist vorbei. Die Fahrer müssen einen Platz für die Nacht finden. Doch genau der ist Mangel

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Mehr zum Thema

Kommentare