Pater José lässt den Mut nicht sinken

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Bernhard Kuhn (links) hält täglich über Skype Kontakt zu Comboni-Missionar Pater Josef Schmidpeter (rechts) in Peru.
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Pater Josef Schmidpeter befindet sich in Arequipa seit Monaten in Quarantäne. Eigentlich wollte er im Februar seinen 85. Geburtstag in Deutschland feiern.

Ellwangen/Arequipa

Die Pandemie hat Peru hart getroffen. Mitte März verhängte die Regierung einen monatelangen Lockdown. Trotzdem verbreitete sich das Virus schnell und forderte viele Tote. Der Comboni-Missionar P. Josef Schmidpeter – Pater José, wie er dort genannt wird – hat in Arequipa mit der Unterstützung aus Deutschland eine Poliklinik aufgebaut, die in der Krise für viele Bewohner wichtige Anlaufstelle war.

Josef Schmidpeter erzählt in einem Skype-Telefonat von Corona-Testkampagnen in den Armenvierteln, die nur mit der Hilfe aus Deutschland möglich waren. Er selbst konnte nicht dabei sein, weil er krankheitsbedingt seit März in der Wohnung bleiben muss. Die Ärzte lassen ihn nach seiner Herz-OP und einer Pankreatitis nicht auf die Straße. Zu groß ist die Gefahr, sich anzustecken.

Schmidpeter konnte die vielen Hilfesuchenden aber vom Fenster seiner Wohnung aus sehen. Die Klinik hatte auf der Straße ein Behandlungszelt aufgebaut, um die Armen kostenlos zu testen. Sonst muss man in Peru 20 Soldes (rund 15 Euro) für einen Test bezahlen. Das können sich immer weniger Menschen leisten. Im Lockdown waren die Straßen wie leergefegt. Die Wirtschaft lag darnieder, die Armut verschlimmerte sich.

In Peru denkt niemand, Corona sei harmlos. Zwei Drittel der Klinikmitarbeiter haben sich angesteckt, zehn Ärzte, darunter auch einige junge, sind gestorben. Das berichtet der Präsident des gemeinnützigen Vereins Espiritu Santo, Victor Bernal Szkuta.

"Arequipa ist zwar eine Millionenstadt, hat aber nicht viele Ärzte", sagt er. Seit einer Woche steigen die Corona-Zahlen wieder stark an, Peru fürchtet die zweite Welle, die Argentinien bereits erreicht hat. "Peru hat Beatmungsgeräte bekommen, kann sie aber nicht einsetzen, weil Fachärzte fehlen, die sie bedienen können", berichtet er. Auch in der Poliklinik in Arequipa, die zwischenzeitlich um ein zweites Haus, um kleines Seniorenheim und um eine Klinik in Lima erweitert wurde, fehlt Personal. 30 Prozent der Ärzte behandeln nicht, weil sie um ihre Gesundheit fürchten.

Die Klinik ist Schmidpeters Lebenswerk. Der Missionar hat mit dem Trägerverein eine Dachorganisation geschaffen, die alle Häuser verwaltet und die Spenden, die überwiegend aus Deutschland kommen, ohne staatliche Einflussnahme dort einsetzen kann, wo sie am dringendsten benötigt werden. Und sein Freundes- und Förderkreis zuhause unterstützt ihn.

Bernhard Kuhn, Josef Muck, Berthold Vaas und viele andere kennen Schmidpeter seit Schülerzeiten. Sie besuchten das Josefinum, das katholische Seminar in Ellwangen, das der Pater geleitet hat, bevor er nach Peru ging. Sie wollen ihm etwas zurückgeben, weil er vorgelebt hat, was christliches Denken und Handeln bedeutet.

Die Krise lässt sich nur durch Zusammenhalt lösen.

Pater Josef Schmidpeter Comboni-Mussionar

"Diese Krise lässt sich nicht egoistisch lösen, nur durch Zusammenhalt", sagt Schmidpeter. Er ist zuversichtlich, dass die Pandemie ein Umdenken bewirkt, mehr Solidarität, weniger Aufspaltung in Arme und Reiche. Am 3. Oktober durfte Pater José in Schutzkleidung kurz auf die Straße, um eine Ansprache zum deutschen Nationalfeiertag zu halten. Sogar der deutsche Botschafter war dabei. "Einheit bringt Gesundheit und Leben", sagte er da mit Blick auf die deutsche Wiedervereinigung.

Im Lockdown mussten viele andere soziale und private Kliniken den Betrieb einstellen, "espiritu santo" blieb offen. Dank der Spenden aus Deutschland konnte man Schutzmaterial für die Ärzte, Pfleger und Schwestern beschaffen, berichtet Szkuta.

"Der Blick nach Peru hilft"

Josef Muck, Notarzt in Ellwangen und Mitglied im Freundes- und Förderkreis, kennt die Sorgen um Desinfektionsmittel, Masken und Gummihandschuhe. "Viele Leute bei uns haben noch nicht verstanden, worum es geht", ist seine Einschätzung. Vielleicht helfe der Blick nach Peru dabei, die notwendigen Einschränkungen wie das Masketragen hierzulande leichter auszuhalten. Josef Schmidpeter jedenfalls klagt nicht: "Es ist ein großes Opfer, aber es geht, weil wir ein größeres Ziel haben." Seinen Tag verbringt er mit Beten, Schreiben, Lesen. Er hält Kontakt zu seinen Freunden und Unterstützern. "Oft ist mein Tag zu kurz", sagt er. Im Februar wollte er eigentlich nach Deutschland kommen und hier seinen 85. Geburtstag feiern. Doch wenn die Situation für ihn zu gefährlich wäre, muss er auch darauf verzichten.

Die Polikliniken Espiritu Santo kann man mit einer Spende an den Ellwanger Freundes- und Förderkreis unterstützen. Spendenkonto: DE38 6145 0050 1001 1150 58 bei der KSK Ostalb.

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