Ungebrochene Verehrung – Pater Philipp Jeningen und die Ellwanger

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Matthias Steuer beleuchtet in einem neuen Vortrag die besondere Beziehung zwischen dem guten Pater Philipp und den Ellwangen
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Matthias Steuer beleuchtet in einem Vortrag die ganz besondere Verbindung zwischen Pater Philipp Jeningen und den Ellwangern

Ellwangen. Dass sich zu einem Vortrag des Geschichts- und Altertumsvereins über 100 Menschen anmelden, kommt eher selten vor. Eigentlich nie. Aber genau das ist unlängst geschehen. Matthias Steuer berichtete am vergangenen Sonntag im Thronsaal des Schlosses, vor ausverkauftem Haus, über die „größte Prozession, die Ellwangen je gesehen hatte“. Dabei im Fokus: der gute Pater Philipp, der am 16. Juli seliggesprochen wird.

In diesem Vortrag, der aufgrund des enormen Interesses am 26. Juni noch einmal wiederholt werden wird, geht Steuer vor allem auf ein Ereignis ein: Die Öffnung des Grabes von Pater  Philipp Jeningen im Kreuzgang. Am 19. November 1953 hatte man hier die sterblichen Überreste auf Weisung der Römischen Ritenkongregation ausgegraben. „Dabei wurde im Prinzip das komplette Skelett des Pater entdeckt, dazu Haarbüschel und sogar noch Reste seines braunen Priestergewands“,  berichtet Matthias Steuer im Gespräch.

Das Ereignis habe vor fast 70 Jahren die gesamte Stadt in Atem gehalten. Als die Gebeine des Paters nur wenig später, am 7. Dezember, auf den Schönenberg gebracht wurden, um dort aufgebahrt zu werden  – also in jener Kirche, die 1682 auf Initiative Jeningens gebaut worden war – gab es eine beispiellose Prozession in Ellwangen. Zigtausende Menschen, darunter viel Prominenz aus dem gesamten Baden-Württemberg, begleiteten den Pater auf diesem Weg, dessen Leichnam einen Tag später, am 8. Dezember, in der Liebfrauenkapelle zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Die Geschehnisse zwischen dem 19. November und 8. Dezember 1953 sind detailliert im Bild festgehalten worden. Allerdings nicht zuvorderst von den örtlichen Zeitungen, sondern von einem Mitglied des Geschichts- und Altertumsvereins. Der Vermessungsrat a.D. Anton Pfeffer hatte vor 69 Jahren zur Kamera gegriffen und unzählige Fotos angefertigt. Von der Grabung, der gigantischen Prozession und auch der Beisetzung in der Liebfrauenkapelle.  Neben dem Bildmaterial wurden von Pfeffer auch alle möglichen Dokumente, darunter der Programmablauf und sogar der medizinische Untersuchungsbericht zu den sterblichen Überreste Jeningens, in einem Album zusammengefasst, das bis vor Kurzem – mehr oder weniger - unbeachtet im Magazin des Schlossmuseums lagerte.

Nachdem Papst Franziskus im vergangenen Jahr den Weg für die Seligsprechung des Ellwanger Seelsorgers und Volksmissionars frei gemacht hatte, erinnerte sich Steuer an das einzigartige Zeitdokument, arbeitete es durch, digitalisierte alle Fotos und konzipierte dazu einen spannenden Bildervortrag, der auf eindrucksvolle Weise aufzeigt, welche enorme  Bedeutung der Pater[S1]  für die Stadt Ellwangen über die Jahrhunderte hinweg hatte – und selbst heute noch hat.  „Dieser Mann wurde und wird in Ellwangen verehrt. Nicht etwa, weil er ein großer Kirchenmann war. Er hat auch nichts ganz Außergewöhnliches geleistet. Dieser bescheidene, bodenständige Mann hatte aber eines, was ihn in besonderer Weise ausgezeichnet hat  - er hatte eine große Liebe zu den Menschen“, sagt Steuer. Jeningen habe sich zu Lebzeiten für die Ellwanger regelrecht aufgeopfert, er habe versucht, die große Not, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Stadt herrschte, zu lindern. Überliefert ist von ihm das folgende Zitat: „Mehr vermag ich nicht zu tun, als mein Leben für meine Ellwanger hinzugeben.“

Genau dafür hätten ihn die Menschen geliebt und nie vergessen. Steuer erinnert in diesem Zuge daran, dass Jeningens Grab im Kreuzgang im 19. Jahrhundert über lange Zeit wegen Baufälligkeit überhaupt nicht zugänglich war. 39 Jahre lang, bis 1842, konnte niemand das Grab besuchen. Als es dann wieder möglich war, strömten die Menschen sofort wieder in Scharen ans Grab – als wäre es nie anders gewesen.

Laut Steuer sei übrigens der Seligsprechungsprozess , der 1945 offiziell in Gang gesetzt wurde,  auf regionaler Ebene schon sehr viel früher eingeläutet worden.  Im Prinzip hätte der Jesuitenorden, dem Pater Philipp angehört hat, gleich nach dessen Tod vor über 300 Jahren die ersten Vorbereitungen dafür getroffen – eben weil die Verehrung in der Bevölkerung so gewaltig war. Am Ende habe es mit der Seligsprechung nur deshalb so lange gedauert, weil sich das Verfahren in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder mal änderte und man mit dem Procedere mehrfach von vorne beginnen musste. Nur ein Detail von vielen, über die Steuer in seinem Vortrag berichtet.

Der Leiter des Ellwanger Schlossmuseums ist überzeugt, dass Jeningens Strahlkraft bis heute ungebrochen ist. Das habe ihm die enorme Resonanz auf die Vortragsankündigung gezeigt. Ältere, aber auch erstaunlich viele jungen Menschen hätten sich zu der gebührenpflichten Veranstaltung angemeldet. 60 konnten am Sonntag in den Thronsaal dabei sein; die restlichen Interessenten sind auf einer Warteliste gelandet und bekommen am 26. Juni noch einmal eine Chance.

Info: Der Vortrag „…größte Prozession, die Ellwangen je gesehen hatte“ wird am Sonntag., 26. Juni um 18 Uhr im Schlossmuseum Ellwangen noch einmal angeboten. Da die Teilnehmerplätze begrenzt sind, ist eine Anmeldung per E-Mail unter info@schlossmuseum-ellwangen.de erforderlich. Die Gebühr beträgt acht Euro. Informationen unter Tel.: 07961/54380 oder www.schlossmuseum-ellwangen.de.

Bildlegende: Matthias Steuer blickt auf Ellwangen – an jenem Fenster stand vor 300 Jahren, am 14. September 1681, Pater Philipp und bat den Fürstpropst Johann Christoph Adelmann um den Bau der Schönenbergkirche.

 Bildlegende: Matthias Steuer beleuchtet in einem neuen Vortrag die besondere Beziehung zwischen dem guten Pater Philipp und den Ellwangen.

 Bildlegende: Eine Aufnahme aus dem Jahr 1953 – sie zeigt den Schädel von Pater Philipp Jeningen. Foto: Anton Pfeffer

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1953 – sie zeigt den Schädel von Pater Philipp Jeningen.

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