Preise für Mineraldünger sind zum Verzweifeln

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Getreidefeld vor dem Ellwanger Schloss: um hochwertiges Getreide zu ernten sind sehr exakte getimte und bemessene Düngergaben nötig.
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Wie sich die gestiegenen Energiepreise auf die Erzeugung von Nahrungsmitteln auswirken können und wie die Landwirte damit umgehen.

Ellwangen In den vergangenen Monaten sind die Preise für Erdgas stark angestiegen. Während sich die meisten Menschen noch darum sorgen, dass die Beheizung ihrer Wohnräume teurer wird, haben die wenigstens im Blick, dass sich die Preissteigerung am Energiemarkt auch massiv auf die Lebensmittelerzeugung auswirken wird. Denn im Schatten der Energiewirtschaft explodieren die Notierungen für Mineraldünger.

Hannes Zipfel, Prokurist der BAG Hohenlohe mit Schwerpunkt Düngemittelhandel, schildert die Situation: Seit Sommer habe sich der Preis für den wichtigsten Mineraldünger Kalkammonsalpeter mehr als verdoppelt. "Zeitweise konnte man gar keine Ware kaufen", sagt er. Die Marktnotierungen bewegen sich um 700 Euro pro Tonne. Vor einem Jahr bekam man dieselbe Menge noch für 170 Euro.

Die Ursache der Verteuerung liegt entscheidend am Gaspreis. Methan wird mit Luftstickstoff zu nitrathaltigem Dünger veredelt. Das dafür verwendete Erdgas dient zu 20 Prozent als Energie für den Produktionsablauf, zu 80 Prozent als Ausgangsstoff für Methan. Weniger rentable Kunstdüngerwerke haben die Produktion ganz eingestellt, als der Gaspreis anstieg. Als sich dann eine Knappheit auf dem Markt für Düngemittel abzeichnete, stoppten wichtige Hersteller wie Russland und China den Export, um den eigenen Bedarf zu sichern.Wichtige Hersteller wie Jara haben erst jetzt begonnen, ihre Werke wieder hochzufahren.

Die Landwirte zögerten im Sommer und Herbst mit dem Einkauf in der Hoffnung, dass die Preise bald wieder sinken würden. Die fatale Folge: "Wir haben viel zu wenig Ware in der Fläche", sagt Zipfel. Denn die BAG habe ihrerseits auch nicht auf eigene Rechnung eingekauft, die eigenen Lager sind nicht gefüllt. "Das Risikomanagement verbietet es uns als genossenschaftlichem Unternehmen, derart hochpreisig einzukaufen", sagt Zipfel. Nur im Kundenauftrag wurden Kontrakte abgeschlossen. Zipfel geht davon aus, dass sich die Lage bis zum Frühjahr nicht entspannt.

Er empfiehlt den Landwirten jetzt Mineraldünger zu ordern, damit sie im Frühjahr überhaupt Material zur Verfügung haben. Auch bei den aktuellen Preisen sei die Wirtschaftlichkeit noch gegeben, weil für hochwertiges Getreide ebenfalls mehr bezahlt wird.

Helmut Hessenauer, Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft am Landratsamt Aalen, empfiehlt den Landwirten in dieser Situation Wirtschaftsdünger einzusetzen. Gülle und Festmist aus tierhaltenden Betrieben könnten fehlenden Mineraldünger bis zu einem gewissen Grad ersetzen. Allerdings gelte es, die jeweiligen Gaben exakt dem Bedarf anzupassen und zum richtigen Zeitpunkt auszubringen. Es sei zu erwarten, dass bis zum Frühjahr auch tierischer Dünger teuer werden wird, meint der Amtsleiter. Wichtig sei es deshalb, das Material verlustarm, also bodennah auszubringen.

Stefan Schmid in Neresheim hat einen reinen Ackerbaubetrieb. Auf 140 Hektar Fläche baut er zu zwei Dritteln Weizen und Raps, zu einem Drittel Braugerste an. Für seine Kulturen kann er nicht auf Mineraldünger verzichten, weil für Brotgetreide entsprechende Inhaltsstoffe benötigt werden. "Ich habe vor kurzem den Dünger eingekauft, den ich zum Start im Frühjahr brauche", sagt er. Tierischer Dünger sei für seinen Betrieb keine Alternative, zumal auch die Preise für Gülle und Mist angezogen haben. "Die Viehhalter brauchen ihren Dünger in der Regel selbst, es ist auch gar nicht mehr so viel verfügbar, weil viele Schweinehalter aufgehört haben", sagt der Landwirt.

Leguminosen anzubauen war eine Überlegung, weil man dafür weniger Stickstoff benötigt und auch weil der Anbau gefördert wird. letztlich hat er sich dagegen entschieden. Stefan Schmid: "Es gibt für die Leguminosen noch keinen Markt wie beim Getreide, der Anbau ist interessanter, wenn man das selbst verfüttern kann."

Ihre Getreideproduktion können die Landwirte über Vorverträge ein Stück weit absichern. Wenn man weiß, wie viel für die Ernte bezahlt wird, lassen sich die Ausgaben für den Dünger kalkulieren. Es bleibt jedoch das Wetterrisiko und die Unsicherheit, was den Ertrag betrifft. Schmid geht jedenfalls davon aus, dass die Ernte 2022 überregional betrachtet geringer ausfallen wird, weil der Dünger fehlt.

"Das Risikomanagement verbietet es uns als genossenschaftlichem Unternehmen, derart hochpreisig einzukaufen."

Hannes Zipfel, Prokurist der BAG Hohenlohe
  • Das Wetter bleibt der entscheidende Faktor
  • Noch ist jeder Blick auf die Ernte 2022 reine Spekulation: Wird das Jahr trocken oder feucht? Welche Schädlinge finden die besten Bedingungen? Was ist mit Frost, Hagel, Starkregen? Trotzdem kann man schon jetzt sagen, dass eine Unterversorgung mit Mineraldünger die nächste Ernte beeinträchtigen wird, sowohl bezüglich der Menge, aber auch ganz entscheidend bezüglich der Qualität. Ohne genau dosierte Düngergaben, wie sie eben nur mit Kunstdünger möglich sind, lassen sich hohe Qualität, etwa Brotgetreide und Braugerste, kaum erzeugen. Mit tierischem Dünger allein wird eher Futterqualität erreicht.

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