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In der Liebfrauenkapelle im Kreuzgang der Ellwanger Basilika liegt die letzte Ruhestätte des bis heute verehrten „guten Pater Philipp“, wie die Ellwanger „ihren“ Jesuitenpater respektvoll nennen. Zwischen 1680 und 1704 wirkte er von Ellwangen aus, wo er auch verstarb. Sein Andenken halten die Ellwanger bis heute in hohen Ehren.
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Nach der Anerkennung eines Wunders durch Papst Franziskus ist der Weg frei für die Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen. Was nun die nächsten Schritte sind.

Ellwangen

Die Kirchengemeinde St. Vitus in Ellwangen freut sich mit dem Jesuitenorden und der Diözese Rottenburg-Stuttgart über die Anerkennung eines Wunders auf die Fürsprache von Jesuitenpater Philipp Jeningen.

Papst Franziskus hat die Entscheidungen der zuständigen Kommissionen der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren am 19. Juni anerkannt.

Der diözesane Wunderprozess, der jetzt erfolgreich abgeschlossen werden konnte, wurde bereits im November 2011 in der Basilika St. Vitus feierlich eröffnet. Dort befindet sich auch das Grab des neuen Seligen.

Bis heute gehen Gläubige aus Ellwangen und aus der näheren und weiteren Umgebung zum „guten Pater Philipp“ und erbitten seine Fürsprache. Die Bücher, in denen die Anliegen in der Liebfrauenkapelle eingetragen werden können, umfassen mittlerweile zahlreiche Bände und bezeugen die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem „Apostel des Virngrunds“, wie Jeningen auch genannt wird.

Ellwangens Stadtpfarrer Michael Windisch dankte allen, die vor allem in den letzten Jahren am Seligsprechungsverfahren mitgewirkt haben. Bedeutsam dabei war auch die anhaltende Verehrung von Pater Philipp, die durch die „action spurensuche“ mit ihren Angeboten und durch die jährliche, Anfang Oktober stattfindende, Wallfahrt an sein Grab wichtige Impulse erfährt.

„Pater Philipp kann“, so Pfarrer Windisch, „auch für die heutigen Kirchengemeinden ein Vorbild sein, den Menschen vom Evangelium Christi her Orientierung für ihr Leben zu geben, wie er es in seiner Zeit in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts getan hat.“

Markus Krämer von der „action spurensuche“ erreichte die Nachricht in einer Videokonferenz mit anderen Mitgliedern der „action“: „Die Freude ist übergroß, so etwas erlebt man wahrscheinlich nur einmal im Leben.“ Besonders freut Krämer „die Bestätigung durch die Kirche, dass er verehrungswürdig ist.“

Jeningen habe in einer Zeit, die die Verheerungen des 30-jährigen Krieges zu überwinden suchte, durch sein Leben und Wirken den Menschen Beispiel und Halt gegeben. „Gerade in unserer heutigen Zeit sind solche Personen wichtig, sie können uns viele Impulse geben“, so Krämer.

Die Nachricht müsse er nun erst einmal sacken lassen, „wahrscheinlich werden wir es erst in den kommenden Tagen so richtig realisieren.“

Auf jeden Fall wird die diesjährige 30. Wallfahrt unter einem besonderen Blickpunkt stehen. Nach pandemiebedingter Pause soll sie in diesem August als Sternwallfahrt coronakonform zum Schönenberg führen, „das hatten wir sowieso geplant“, so Krämer. Weitere kleine Aktionen sollen punktuell folgen, unter dem Motto „Gott in allem suchen.“

Seligsprechung Damit Pater Philipp als „Seliger“ bezeichnet und verehrt werden kann, muss nach Kirchenrecht noch ein offizieller festlicher Gottesdienst für Pater Philipp Jeningen abgehalten werden. Das kann wohl in Ellwangen im zweiten Quartal 2022 der Fall sein.

Die Freude ist übergroß. So etwas erlebt man wahrscheinlich nur einmal im Leben.“

Markus Krämer, action spurensuche

Seligsprechung: Wie das kirchenrechtliche Verfahren abläuft

Vorbild Seliggesprochene Männer und Frauen haben in vorbildlicher Weise in der Nachfolge von Jesus Christus gelebt. Die Seligsprechung ist in der römisch-katholischen Kirche ein kirchenrechtliches Verfahren, bei dessen Abschluss der Papst nach entsprechender Prüfung erklärt, dass ein Verstorbener als Seliger bezeichnet werden und als solcher öffentlich verehrt werden darf. Voraussetzung sind entweder das Martyrium oder ein heroischer Tugendgrad und – im Falle, dass es sich nicht um einen Märtyrer handelt – der Nachweis eines Wunders, das auf die Anrufung des Seligen und dessen Fürsprache bei Gott bewirkt wurde. Der „heroische Tugendgrad“ Philipp Jeningens wurde bereits 1989 festgestellt.

Untersuchungsverfahren Es wird meist vom Bischof des Wirkungsortes eingeleitet. Dort liegt dann auch die Verantwortung, Beweise über das Leben und Sterben des Menschen zu sammeln, der seliggesprochen werden soll.Zudem müssen Zeugnisse für dessen Tugendhaftigkeit, den Ruf der Heiligkeit und ein Wunder vorgebracht werden. Ein anderes Verfahren gilt für Märtyrer.

Prüfung Diese Akten werden dann von der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse geprüft und dem Papst vorgelegt, der nun das Wunder von Pater Philipp Jeningen anerkannt hat.

Selige werden im Gegensatz zu Heiligen nur regional verehrt. Der Heiligsprechung geht die Seligsprechung eines ehrwürdigen Dieners Gottes (lat. venerabilis servus dei) voraus. Das Verfahren gleicht weitgehend der Seligsprechung.

Die alljährliche Philipp-Jeningen-Wallfahrt war vor Corona-Zeiten stets gut besucht.

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