Reicht der Hochwasserschutz an der Jagst künftig noch?

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Das Hochwasserrückhaltebecken Schwabsberg nach dem Starkregen vom 9. Juli: Allein hier könnte der Wasserverband Obere Jagst 2 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten.
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Der Wasserverband Obere Jagst hat am Unwetter vom 9. Juli den aktuellen Hochwasserschutz analysiert.

Ellwangen

Nach heftigen Regenfällen trat am 9. und 10. Juli die Jagst über die Ufer. In Ellwangen war der Fußweg an der Jagst gesperrt, in Schrezheim schwamm ein Witzbold auf dem Fußballplatz, in Jagstzell war die Bahnunterführung unpassierbar. Harmlose Folgen, wenn man bedenkt, was sich wenige Tage später an der Ahr und in anderen Regionen ereignete.

Josef Gentner, Betriebsleiter des Wasserverbands Obere Jagst, hat das Hochwasserereignis vom 9. Juli trotzdem analysiert. Die Frage, ob der Hochwasserschutz am Oberlauf der Jagst angesichts der jüngsten, extremen Niederschläge in Teilen Europas zukünftig noch ausreicht, hat für den Verband zentrale Bedeutung.

Die Daten zur Einschätzung einer Hochwasserlage, Niederschlag- und Abflussmengen, sind allgemein verfügbar. Die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) des Landes betreibt Messstationen im ganzen Land und informiert laufend im Internet (www.hvz.baden-wuerttemberg.de).

In der Nacht vom 8. auf den 9. Juli fielen an der Messstation Lauchheim in drei Stunden 58 mm Niederschlag, in 14 Stunden waren es 100 mm. Die Jagst stieg am Landespegel Schwabsberg auf 2,50 Meter an. Ab dem Wert gibt der Wasserverband Alarm, die 15 Rückhaltebecken werden angestaut.

„Ohne Rückhaltung wäre der Jagstpegel auf 2,80 Meter gestiegen, der Schießwasen wäre überflutet worden“, rechnet Gentner vor. 1994, als das Wellenbad überflutet wurde, war der Pegel bei 2,87 Meter.

1,8 Millionen Kubikmeter Wasser wurden am 9. Juli zurückgehalten. Das meiste in den Trockenbecken Schwabsberg und Reiglersbach, die aber gar nicht bis zum Maximum gestaut werden mussten. Der 9. Juli war kein Kraftakt, der Wasserverband kann mehr als doppelt so viel in seinen Anlagen zurückhalten, die Unterlieger werden vor einem 100-jährigen Hochwassers (HQ 100) geschützt.

Josef Gentner ist trotzdem alles andere als entspannt. Denn die Niederschläge, die an den Orten der Flutkatastrophe in kürzester Zeit fielen, überstiegen die Werte eines HQ 100 bei Weitem. Vor dem Hintergrund lässt der Verband prüfen, ob der Sommerstau in den Rückhaltebecken niedriger angesetzt werden muss, damit im Ernstfall mehr Stauvolumen verfügbar bleibt.

Ohne Rückhaltung wäre der Schießwasen überflutet worden.“

Josef Gentner, Betriebsleiter Wasserverband o. Jagst

Allerdings dienen die Becken auch zur Niedrigwasseranreicherung. In trockenen Sommern schützt der Verband die Jagst davor, trocken zu fallen.

Klar ist auch: Der Wasserverband bietet zwar einen gewissen Schutz, doch Garantien, dass immer alles trocken bleibt, kann er nicht geben. Denn gegen lokalen Starkregen, der kleine Bäche schnell zu Strömen anwachsen lassen kann, ist der Verband machtlos. Das zeigte sich dieses Jahr bereits am Schlierbach und in Buch, als bei Schwenningen ein Unwetter abregnete und schlagartig abfloss.

„Wer in einem gefährdeten Gebiet lebt, trägt eine gewisse Eigenverantwortung“, meint Gentner. Mit Rückstauklappen, die vor Flutschäden aus der Kanalisation schützen, mit Warn-Apps, die ab bestimmten Niederschlagsmengen Alarm geben, mit sachgemäßer Nutzung und Ausstattung der Kellerräume kann man den Schaden im Falle eines Hochwassers begrenzen.

Es sei denn, das Wasser kommt so wie an der Ahr, dann hilft nur noch die Flucht.

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