Rockband: „Omikron war noch nie so gut“

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Omikron nach der Umbesetzung: (v.r.) Harry Glab, Alois Guschlbauer, Kurt Dürrschmidt, Anton Lessel und dahinter die Bläser Rudolf Groß, Gerhard Huber und Klaus Hilsenbek.
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Von 1970 bis 1973 gab es in Ellwangen eine Rockband, die so hieß wie die neue Mutante des Coronavirus.

Ellwangen

In der Stadthalle, wo sich in diesen Tagen viele gegen „Omikron“ impfen lassen, haben die Massen einst der Band desselben Namens zugejubelt. „Omikron war noch nie so gut“, konnte man als Schlagzeile lesen, nachdem die Band im Peutinger Gymnasium aufgetreten war. Weitere Konzerte gab es zwischen 1970 und 1972 im Speratushaus, im Jeningenheim, in Wasseralfingen und Oberkochen.

Alois Guschlbauer, der die Band gegründet hat, ist heute Ende 60 und erinnert sich noch gut daran, wie er damals als 17-Jähriger mit dem Zug von Ellwangen nach Aalen fuhr, weil er bei den Papierwerken Waldhof (später Munksjö) eine kaufmännische Ausbildung begonnen hatte.

Mit im Zug saß jeden Morgen Harry Glab, der bei Zeiss eine Lehre machte. Irgendwann kam man auf das gemeinsame Hobby zu sprechen, Alois spielte Elektro-Gitarre, Harry Bass und das war die Keimzelle einer neuen Band, die sich „Omikron“ nannte.

Der Bandname kommt von dem Stern „Mira Omikron Ceti“, ein Stern mit Schweif im Sternbild Walfisch. „Das fanden wir Klasse, das passte zu uns, weil wir auch an einen kometenhaften Aufstieg glaubten“, erzählt Guschlbauer.

Als Schlagzeuger kam Stefan Stumpf hinzu, der später mit der J.C. Long Bluesband spielte und noch später Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle den Namen gab. Vierter im Bunde war der erst 16-jährige Samuel Beck mit seinem Saxofon.

„Wir waren inspiriert von Pink Floyd, unsere Stücke waren zwischen 20 und 30 Minuten lang und live wurde weitgehend improvisiert“, erzählt Guschlbauer. Der Rotenbacher komponierte, schrieb Texte und sang auch. Wobei der Gesang eher im Hintergrund blieb, weil Beck sein Saxofon wie ein Lead-Instrument einsetzte. „Der war eher Jazzer, wie Jan Gabarek“, sagt Guschlbauer heute.

Geprobt wurde in der Gartenhütte des Bassisten, der bei der Stadtmühle wohnte. Die Hütte richteten sich die vier wohnlich ein und die Verstärker und Boxen bauten sie sich zum Teil noch selbst aus Bausätzen und Röhrenradios.

Als nach einigen Auftritten Stefan Stumpf das Motorradfahren für sich entdeckte und die Band verließ und auch der Saxer ausstieg, suchten Guschlbauer und Gaab nach neuen Musikern. Fündig wurden sie bei Anton Lessel und Kurt Dürrschmitt, die bei der Ellwanger Band „Es“ gespielt hatten. Lessel kam als Elektronik-Spezialist hinzu. Er bastelte an Verzerrern und elektrischen Instrumenten und prägte den neuen Omikron-Sound.

„Der Moog-Synthesizer kam damals groß raus und machte ganz neue Sounds möglich. Wir konnten uns solche Geräte nicht leisten, wollten aber so ähnlich klingen“, erzählt Guschlbauer. Kurt Dürrschmitt wurde neuer Drummer und war der einzige Musikprofi bei Omikron. Guschlbauer: „Er stammte aus Tschechien und hatte dort bereits Musik gemacht. Kurt brachte härtere Rhythmen rein. Wir waren damals alle von Krautrock geprägt und hörten Klaus Doldinger. Daher kam die Idee, wir brauchen eine Bläsersektion.“

Guschlbauer wurde im Nachbarhaus fündig und brachte den Trompeter Claus Hilsenbeck, („Bock“), in die Band. Rudolf Groß (Sax), Karl-Heinz Thum (Querflöte) und Gerhard Huber (Posaune) machten den Bläsersatz komplett.

In dieser Besetzung spielte Omikron noch einige gute Konzerte, unter anderem an Fasnacht im Keller der Stadthalle. In der Schwäbischen Post wurde die Band im Juli 1973 als „Popgruppe des Monats“ vorgestellt, kurz bevor sich die Band auflöste. „Es gibt leider keine Tonaufnahmen mehr. Was wir im Proberaum und bei Konzerten auf Tonband aufgenommen hatten, ist verlorengegangen“, berichtet der ehemalige Bandleader, der immer noch gerne zur Gitarre greift, wenn er nicht gerade im Atelier an einem neuen Bild malt.

Der Bandname sollte schnell über die Lippen gehen.“

Alois Guschlbauer, Gitarrist von Omikron
  • „Omikron“ in „Pop Regional“
  • „Pop Regional“ war die Jugendseite der Schwäbischen Post, die 1973/74 monatlich erschienen ist. Verantwortlich war Michael Kneissler, ein Mitglied der Ellwanger Redaktion.
Alois Guschlbauer
Alois Guschlbauer gründete die Band "Omikron" 1970.
Die Band "Omikron" wurde am 20. Juli 1973 auf der Jugendseite der Schwäbischen Post als Popgruppe des Monats vorgestellt.

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