“Rückenwind” schließt pandemiebedingte Lernlücken

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Der Mathe-Förderkurs am PG: (hinten v.l.) Markus Seckler, Klaus Haferkorn, Jürgen Walgenbach, Stella Herden.
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25 Lehrkräfte helfen Kindern und Jugendlichen an Schulen in Ellwangen und Umgebung im Rahmen der Landesinitiative “Rückenwind”.

Ellwangen. Kleingruppen einer Jahrgangsstufe, individueller Förderplan und geschulte Pädagogen: das ist das Erfolgsrezept, mit dem seit Oktober Schülerinnen und Schüler die Lernlücken beseitigen, die während der Coronapandemie entstanden sind.

Am Peutinger Gymnasium sitzen am Donnerstagnachmittag drei Jungen und drei Mädchen im Mathekurs bei Jürgen Walgenbach. Der ehemalige Rektor der Eugen-Bolz-Realschule ist eigentlich längst in Pension. Doch als das Kultusministerium das Förderprogramm “Lernen mit Rückenwind” auflegte, um die Kinder und Jugendlichen zu unterstützen, die während der Pandemie ins Hintertreffen gerieten, war er bereit, noch einmal den alten Beruf aufzunehmen.

Zusammen mit Eric Giefer und Klaus Haferkorn baute er eine Rückenwind-Gruppe auf, in der seit Oktober 25 Lehrkräfte arbeiten. Darunter sind neben pensionierten Kollegen auch Lehramtsstudierende, die in den Kursen Praxiserfahrung sammeln. Die Schulen melden den Förderbedarf an und richten die Kurse ein, die Rückenwind-Lehrkräfte unterrichten nach Bildungsplan und sondieren die individuellen Lücken der Teilnehmenden.

Den organisatorischen Part und die Abrechnung übernimmt das Lehrerportal goodgrade, das vom Kultusministerium als Partner anerkannt wurde. Weder den Schülerinnen und Schülern noch den Schulen entstehen Kosten, die Aufwandsentschädigung für die Lehrkräfte übernimmt das Förderprogramm des Landes.

“Das Konzept geht auf, weil wir erfahrene Pädagogen einsetzen”, sagt Klaus Haferkorn. Das Konzept “Oberstufe hilft Unterstufe” komme bei den Problemen, die mit der Pandemie entstanden sind, an seine Grenzen.

Es waren die vielen Unterbrechungen des Präsenzunterrichts und Defizite beim “Home-Schooling”, die dazu führten, dass Jugendliche abgehängt wurden.  “Bei Mathe baut eins aufs andere auf. Wenn man da mal nicht aufpasst, ist man schnell draußen”, sagt ein Schüler. In der depressiven Pandemiestimmung fehlten dann vielen Mut und Kraft, um sich zurückzukämpfen. Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und zu motivieren und Netzwerkprobleme nennen viele als Grund, weshalb ihre Noten nach Corona deutlich schlechter waren. Hinzu kämen Defizite im sozialen und emotionalen Bereich, weil der Austausch mit den anderen in der Klasse fehlte. “Sonst konnte ich schnell den Nebensitzer fragen, wenn ich etwas nicht verstanden hatte. Während Corona ging das nicht”, sagt ein Schüler. Die Rektorin des Peutinger Gymnasiums, Stella Herden, spricht von rund 100 Schülerinnen und Schülern, über zehn Prozent, mit Förderbedarf. Fast alle nehmen nun an den Rückenwind-Förderkursen teil. Vom Land unterstützt werden die Kurse in den Kernfächern und Kurse zur Föderung von Motivation und Sozialkompetenz, die das PG mit dem Rückenwind-Programm durch eigene Lehrkräfte abdeckt. 

Die Rückenwindkurse empfinden die Teilnehmenden als sehr hilfreich. “Ich habe mich in Mathe um drei Noten verbessert, seit ich den Kurs mache”, sagt ein Schüler und Walgenbach erklärt die schnellen Fortschritte mit der konzentrierten Arbeit in den Kleingruppen. 

Das Förderprogramm “Rückenwind” ist auch für das kommende Schuljahr gesichert, das Interesse der Schulen ist groß. Jürgen Walgenbach sucht noch Lehrkräfte, die unterrichten wollen. Informationen findet man unter www.goodgrade.de

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