Schwere Zeiten für Veranstalter

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Tobias Brenner im Madison Square Garden in New York.
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Nach der Pandemie klagen viele Veranstalter über verhaltene Nachfrage. Auch Tobias Brenner spürt in Ellwangen die Krise der Kulturschaffenden.

Ellwangen

Während der Pandemie lief der kulturelle Bereich fast leer: Konzerte, Tourneen wurden abgesagt, Beschäftigte von Eventmanagement, Ton- und Lichttechnik suchten sich andere Jobs. Eigentlich sollte der Betrieb seit diesem Jahr wieder voll anlaufen, doch der Motor stottert.

Das spürt auch Tobias Brenner, der seit vielen Jahren schon Konzerte im TSV-Ballroom veranstaltet. Er plante im Oktober mit der Heavy-Band „Bonfire“ ein ausverkauftes Haus. Der Vorverkauf lief sehr gut, doch zwei Wochen vor dem Konzert sagte die Band alle Auftritte ab. Angeblich weil sich der Gitarrist verletzt hatte, doch Tobias Brenner vermutet, dass dieser Grund vorgeschoben ist, um nicht in Regress genommen zu werden. denn die Absagen häufen sich: „The Jeremy Days“, „Rage against the machine“, „Querbeat“ und viele andere streichen Auftritte im großen Stil. Begründet wird das mal mit „mentalen Problemen“, mit Ausfällen in der Backline, oder ganz einfach mit Corona.

Tatsächlich dürften es jedoch häufig schlechte Vorverkaufszahlen sein, die für Bands und ihre Tourneeveranstalter eine Tour unrentabel machen. 

„Bei mir lief der Vorverkauf zu Bonfire sehr gut“, sagt Tobias Brenner. Viele aus den Nachbarregionen kauften Karten.  Jetzt hat er die Unkosten an der Backe, weil er den Kartenverkauf rückabwickeln muss. Bei anderen Veranstaltern wären auch Ausfallgebühren für Tontechnik und Licht fällig. „Ich habe da mein eigenes Equipment, deshalb hält sich der Schaden in Grenzen“, sagt er. Helferinnen und Helfer bei den Konzerten kommen aus dem Freundeskreis.

Die Zeiten, in denen man mit Konzerten das große Geld machen konnte, sind schon länger vorbei. Ganz im Gegenteil können viele Veranstalter nur mit Fördermittel weitermachen. Die Bundesregierung hatte 2021 einen Sonderfonds mit 2,5 Milliarden Euro für die Förderung von Kulturveranstaltungen eingerichtet. Angesichts des stockend anlaufenden Kulturbetriebs  wurde die Hilfe bis Ende 2022 verlängert.

Auch Tobias Brenner könnte von den Eintrittsgeldern allein keine Bands bezahlen: „Die Band braucht ein Hotel, die wollen etwas essen. Ich muss den Saal mieten und beheizen. Ich muss Plakate drucken, Werbung machen, den Vorverkauf organisieren“, zählt er auf. Im ländlichen Raum ein „volles Haus“ zu schaffen, ist schwierig. Und die Kulturfans hier zahlen auch nicht jeden Preis. „Bei 20 Euro bleiben viele lieber zu hause“, bedauert Brenner, der das nicht versteht: „Für ein richtig gutes Konzert mit guten Musikern, davon zehrt man doch Wochen oder Monate.“ Nur weil er auch einige gute Sponsoren hat, etwa die Banken, die Baugenossenschaft, die ODR, kann Brenner das Risiko eingehen und Bands engagieren.

„Kultur ist so wichtig für eine Stadt wie Ellwangen. Und man kann die Leute auch nicht alle auf den Sommer vertrösten“, sagt Brenner und fragt sich, wo künftig noch Konzerte stattfinden sollen, wenn es die Stadthalle und den Ballroom einmal nicht mehr gibt. Beide Säle sind marode und werden wohl nicht mehr saniert. Für die Pop/Rock-Fans und alle, die es gern etwas lauter haben, wird ein Tagungshotel wohl kaum die Türen öffnen, vermutet er. 

Die nächsten Konzerte im Ballroom

Am 23. Dezember veranstaltet Tobias Brenner den „Weihnachstrock“ mit der „Noisepollution Rockrevue“: Eine Show mit Power und vielen Hits der 60-er bis 80-er Jahre von Steely Dan, Sting, Clapton, The Who u.a..

Am 28. Januar kommt die Jimmy Reiter-Band zu einer Rhythm and Blues-Night und stellt ihr neues Album vor. Jimmy Reiter gab 2016 bereits ein Konzert im Ballroom und begeisterte mit sentimentalen bis rockigen Songs.

Am 25. März kommt die Bass-Legende Hellmut Hattler mit Band. Bekannt geworden mit der Krautrockband „Kraan“, mit der er immer noch auftritt, verarbeitet Hattler auch Einflüsse von Rap und elektronischer Musik.

Tobias Brenner im Ballroom

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