Seit 600 Jahren über Kimme und Korn

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Beim Pressegespräch in der Schützenstube mit historischen Waffen aus dem Bestand der Gilde: (v.l.) Josef Klozbücher, Dr. Michael Hofmann und Wolfgang Brenner.
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Die Ellwanger Schützengilde hat große Pläne im Jubiläumsjahr. Ob sie umsetzbar sind, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab.

Ellwangen

Ein "guter Ochse, ein silberner Becher, ein goldener Ring" und wertvolle Gewänder waren die Preise für die besten Schützen, als am 7. September 1439 die "Schießgesellen" von Nördlingen zum Armbrustschießen nach Ellwangen eingeladen wurden. Der Einladungsbrief, er ist im Stadtarchiv Nördlingen erhalten, ist die erste urkundliche Erwähnung der Ellwanger Schützengilde. Das Gründungsjahr 1421 wurde aufgrund dieses Schreibens angenommen.

In den 600 Jahren bis zum heutigen Tag hat sich bei den Ellwanger Schützen einiges verändert. Das wird beim Pressegespräch im Schützenhaus mit der Leitung der Gilde deutlich. Die Armbrust hängt nur noch an der wand. Sie wird nur noch beim Kinderfest eingesetzt, wenn die Kinder zum traditionellen "Elchschießen" zu Gast sind.

Die Ellwanger Schützen geben viel auf Tradition: Das Mobiliar im Schützenstube ist von Mitgliedern gespendet, die handgeschnitzten Stühle tragen die Namen der Stifter. Von der Decke baumelt ein Leuchter in Form einer Binokelrunde. Das darf man als Hinweis verstehen, dass bei den Schützen nicht nur geschossen wird. Im "Schützenlied" der Ellwanger Gilde heißt es: "Abends gehen wir noch einen heben, denn das ist ein schöner Brauch."

"Die Geselligkeit war bei uns schon immer wichtig", sagt Schützenmeister Wolfgang Brenner. Die Gewehre und Pistolen, viele historische Stücke sind im Schützenstube ausgestellt, sind für die Gilde in erster Linie Sportgeräte, keine Waffen.

1493 treten in Ellwangen erstmals bei einem Preisschießen die Armbrust- neben den Büchsenschützen an. Dann wird die religiöse Sebastiansbruderschaft gegründet, für die das gemeinsame Gebet so wichtig ist wie der gemeinsame Sport.

Vom Schießwasen auf den Kugelberg

Daran kann man ersehen, dass das Schießen für die Gilde eine ganz andere Bedeutung hatte als für bewaffnete Kämpfer, die es zu dieser Zeit freilich auch gab. 1607 erlässt der Fürstprobst eine Schützenordnung mit der Pflicht zu regelmäßigen Schießübungen. Der Herrscher hat die militärische Bedeutung der Schützengilde erkannt und will sie zu einer wehrhaften Einheit formen.

Geschossen wird in Ellwangen vom "Schießwasen" auf den "Kugelberg", jedenfalls bevor die Straße nach Rotenbach gebaut wird. Nach 1802/03, als Ellwangen zum Königreich Württemberg kommt, nennt sich die Schützenvereinigung "Bürgerliche Schützengesellschaft von Ellwangen" und nachdem man zwischenzeitlich auch an den Schlossweihern und bei der Kettenschmiede geübt hat, wird 1867 mit Hilfe der Stadt ein Schießhaus am heutigen Standort errichtet.

Das aktuelle Schützenhaus geht im Kern auf 1880 zurück, als das alte Schießhaus erneuert wird. Aus den Fenstern der heutigen Schützenstube wird mit Schwarzpulver auf die Scheiben geschossen, die am "Kugelfang" aufgestellt sind.

Die Geselligkeit war bei uns schon immer wichtig.

Wolfgang Brenner Schützenmeister

So heißt das Wäldchen noch heute, das auf der Wallanlage bei Rotenbach zwischenzeitlich gewachsen ist. Die Distanz: gut 300 Meter. Im Bunker unter den Zielscheiben sitzt ein Scheibenableser, der mit einem Fähnchen anzeigt, ob und wo der Schütze getroffen hat. "Und wer dem Scheibenjungen das beste Trinkgeld gegeben hat, hatte hinterher das beste Ergebnis", sagt Wolfgang Brenner schmunzelnd.

Das Schützenhaus dient dem Sport und der Geselligkeit

Das Schützenhaus ist zwischenzeitlich mehrfach saniert und erweitert worden. In der 2002 errichteten Schießhalle gibt es 12 Stände für Luftgewehr und -pistole auf die 10-Meter-Distanz. Im Untergeschoss sind fünf Stände für Pistole und Revolver auf 25-Meter-Distanz und vier Stände für Kleinkalibergewehr mit 50 Meter-Bahn. Diese sind teilüberdacht und können auch von den Vorderladerschützen genutzt werden.

Derzeit hat die Gilde neun Mannschaften, die in den Rundenwettkämpfen der Kreis- und Bezirksklasse schießen: zwei Mannschaften Luftgewehr, zwei Luftpistole, zwei Sportpistole und drei Vorderlader Perkussionspistole. Daneben gibt es eine sehr aktive Abteilung von Bogenschützen und eine Böllerschützengruppe. Insgesamt hat die Schützengilde momentan 234 Mitglieder, davon 20 Jugendliche. Oberschützenmeister (Vorsitzender) ist Josef Wagner, Schützenmeister (2. Vorsitzender) Wolfgang Brenner.

Der Festausschuss plant für alle Fälle

Im Festausschuss, der das 600-jährige Jubiläum vorbereitet wirkt auch der Ehrenoberschützenmeister Josef Klozbücher mit, der von 1996 bis 2008 die Gilde leitete.

Geplant sind ein großes Böllertreffen am 29. Mai auf dem Schießwasen, die Einladungen an über 100 Böllerschützen sind bereits verschickt. Ein Festabend mit 200 bis 220 Personen soll am 19. Juni in der großen Stallung auf dem Schloss stattfinden. Dazu ist als Ehrengast sogar der Ministerpräsident eingeladen. Immerhin ist die Ellwanger Schützengilde der siebtälteste Schützenverein in ganz Baden-Württemberg.

Ob Kretschmann kommt, ob der Festabend überhaupt stattfinden kann, hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. "Wir haben für das Böllertreffen und für den Festabend auch Termine 2022 reservieren lassen, falls die Coronaauflagen dieses Jahr die Veranstaltungen verhindern", sagt Wolfgang Brenner. Feiern wollen die Schützen ihr rundes Jubiläum auf jeden Fall, denn die Geselligkeit ist ein ganz wesentlicher Zweck ihrer Gemeinschaft. Die Rotochsenbrauerei wird ein Schützenbier abfüllen, ein Talerschießen möchte man gerne veranstalten und eine Ausstellung der Schützenscheiben in den Schaufenstern der Innenstadtgeschäfte.

Die Sammlung der bunt bemalten Schießscheiben umfasst mehrere hundert Exemplare, die ältesten sind noch aus dem 18. Jahrhundert und fast alle haben Bezug zur Stadtgeschichte. In Arbeit ist auch eine neue Festschrift, in der die Beschreibung der alten Schießscheiben ein wesentlicher Inhalt sein soll.

Sieger Köder gestaltete diese Schützenscheibe.
Die Fahne und das Ziel der Elchschützen im Schützenhaus.
Auch diese Schützenscheibe trägt Köders Handschrift.
Seit 600 Jahren besteht die Schützengilde Ellwangen.

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