Sie hat mich angeschaut, ihr Gesicht war voll Blut

Im Gerabronner Mordprozess hält ein Gutachter den Angeklagten für schuldfähig.

Ellwangen. Dr. Fabian Lang aus Gersthofen kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: "Es gibt keine Hinweise auf eine verminderte oder aufgehobene Schuldfähigkeit." Das ist das Fazit seines Gutachtens, das er am vergangenen Freitag im Gerabronner Mordprozess vor dem Landgericht Ellwangen erstattet hat.

Wie berichtet, ist dort ein 48-jähriger Busfahrer angeklagt, am 14. November 2019 seine 45-jährige Ehefrau umgebracht zu haben. Nachdem die Verteidiger nicht bestreiten, dass ihr Mandant die Tat begangen hat, ist für sie die Frage entscheidend, ob der Mann im Affekt gehandelt hat, ob er also vermindert schuldfähig war.

Rechtsanwalt Matthias Sigmund hat deshalb einen Beweisantrag in Aussicht gestellt, mit dem er die Vernehmung einer weiteren Zeugin erreichen könnte. Von ihr erhofft er sich Aufschluss über den Gemütszustand seines Mandanten vor der Tat.

Ob es zu diesem Antrag kommt, wird sich am kommenden Dienstag, dem dritten Verhandlungstag zeigen. Zu Beginn der Verhandlung am Freitag hat der Angeklagte eine Erklärung abgegeben, die seine Verteidigerin Anna Göbel verlesen hat.

Die Biografie des Täters

Darin äußerte sich der Mann vor allem zu seinem persönlichen Werdegang. Demnach hat der 1972 in Kirgisien geborene Mann, der seinen Vater früh verloren hat, nach dem Hauptschulabschluss eine Ausbildung als Lkw-Fahrer und Mechaniker absolviert. 1990 ist er nach Deutschland gekommen, wo er 1993 seine Frau heiratete. Das Ehepaar baute in Gerabronn ein Haus, der Mann arbeitete zuletzt als Busfahrer.

Aus dieser Erklärung wird auch deutlich, dass es in der Ehe schon vor längerer Zeit eine Krise gegeben hat: 2008 wollten sich die Eheleute trennen und ihr Haus verkaufen, versöhnten sich aber wieder.

Die Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Gerhard Ilg hat nun weitere Zeugen vernommen, darunter die drei Söhne des Angeklagten im Alter von 19, 21 und 25 Jahren. Sie schilderten unter anderem Gespräche, die sie am Tag vor der Tat mit ihrem Vater geführt hatten. Zum einen ging es dabei um die Forderung ihrer Mutter, die für ihren Anteil am Haus 170 000 Euro statt der angebotenen 140 000 Euro haben wollte.

Zwei der Söhne – der dritte Sohn ist noch in Ausbildung – erklärten sich dabei bereit, ihrem Vater finanziell zu helfen.

Es gibt keine Hinweise auf eine verminderte oder aufgehobene Schuldfähigkeit.

Dr. Fabian Lang Psychiater

Zum anderen ging es um einem Brief der Rechtsanwältin der Mutter, in dem diese für ihre Mandantin erklärte, die Mutter habe für die Familie auf eine eigene Karriere verzichtet, weshalb sie jetzt nur wenig Geld verdiene. Dies habe den Vater gekränkt.

Augenzeugen berichten

Zwei Frauen waren am 14. November unmittelbare Augenzeugen des Geschehens auf dem Gemeindeweg zwischen Binselberg und der Brettachhöhe. Eine 26-jährige Frau passierte mit ihrem Auto die Stelle als der Angeklagte an der Fahrertür des Renaults seiner Frau stand. Sie hörte ein lautes Klirren und sah im Rückspiegel, dass die Seitenscheibe eingeschlagen war und dass der Mann durch das Fenster gebeugt auf die Frau einschlug.

Nachdem sie einen Notruf abgesetzt hatte, beobachtete sie zudem, dass die Frau weglief und von dem Mann verfolgt wurde.

Frau kauert auf dem Boden

Die zweite Zeugin, eine 18-jährige Arbeitskollegin des Opfers, hielt mit ihrem Auto unmittelbar hinter dem Wagen der Frau. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Mann auf der Fahrerseite des Renaults. Während die Frau vor ihm auf dem Boden kauerte, schlug der Mann auf sie ein.

"Sie hat mich angeschaut, ihr Gesicht war voll Blut", berichtete die Zeugin unter Tränen. Auch sie setzte – dann aus sicherer Entfernung – einen Notruf ab.

Dann beobachtete sie, dass der Mann die Frau ins Auto schob und sie weiter schlug. Der Mann ging demnach dann zunächst zu seinem Auto, um etwas zu holen, zündete sich am Auto der Frau eine Zigarette an und warf sie nach einer kurzen Pause in den Wagen, der daraufhin in Flammen aufging.

Erwin Zoll

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