Singen und Spielen in der Tagespflege

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Gut aufgehoben und gut gelaunt: Seniorinnen in der Tagespflege der St. Anna Schwestern beim Mensch-ärgere-dich-nicht mit Claudia Keil (stehend) und Maria Allet (2.v.r.).
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Vor zehn Jahren wurde die Tagespflege der St.-Anna-Schwestern gegründet. Heute führt die Einrichtung mit 17 Pflegeplätzen eine Warteliste.

Ellwangen

Anna Vaas liebt die kreativen Angebote. Mit der Schere etwas aus Papier ausschneiden oder auch zeichnen und Vorlagen ausmalen bereitet der 97-Jährigen viel Freude. Zumal sie dabei unter den anderen Frauen und Männern in der Tagespflege der St.-Anna-Klinik auch immer jemanden zum Reden findet.

Die Seniorin aus Röhlingen kommt seit zehn Jahren in die Tagespflege, viermal pro Woche. Sie wird von ehrenamtlichen Fahrern mit dem Kleinbus abgeholt und direkt vor die Tür der Betreuungseinrichtung gefahren. Hier gibt es Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffee, man liest gemeinsam Zeitung, es wird gesungen, vorgelesen und auch die Gymnastikübungen sind täglich Programm.

Die Räumlichkeiten auf dem Kugelberg, direkt neben dem Sieger-Köder-Museum, sind ideal, Anna Vaas traut sich gelegentlich auch auf die Terrasse. Zuhause verlässt sie das Haus nicht mehr, seit sie vor einiger Zeit mit ihrem "Wägele" gestürzt ist.

Mit drei "Gästen" nahm die Tagespflege der St.-Anna- Schwestern vor zehn Jahren den Betrieb auf. Die Betreuung von Pflegebedürftigen, Gebrechlichen und Demenzkranken durch Fachpersonal sollte den Bedürfnissen der "Gäste" entgegenkommen und die pflegenden Verwandten entlasten.

Raus aus dem grauen Alltag, aus Einsamkeit und Lethargie

Raus aus dem grauen Alltag, aus der Einsamkeit, der Lethargie und der Langeweile, so empfindet auch Ruth Weber (90 Jahre alt) die Tage bei den St.-Anna- Schwestern. Sie ist erst das dritte mal hier. "Wenn ich abends gegen 16.30 Uhr heimgebracht werde, ist der Tag gelaufen. Dann bin ich erschöpft von den Eindrücken und gehe bald zu Bett", sagt sie. Die Begegnungen mit den anderen, die Gespräche und Aktivitäten regen an und sind doch gleichzeitig auch anstrengend.

Die Leiterin der Einrichtung, Claudia Keil, weiß wie das strukturierte Tagesprogramm auf Senioren wirkt, die bis dahin den ganzen Tag selbst gestalten mussten. "Je nach Verfassung des einzelnen empfehlen wir, zunächst auch nur ein- oder zweimal pro Woche zu uns zu kommen", sagt sie und freut sich, dass die Tagespflege mittlerweile so gefragt ist, dass sogar eine Warteliste nötig wurde.

"Allzu lange sind die Wartezeiten aber nicht, weil es immer wieder vorkommt, dass Gäste der Tagespflege in ein Pflegeheim überwiesen werden müssen." Claudia Keil arbeitet mit einem Team aus fest angestellten Fachkräften, Praktikanten und Ehrenamtlichen.

Am Abend bin ich erschöpft von den vielen Eindrücken.

Ruth Weber 90 Jahre alt

So wie Maria Allet, die seit 2010 als ehrenamtliche Helferin in der Tagespflege arbeitet, so wie sie eben Zeit hat. Mal spielt sie mit einer Gruppe "Mensch ärgere dich nicht", mal hilft sie beim Essen oder erzählt Geschichten.

"Die Ehrenamtlichen bringen ständig neue Eindrücke von draußen in die Einrichtung", erklärt Claudia Keil, die auch immer wieder externe Besucher einlädt. Zum Beispiel einen Imker, eine Kindergartengruppe oder eine Mitarbeiterin mit einem Therapiehund. So wird das eigentlich streng strukturierte Tagesprogramm stetig durchbrochen durch dosierte, neue Eindrücke.

Neue Eindrücke helfen gegen Senilität und Demenz

Das sind "Ereignisse" im Tagesablauf und die sind wichtig für ältere Menschen. Sie helfen, Senilität oder Demenz etwas aufzuhalten. Ebenso wie die Gespräche, die Übungen im Rechnen, in Feinmotorik, Lesen, Singen und Bewegung. Betreuenden Angehörigen zuhause können selten jeden Tag ein solches Trainingspensum absolvieren.

Günter Höhn ist fast von Beginn an als Fahrer dabei. Er kümmert sich um die Busse, erledigt kleinere Reparaturen und führt Buch: "Wir sind bislang mit vier Fahrzeugen 464 500 Kilometer gefahren, um die Gäste aus einem Radius von 15 bis 20 Kilometern um Ellwangen abzuholen und heimzubringen."

Seit einiger Zeit ist auch seine Frau unter den Fahrgästen. Sie ist an Demenz erkrankt und kann nicht mehr allein zuhause bleiben. In der Tagespflege fühlt sie sich wohl, genießt die Gesellschaft der anderen und freut sich jeden Abend, wenn sie ihr Mann nach Hause bringt.

Die Tagespflege der St.-Anna- Schwestern feiert am kommenden Sonntag, 9. September, ab 14 Uhr das 10-jährige Bestehen. Neben Kaffee und Kuchen gibt es Vorträge im Hariolfsaal. Über "Bewegung im Alter" spricht Klaus May von mayphysio, über "Demenz - Verlauf der Alzheimererkrankung" Irmgard Joas-Köder von der katholischen Sozialstation St. Martin und über "Arzneimittel bei geriatrischen Patienten - typische Erkrankungen im Alter" spricht der Apotheker Jan-Thomas Berend. Um 16.30 Uhr ist ein Festakt mit dem Kapuziner P. Norbert Pöschl unter dem Motto "Dem Leben dienen mit Brot und Sahnetorte".

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