Sinkende Pegel: So soll Trinkwasser für die Zukunft gesichert werden

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Am Wasserhochbehälter Galgenberg bei Ellwangen treffen die Leitungen von Landeswasserversorgung und Nordostwasser mit denen der Stadtwerke zusammen: überörtliche Vernetzung soll helfen, die mit dem Klimawandel knapper werdenden Ressourcen besser zu verte
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Klimawandel und zunehmender Verbrauch führen zu sinkenden Grundwasserpegeln. Wie die überregionalen Versorger sich mit Investitionen gegen eine Trinkwasserknappheit stemmen.

Ellwangen

Die Kurven auf dem Diagramm, das Bernhard Röhrle vom Zweckverband Landeswasserversorgung (LW) präsentiert, sprechen eine eindeutige Sprache: Der Wasserverbrauch wächst. Die LW pumpt aktuell rund 100 Millionen Kubikmeter pro Jahr aus dem Boden. Nur 2021 war es etwas weniger, ein Ausnahmejahr aufgrund der heftigen Regenfälle im Sommer. Grund für steigenden Wasserverbrauch sind die wachsende Bevölkerung und steigende Temperaturen.

Ein zweites Diagramm zeigt die Pegelstände der Brunnen: Sie nehmen ab, langsam aber stetig. Röhrle will mit seinen Zahlen und Kurven das Unsichtbare sichtbar machen: Grundwasser, das viel zu wenig beachtet wird.

Jeder blickt auf Seen und Flüsse. Wenn die Kiesbänke im Rhein sichtbar werden und die Schifffahrt eingeschränkt wird, runzelt jeder die Stirn. Doch niemand sieht, wie die Grundwasserleiter fallen. Dabei speisen sich daraus die ganzen Brunnen und Quellen. Zu über 50 Prozent wird Trinkwasser hierzulande aus Grundwasser gewonnen.

Der 22. März ist „Tag des Wassers“. Eine gute Gelegenheit, um die aktuelle Situation und die Prognosen zum weiteren Klimawandel zu betrachten. In Baden-Württemberg ist das 1,5 Grad-Ziel zu 1880 jetzt schon erreicht. Und es wird noch wärmer werden. Die Grundwasserneubildung geht zurück. „Wir haben 2021 gesehen. Selbst die enormen Niederschläge mit Hochwasser und Flutkatastrophe haben die Reservoirs kaum entlastet. Es kommt einfach immer weniger Niederschlag im Grundwasser an“, sagt Röhrle.

Die Ursachen sind klar: Immer mehr versiegelte Flächen lassen Regen schnell abfließen, das Wasser dringt mehr nicht in den Boden ein. Die Winter ohne Schnee und Eis bewirken, dass immer weniger Wasser bis in das Frühjahr zurückgehalten wird. Bislang füllten sich die Grundwasserreservoirs zwischen Oktober und April. Doch das gilt so nicht mehr. Im Winter 2021/22 veränderten sich die Grundwasserstände praktisch nicht.

Stabile Wetterlagen werden häufiger, lange Hochs und anhaltende Winde lassen den Boden schnell austrocknen. Kommt Niederschlag, dann ist es immer häufiger Starkregen, der wieder zu schnell abfließt.

Was man dagegen tun kann? Für den Verbraucher gilt zunächst einmal, sparsam mit den Ressourcen umzugehen. Insbesondere in den heißen und trockenen Sommern. Mehrmals am Tag duschen oder im Hochsommer den Pool befüllen sollte man sich eigentlich verkneifen. Wenn das nicht geschieht, könnte es sogar früher oder später zu Verboten kommen.

Bis zu einem gewissen Grad wird sich der Trinkwasserverbrauch über die Kosten selbst steuern. „Die Wassergebühren werden steigen“, verspricht der Pressesprecher der LW und das liege nur zum Teil daran, dass Wasserversorgung viel Energie verbraucht. Es sind vor allem die Investitionen, die den Preis treiben. Der Klimawandel zwingt zum Bau von neuen, tieferen Brunnen, neuen Leitungen, Aufbereitungsanlagen. Die Wasserwerke liegen in Talauen, sie müssen gegen häufigere und schlimmere Hochwasser geschützt werden. Wenn Pumpen und Brunnen überflutet werden, fallen sie Wochen und Monate komplett aus.

Investieren müssen auch die Kommunen, die einen Teil des Bedarfs aus eigenen Brunnen decken. Je nachdem wie hoch der Investitionsstau ist, kann das in den nächsten Jahren teuer werden. Diese Kosten werden zum steigenden Preis des Landeswassers noch hinzukommen. Röhrle schätzt, dass der Wasserpreis der LW bis 2030 um über 20 Prozent steigen wird.

Patrick Helber von der Nordostwasserversorgung (NOW) zeigt, wie eine überregionale Vernetzung die Risiken des Klimawandels abfedern soll. Der Zweckverband, der nördlich der Rems aktiv ist, hat in der Vergangenheit viele kommunale Brunnen und Speicher übernommen und vernetzt. Es wurden Aufbereitungsanlagen gebaut, beispielsweise in Jagstzell-Schweighausen, wo Rohwasser enthärtet und filtriert wird. Über die Vernetzung können lokale Engpässe leichter ausgeglichen werden. Denn Wasser ist nicht überall gleich knapp. Es gibt Gunstregionen, wo die Brunnen genügend Wasser führen und Gegenden wie die Schwäbische Alb und Hohenlohe, wo Trockenheit ein großes Problem ist. 

Für einige Brunnen will die NOW höhere Nutzungsrechte erwerben. Ob der Plan aufgeht, ist offen. Bernhard Röhrle rechnet damit, dass die Landratsämter künftig Nutzungsrechte eher restriktiver vergeben. Sinkende Grundwasserstände gefährden nicht nur die Trinkwasserversorgung sondern auch Landwirtschaft, Forstwirtschaft und die Naturlandschaft insgesamt.

Der Masterplan kommt nicht schnell genug

  • Das Land Baden-Württemberg hat angesichts schwieriger werdender Wasserversorgung wegen des Klimawandels einen Masterplan in Auftrag gegeben, der grundsätzlich in die richtige Richtung gehe, wie Bernhard Röhrle sagt. Allerdings dauere es viel zu lange, bis die Resultate daraus wirksam werden.
  • Der Masterplan soll bis 2030 vorgelegt werden. Erst danach beginne die Planung von konkreten Projekten, etwa neuer Wasserwerke, Aufbereitungsanlagen, Leitungen, Speicher. Bis dann neue Anlagen auch gebaut und nutzbar werden, könne es schnell weitere 10 bis 15 Jahre dauern. Röhrle: „Es wäre wichtig, dass das schneller geht.“ ⋌gek

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