So ist es um den Wald bestellt

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Rundholz im Ellwanger Stadtwald: Holz als Rohstoff ist zwar derzeit ein gefragtes Gut, doch die Bewirtschaftung des Waldes hat viele Aspekte im Blick. Andere Faktoren und Nutzungen rücken immer mehr in den Mittelpunkt. Zudem muss der Wald fit für die künftigen Anforderungen gemacht werden.
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Welches Zeugnis dem Ellwanger Stadtwald ausgestellt wird und wie die Planung für die Bewirtschaftung im kommenden Jahrzehnt aussieht.

Ellwangen

Alle zehn Jahre erfolgt im Stadtwald das, was in jedem Betrieb jährlich ansteht: die Inventur. In der Forstwirtschaft wird dies als Forsteinrichtung bezeichnet. Sie gibt Auskunft darüber, wie sich der Wald im vergangenen Zeitraum entwickelt hat und dient als Grundlage für die Bewirtschaftung des folgenden Jahrzehnts.

Für den Ellwanger Stadtwald legte Forsteinrichter Sebastian Doleski nun seinen Bericht vor. Und das Zeugnis, das er dem Ellwanger Stadtwald ausstellt, ist grundsätzlich ermutigend.

Sein Fazit: der Ellwanger Stadtwald ist insgesamt in einem guten Zustand. Der Wald wächst deutlich trotz Einschlag. Daher empfiehlt Doleski, den Hiebsatz von 6,9 auf 7,5 Festmeter je Hektar und Jahr zu erhöhen.

Dies fördert zugleich die Verjüngung des Bestandes und ermöglicht eine bessere Durchmischung zugunsten von Laubbäumen. „Wir brauchen vor allem mehr Eichen und andere Laubbäume, aber auch Tannen und Douglasien.“

Wenn der Bestand mittelfristig umgebaut werden soll, so müssen sich zwangsläufig auch die Anteile verändern. Und hier sticht Doleski ein Kandidat besonders ins Auge.

Verlierer Fichte

Denn einen großen Verlierer gibt es durch den Klimawandel: die Fichte. Für sie erstellt Doleski in der derzeitigen Bestandslage eine „eher ungünstige Prognose“. Hitze und Trockenheit setzen ihr besonders zu, in Kombination mit Stürmen und Schädlingsbefall gilt ihr das Hauptaugenmerk, wenn es darum geht, den Wald für die Zukunft besser aufzustellen. Um vier Prozent hat die Fläche im vergangenen Jahrzehnt bereits zugunsten anderer Bäume abgenommen. Dieser Trend sollte ausgebaut werden: 33 Prozent sieht Doleski als langfristiges Ziel.

Gewinn neu definieren

Betriebswirtschaftlichkeit ist jedoch nicht mehr das vorrangige Ziel der Forstwirtschaft. „Der Wald erfüllt heute viele Funktionen gleichzeitig. Sein Wert ist schwer zu beziffern,“ umreißt Doleski den Leitgedanken. Ein Hektar Wald ist heute mehr als nur das Holz, das vermarktet werden kann.

Der betriebswirtschaftliche Ertrag liegt derzeit im Minus: rund 50 000 Euro jährlich verursacht der Wald an Defizit im Haushalt. Der wahre Gewinn liege dafür woanders, erklärt Doleski: „Wald erfüllt eine Naherholungsfunktion, ist Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt.“ Im Ellwanger Raum kommt dem Wald als Quellgebiet zudem die Funktion des Trinkwasserfilters und -speichers hinzu: „Der Galgenwald ist wie ein Schwamm.“

Und nicht zuletzt die Funktion als CO2-Senke. Der Ellwanger Stadtwald bindet rund 130 000 Tonnen des Treibhausgases, so Doleski. Rund 5000 Tonnen kommen jährlich hinzu.

Langfristiges Denken

Nachhaltigkeit ist in der Forstwirtschaft das Leitmotiv überhaupt. „Der Wald ist das Vermächtnis für zukünftige Generationen“, schließt Doleski. „Wir müssen hier in Zeiträumen von 100 Jahren denken.“ Und das bereitet ihm dann doch Sorge: „Wenn die Temperatur im Klimamittel um 2 Grad ansteigt, kennen wir kein Rezept mehr.“

Der Wald erfüllt heute viele Funktionen gleichzeitig. Sein Wert ist schwer zu beziffern.“

Sebastian Doleski, Forsteinrichter

Schnelle Fakten zum Ellwanger Forst

Fläche Der Ellwanger Stadtwald umfasst ein Gebiet von insgesamt 374,4 Hektar. Davon entfallen auf Nadelwald 57 Prozent, Laubwald macht 42 Prozent aus. 1 Prozent besteht aus Blöße.

Baumarten Mit rund 44 Prozent führt die Fichte die Rangliste an, gefolgt von Buche mit 11 Prozent und der Eiche mit 10 Prozent. Seit den 1980er Jahren werden vor allem Laubbäume, Tannen und Douglasien nachgezogen.

Einschlag Im vergangenen Jahrzehnt wurden 26 400 Erntefestmeter Holz eingebracht, das entspricht etwa 6,9 Erntefestmeter pro Hektar Holzboden im Jahr. Rund 28 Prozent der Menge ist als zufällige Nutzung angefallen, also über Sturm- und Schadholz.

Wachstum Die extensiv genutzte, also unbewirtschaftete Fläche ist mit um 9 Hektar auf 29 Hektar gewachsen. Der Waldvorrat wächst um 9,4 Volumenestmeter pro Hektar und Jahr.

Die Fichte stellt noch immer den Hauptanteil der Baumarten im Ellwanger Forst. Der Klimawandel setzt ihr aber besonders zu. Grafik: CA

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