Sofie Probst: Eine emanzipierte Frau und vergessene Malerin

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Im Ellwanger Jahrbuch von 1926 findet sich immerhin eine kleine, wenn auch verwaschene Fotoaufnahme von Sofie Probst.
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Auktion In Ellwangen wird jetzt ein Gemälde von Sofie Probst versteigert. Die Malerin ist heute in der Stadt kaum noch bekannt - dabei hätte gerade diese Frau es verdient, bekannt zu sein.

Ellwangen. Viele Hinweise finden sich nicht auf die Ellwanger Kunstmalerin Sofie Probst. Wer im Internet sucht, forscht nahezu ergebnislos.  Wikipedia wirft nichts über sie aus. Nicht eine Silbe. Aber zum Glück gibt es ja auch noch das Ellwanger Jahrbuch. Hier findet sich in der Ausgabe des Jahres 1926 ein fünfseitiger Aufsatz über die Malerin, verfasst von Gräfin Elisabeth von Adelmann.

Darin wird  das Leben der Künstlerin nach gezeichnet, die 1886 - im Alter von 21 Jahren - mit ihren Eltern nach Ellwangen gezogen war. Ihr Vater, ein Richter, hatte hier die Stelle als Präsident des Landgerichts angetreten. Seiner künstlerisch begabten Tochter hatte der Jurist zuvor eine fundierte Ausbildung an der Kunstschule Stuttgart ermöglicht. Wie die Gräfin von Adelmann in diesem Zuge notiert, war es zu jener Zeit "noch ein großes Ereignis, wenn eine Dame sich berufsmäßig als Künstlerin ausbildete".

Und Sofie Probst war Künstlerin - und zwar durch und durch. Die Schülerin von Friedrich von Keller hat in ihrer künstlerischen Schaffensphase, die über vier Jahrzehnte währte, über 400 Bilder, vorwiegend Porträts, gemalt, die damals keineswegs nur in der Stadt Ellwangen gefragt waren. "Die späten Jahre (...) brachten ihr künstlerische Aufträge, die sie ein wahres Wanderleben führen ließen, das sie aber mit jugendlicher Frische durchführte und das sie kreuz und quer durchs ganze deutsche Vaterland bis nach Tirol und Oberitalien führte", heißt es dazu in dem Aufsatz von Gräfin Adelmann, die mit Sofie Probst eng befreundet war und die sie als eine weltoffene, äußerst kluge und humorvolle Frau beschreibt. Wobei dieser Feingeist offenbar auch richtig zupacken konnte und keine Angst vor körperlicher Arbeit hatte. "Es imponierte den Jungen, daß Fräulein Probst ebenso sicher die Flinte wie die Zügel der Pferde gehandhabt hatte und noch vieles, vieles konnte und verstand, was man bei ihrer großen Bescheidenheit erst nach und nach und gelegentlich erfuhr", kann man im Jahrbuch nachlesen.

Während des Ersten Weltkriegs meldete sich Probst, die wohl nie verheiratet war, auch keine eigenen Kinder hatte und sich stattdessen um die Familie ihrer früh verstorbenen Schwester kümmerte, freiwillig als "Brückenwache". Da man sie als Frau  für diesen Dienst aber nicht berücksichtigte, heuerte Sofie Probst kurzerhand auf einem landwirtschaftlichen Hof an und schaffte es, den Betrieb am Laufen zu halten, während der Bauer an der Front kämpfen musste. "Wenige haben wohl die sozialen Pflichten, welche der Weltkrieg dem Einzelnen auferlegte, unerbittlicher in ihrer ganzen entbehrungsreichen Schwere auf sich genommen als Sofie Probst", schreibt dazu Elisabeth von Adelmann, die am Ende ihres Aufsatzes nur eines bedauert - dass diese außergewöhnliche Frau "nie von einem Stift oder Pinsel" festgehalten wurde. Sofie Probst starb am 1. Dezember 1926, nur wenige Woche nach dem Tod ihres geliebten Neffen, "ohne vorgehende Krankheit" im Alter von 62 Jahren im Palais Adelmann.

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