Stadtwerkechef Powolny spricht zur Lage am Energiemarkt

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Der Sitz der Stadtwerke Ellwangen mit dem Kreiselkunstwerk, das eine Gasflamme symbolisiert.
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Der Geschäftsführer der Stadtwerke Ellwangen erläutert im Bauausschuss die Entwicklung der Preise für Gas und Strom. Windräder sind derzeit extrem profitabel.

Ellwangen

Im Bauausschuss sprach Stefan Powolny, Geschäftsführer der Stadtwerke Ellwangen (SWE) über die Lage an den Energiemärkten. Nach dem Kohleembargo und dem beschlossenen Ölembargo bestehe die reale Gefahr, dass Russland auch als Gasversorger ausfalle. Diese Gefahr spiegele sich an den Energiemärkten, wo sich der Spotpreis für Erdgas seit März 2021 um 444 Prozent erhöht habe. Statt 20 Euro pro Megawattstunde zahle man aktuell 219 Euro. Die Entwicklung sehe man auch an den Futurepreisen. Für Lieferung 2024 zahle man aktuell 90 Euro pro Megawattstunde.

„Wir sehen keine Tendenz, dass Gas in Zukunft wieder günstiger wird“, sagte Powolny und zeigte die Auswirkungen für die Privatkunden auf: Nach der Preiserhöhung im Januar und zum Juni würden weitere Erhöhungen folgen und selbst Kunden, die langfristige Verträge haben, würden spätestens 2024 für das Beheizen ihrer Wohnung beziehungsweise ihres Hauses dreimal so viel bezahlen wie heute. Powolny: „Wer bislang im Einfamilienhaus 1173 Euro pro Jahr für Gas bezahlt hat, muss in zwei Jahren 3161 Euro hinlegen.“

Diese Entwicklung drohe nicht, sondern sie stehe fest, weil die SWE heute den Gasbezug in zwei Jahren einkaufe.

Aktuell sei die Versorgung zwar gesichert, auch weil im Sommer die Nachfrage eher gering ist. Die Risiken eines Engpasses oder Ausfalls drohe im Winter und deshalb habe das Unternehmen einen Krisenstab gebildet, der die Risiken vorausschauend betrachtet. Unter anderem wurde die Heizzentrale auf dem Konversionsgelände von Gas auf Öl umgestellt. Man die vorgeschriebenen Abschaltlisten erstellt und an die Bundesnetzagentur übermittelt.

Sobald der nationale Notfallplan Gas auf die Alarm- beziehungsweise Notfallstufe übergeht, greifen die Einschränkungen. „Momentan haben wir wenig Last, die Speicher füllen sich, spannend wird es im Winter“, meinte Powolny.

Die Stadtwerke überarbeiten aktuell ihre Beschaffungsstrategie, stärken Eigenkapital und Liquidität, um weiter Einkäufe vornehmen zu können. „Wir sind bislang sehr gut unterwegs“, umschrieb der Geschäftsführer die Situation des Unternehmens. Man profitiere im Moment noch von Gasreserven aufgrund geringerem Verbrauch und von den hohen Strompreisen. Die Windkraft sei extrem lukrativ geworden. Powolny: „Wir erlösen gerade das Doppelte von dem, was wir kalkuliert haben obwohl die letzten Monate extrem windarm waren.“

Trotzdem sei auch die Preissteigerung am Strommarkt bedenklich, weil sie auf alle Produkte durchschlage und die Lebenshaltungskosten weiter treibe. Die SWE als kommunales Unternehmen berate Privat- und Geschäftskunden intensiv, um sie auf die Preissteigerungen vorzubereiten und nach Lösungen zu suchen.

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