Student veröffentlicht ein Lehrbuch

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Der 26-jährige Deniz Tafrali kommt aus Rindelbach. Er studiert in Graz Medizin im 10. Semester und arbeitet an seiner Diplom-Doktorarbeit. Für angehende Mediziner hat er ein Buch geschrieben.
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Deniz Tafrali hat keinen Einserschnitt, als er Abi am Peutinger-Gymnasium macht. Trotzdem ergattert er einen Studienplatz für Medizin und hilft anderen dabei, das auch zu schaffen.

Ellwangen/Graz

Eine Traumnote ist sie nicht, seine 3,0, mit der er 2011 das Abitur am Ellwanger Peutinger Gymnasium ablegt. Aber Deniz Tafrali will Medizin studieren. Damals mit dieser Note in Deutschland höchstens nach 14 Wartesemestern möglich. Also entscheidet sich der junge Mann aus Rindelbach für das Studium der molekularen Biowissenschaften in Salzburg, womit er 2012 beginnt.

Doch kurz darauf wird der österreichische Medizinertest (MedAT) eingeführt. Ein Eignungstest für die angehenden Studenten, der die bisherigen Aufnahmeprüfungen an den Universitäten in Österreich vereinheitlicht. Die Teilnehmer müssen dabei mathematisch-naturwissenschaftliches Wissen, Textverständnis, kognitive Fähigkeiten und sozial-emotionale Kompetenz beweisen. Nur das Ergebnis dieser Prüfung zählt. Die Abinote ist irrelevant im Vergabeverfahren um einen Studienplatz.

Deniz Tafrali gehört zu den Ersten, die den MedAT absolvieren. Er schneidet darin so gut ab, dass er einen Studienplatz in Graz erhält. "Das hat mich auch verwundert", erzählt der heute 26-Jährige im Rückblick. Ihm zufolge bewerben sich in Österreich in jedem Jahr rund 16 000 Studenten auf 1500 Plätze. Zum Vergleich: In Deutschland sind es dagegen 50 000 Bewerber auf 8000 bis 9000 Plätze.

Auf den MedAT hat sich Deniz Tafrali selbstständig vorbereitet, Materialen zusammengesucht und gelernt. Andere haben zwischen 350 und 2500 Euro für einen Vorbereitungskurs ausgegeben. "Ich konnte mir keinen Vorbereitungskurs leisten", sagt er und fügt an: "Das fand ich unfair."

Nachdem es für ihn mit dem Studienplatz geklappt hat, will er auch anderen helfen, sich auf den MedAT vorzubereiten. Und zwar unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. "Also habe ich programmieren gelernt", sagt Deniz Tafrali, so als sei das das Selbstverständlichste auf der Welt. Er gründet ein Unternehmen und geht mit der zugehörigen Seite www.get-to-med.com online. "Soziale Lernplattform" nennt er seine Idee.

Und dann hieß es plötzlich: Ok, ich schreib ein Buch.

Deniz Tafrali Medizinstudent aus Ellwangen

Sozial, weil sie kostenlos und damit für jeden gleichermaßen zugänglich ist und weil sich die angehenden Medizinstudenten dort gegenseitig helfen. Jeder, der auf der Plattform eine Aufgabe erstellt, bekommt anschließend Zugriff auf alle anderen Aufgaben. Bevor die selbst erdachte Aufgabe online geht, wird sie überprüft. Die Aufgaben für den kognitiven Teil, der einem Intelligenztest ähnelt, erstellt ein Computerprogramm.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, seine Seite noch bekannter zu machen, wendet sich Deniz Tafrali an Elsevier, einen bekannten Verlag für Fachzeitschriften und -bücher. Eigentlich ist er nur auf eine Linkpartnerschaft aus. Doch der Verlag will mehr. Eine Mitarbeiterin ruft ihn an, da ist er gerade im Fernbus unterwegs. Die Verbindung bricht immer wieder ab. "Und dann hieß es plötzlich: Ok, ich schreib ein Buch", erzählt er.

Innerhalb von nur zwei Monaten entsteht es. Das Lehrbuch soll angehenden Medizinstudenten alles vermitteln, was sie brauchen, um den Wissensteil im MedAT zu bestehen. Deniz Tafrali ist froh, dass er diese Arbeit nicht alleine leisten musste. Ihm zur Seite standen seine Co-Autoren Paul Windisch und Flora Hagen. Trotzdem sagt Deniz Tafrali: "Wenn ich eins nicht mehr mache, dann ist es, in zwei Monaten ein Buch zu schreiben."

Nun ist es geschafft. Vor Kurzem erschien "MedAT 2018/19: Das Lernskript für den BMS". Rechtzeitig für alle, die den Test in diesem Jahr absolvieren wollen. Viele scheinen schon darauf gewartet zu haben. "Bei Amazon war es am ersten Tag schon beinahe ausverkauft", erzählt Deniz Tafrali. Da habe der Onlinehändler schnell nachordern müssen.

Das Lernskript und die Lernplattform

Das Buch "MedAT 2018/19: Das Lernskript für den BMS" ist bei Elsevier erschienen und kostet 49,99 Euro.

Die Lernplattform gibt es kostenlos unter: www.get-to-med.com

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