Tauchen in der Kläranlage: Königsdisziplin des Jobs

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Ist der Tauchgang beendet, helfen die Kollegen dem Taucher bei der Reinigung des Tauchanzugs. Ein Einsatz dauert 70 Minuten. Ungefähr alle zehn Jahre steht ein solcher Reinigungseinsatz im Faulturm an.
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Aktuell laufen in der Sammelkläranlage Schönau Reinigungsarbeiten im Faulturm. Wie ein solcher Taucheinsatz aussieht und warum er notwendig ist.

Ellwangen-Schönau

Kläranlagen reinigen Abwasser. So weit, so gut. Aber was, wenn die Kläranlage gereinigt werden muss? Dann kommen Berufstaucher ins Spiel. Zumindest dann, wenn es um die Reinigung des Faulturms geht. Hubert Traub, Betriebsleiter der Sammelkläranlage Schönau, erläutert die Hintergründe des Einsatzes, die Taucher berichten von ihren Tauchgängen.

"So eine Kläranlage produziert viel Schlamm", sagt Betriebsleiter Hubert Traub. Dieser Schlamm wird im Faulturm der Anlage gelagert. Zwar durchläuft das Abwasser während des Klärprozesses den Turm nie, trotzdem ist er wichtig für den Betrieb der Anlage. Denn durch Bakterien im Schlamm entsteht im Faulturm Methangas. "Durch das Methan können wir Strom und Wärme gewinnen", sagt Traub. Circa die Hälfte des täglichen Stromverbrauchs der Anlage könne so mittels des Blockheizkraftwerks gedeckt werden.

Ungefähr alle zehn Jahre muss der Faulturm von Sand befreit werden, der sich dort ablagert. Dieser Sand wird von den Tauchern mit einem Saugschlauch abgesaugt. "Im Prinzip ist es wie Staubsaugen", erläutert Traub. Lagert sich zu viel Sand im Faulturm ab, wird der Betrieb beeinträchtigt. Ungefähr eine Woche dauern die Arbeiten der Berufstaucher. Pro Tag sind mehrere Einsätze möglich. Dabei wechseln sich die Taucher ab. Es ist immer nur ein Taucher im Einsatz. Vier Berufstaucher sind in der Sammelkläranlage aktuell im Einsatz.

Doch wie sieht ein solcher Faulturmtauchgang aus? "Es ist heiß, tief und sehen kann man eh nichts", sagt Patrick Heusinger Tauchereinsatzleiter des Tauchunternehmens Dauth aus Eschau. Denn im Faulturm herrschen durchgehend über 36 Grad Celsius. Die Tauchtiefe im Faulturm der Sammelkläranlage Schönau beträgt ungefähr 13,5 Meter. "Dann stehen wir auf Material", erklärt Heusinger. Inmitten des Schlamms ist es dunkel, da er kein Licht durchlässt. "Wie wenn man die Augen zu macht", sagt Traub. Per Funk über Kabel sind die Taucher im Einsatz mit den Kollegen an der Oberfläche verbunden. Auch die Sauerstoffversorgung läuft über eine Leitung anstatt mit einer Sauerstoffflasche. Ein Tauchgang dauert laut Patrick Heusinger 70 Minuten.

"Es ist wirklich nicht schrecklich", versichert Berufstaucher Roman Marchenko. "Am Anfang zwar schon – aber man gewöhnt sich daran", führt der 21-Jährige aus.

Es ist wirklich nicht schrecklich.

Roman Marchenko Berufstaucher

Wichtig bei solchen Taucheinsätzen: Einen kühlen Kopf bewahren. Denn ganz ungefährlich sind die Einsätze nicht. "Das größte Risiko ist verschüttet zu werden", erklärt Heusinger. Für den Fall der Fälle sind daher Geräte am Eingang des Faulturms aufgebaut, die den Taucher im Notfall herausziehen können.

"Sechs oder sieben Mal im Jahr", stehen solche Einsätze für die Taucher an, sagt Marchenko. "Wir sind für viele kommunale oder industrielle Kläranlagen zuständig", erklärt Heusinger, "aber nicht ausschließlich".

Andere Einsatzgebiete der Taucher sind zum Beispiel Bergungen sowie Säge-, Bor-, und Sprengarbeiten.

Arbeiten im Faulturm seien allerdings die Königsdisziplin der Taucharbeiten auf dem Festland.

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