Teebeutel nach 90 Tagen wieder ausgegraben

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Die Teebeutel werden ausgegraben.
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Andreas Dünnebeil hat die Teebeutel wieder aus der Erde geholt, getrocknet und gewogen. Welche Erkenntnisse das Projekt "Expedition Erdreich" ergeben hat.

Ellwangen

Wo gesunder, fruchtbarer Boden ist, dort gedeihen auch Pflanzen und Tiere. Doch wie fruchtbar ist der Boden in Deutschland eigentlich? Wo liegen die Unterschiede zwischen Oberstdorf und Kiel? Es gibt zwar den Index der Ackerwertzahl, nach dem in der Landwirtschaft die Böden nach Bodenpunkten bewertet werden. In diese Größe fließen mineralische Bodenbeschaffenheit, natürliche Bewässerung, klimatische Bedingungen, landschaftliche Besonderheiten wie Gefälle und manches andere ein. Wie belebt der Boden unter der Oberfläche ist, darüber sagt die Ackerwertzahl aber wenig aus.

Die Bodenfruchtbarkeit hängt aber durchaus davon ab wie viele Insekten, Regenwürmer, Kleinlebewesen dort leben und wie ausgewogen Mikroben zu finden sind. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat deshalb eine Graswurzelaktion im besten Sinne initiiert, um der Wissenschaft zu einer breiteren Datenbasis zu verhelfen. An dieser Bürgerforschungsaktion konnte jeder mitmachen. Andreas Dünnebeil aus Unterschneidheim war über eine Gartenzeitschrift darauf aufmerksam geworden. Am 30. Juni hatten wir berichtet, wie er das Teilnahmepaket des BMBF erhalten hat und wie er mehrere Teebeutel in seinem Garten vergraben hat.

Jetzt holte er sie wieder aus dem Boden. Ein spannender Moment für den begeisterten Hobbygärtner. Äußerlich war nicht zu erkennen, was die Bodenorganismen mit dem Grün- beziehungsweise Roiboostee angestellt hatten. Die Teebeutel aus feinem Kunststoffnetz waren intakt, Wurzeln von Gräsern, die damit verwachsen waren, entfernte Dünnebeil mit einer kleinen Bürste. Dann wurden die Teebeutel getrocknet und schließlich gewogen. Das Gewicht zeigt den Fortschritt der Zersetzung an, daraus wird der TBI errechnet, der „Tea-Bag-Index“. Das ist ein international standardisiertes Verfahren zur Abschätzung der Boden.

Die Feinwaage, mit der die Teebeutel gewogen werden, hatte Dünnebeil vom BMBF bekommen. Es zeigte sich, dass ein Beutel Grüntee, der vor dem Eingraben 2,15 Gramm auf die Waage brachte, jetzt nur noch 0,9 Gramm wog. Beim Rotbuschtee war etwas mehr Masse übrig. Die Werte musste der "Bürgerforscher" in ein Onlineformular eingeben. Dasselbe, in dem er vorher bereits Bodenbeschaffenheit, PH-Wert und Zahl der vorgefundenen Insekten, Spinnen und Würmer eintragen musste. Gerhard Königer

  • Daten für die Klimamodellierung

Auf der Internetseite www.expedition-erdreich.de kann man sehen, wie sich quer durch die Republik die Standorte verteilen, an denen Bürgerinnen und Bürger ebenfalls Teebeutel vergraben haben. Im Ostalbkreis gibt es weitere zwei Teilnehmer in Lauchheim und Aalen. Ziel der Aktion ist nicht allein der Wissenszugewinn, es geht auch um Bewusstseinsbildung. Das BMBF hat zur Aktion "Expedition Erdreich" Lehr- und Arbeitsmaterial für Schulen und Kindergärten herausgebracht, die Aktion findet im Wissenschaftsjahr 2020|21 – Bioökonomie statt und in Hohenheim findet dazu am Wochenende eine Tagung im Rahmen von Jugend forscht statt. Was die Wissenschaft mit den erlangten Daten vorhat, ist im Detail noch nicht publik gemacht worden. Ein Teil der Ergebnisse wird aber für die Klimamodellierung zur Verfügung gestellt. „Expedition Erdreich“ wird wissenschaftlich vom BonaRes-Zentrum für Bodenforschung und vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung begleitet.

Andreas Dünnebeil hat sich an "Expedition Erdreich", einer Bürgerforschungsaktion des Bundesministeriums für Bildung un Forschung, beteiligt.
Hier sind die Teebeutel vergraben.
Andreas Dünnebeil mit den ausgegrabenen und getrockneten Teebeuteln von Standort 1: Ihr Gewicht hat sichdeutlich reduziert.

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