Teufelskerle von der Ellwanger Schützengilde

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Zum 600. Geburtstag gab es für die Ellwanger Schützengilde viele Geschenke, Geld und kunstvoll bemalte Schießscheiben: (v.l.) Manfred Pawlita, Reinhard Mangold, Michael Dambacher, Hans-Peter Schmidt, Josef Wagner, Joachim Bläse.
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Beim Festakt zum 600-jährigen Bestehen blickt Dr. Anselm Grupp auf die lange und bewegte Geschichte einer eingeschworenen Gemeinschaft.

Ellwangen. Der Festakt in der großen Stallung auf dem Schloss bildete Abschluss und Höhepunkt eines denkwürdigen Jubiläums, das die Ellwanger Schützengilde pandemiebedingt um ein Jahr verschoben feierte. 1421 gilt als Gründungsdatum, wobei es durchaus sein könne, dass die Schützengemeinschaft noch älter ist, sagt Dr. Anselm Grupp, der in seinem Festvortrag diese lange Zeitspange umriss.

Das älteste erhaltene Dokument ist eine Einladung der Nördlinger Schützen zu einem Preisschießen von 1439. Damals schoss man noch mit der Armbrust, erst zum Ende des 15. Jahrhunderts kamen die Feuerwaffen auf. Sicherlich gehörten die Schützen zu einer privilegierten Schicht, denn Waffen waren ein kostbares Gut, das sich nicht jeder leisten konnte.

Fürstpröpstliche Schützenordnungen belegen, dass die nach dem Vorbild der Handwerkszünfte organisierte Schützengilde zunehmend für militärische Zwecke genutzt wurde. Jedes Mitglied musste regelmäßig üben, Büchse, Pulver, Lunte und Kugeln vorhalten und nach dem 30-Jährigen Krieg wurde sogar ein „Leggeld“, eine Schießsteuer, erhoben, die jeder Grundbesitzer bezahlen musste.

Für die Schützen stand dagegen schon immer der sportliche Gedanke im Mittelpunkt: wer trifft am besten? Die Ellwanger Schützen seien Teufelskerle, heißt es einmal, nachdem sie in Nördlingen alle Preise abgeräumt hatten. Über die verschärften Verordnungen zur Zeit der Märzrevolution, die Gleichschaltung in der NS-Zeit, bis zu den großen Schützenfesten der Gegenwart zieht Grupp den Bogen und beendet seinen kurzweiligen Vortrag mit einem Film vom ersten Elchschießen 1955.

Zuvor hatte Oberschützenmeister Josef Wagner die rund 160 Gäste begrüßt, darunter eine starke Abordnung der Bürgergarde, die mit der „kleinen Besetzung“ des Spielmannszuges die Veranstaltung musikalisch begleitete.

OB Michael Dambacher betonte, wie tief die Schützengilde in der Ellwanger Bürgerschaft verwurzelt sei. Landrat Dr. Joachim Bläse, selbst Mitglied im Schützenverein, hob die besondere Verantwortung durch das Hantieren mit „sensiblem Sportgerät“ heraus: „Ein Fehltritt bringt unseren Sport in Verruf“, rief er die Schützen auf, Vorbild zu sein, damit der Schießsport eine gute Zukunft habe.

Manfred Pawlita, Vizepräsident des württembergischen Landessportbunds, betonte die Gemeinschaft und die Werte, die in den Vereinen gelebt werden.

Reinhard Mangold, Präsident des Württembergischen Schützenverbands (WSV), freute sich, wie in der Schützengilde Tradition gelebt wird und gleichzeitig Wandel stattfindet. So habe die SGE auch das Lichtschießen mit Lasertechnik im Angebot.

Zur Tradition gehört die große Sammlung von Schützenscheiben der Ellwanger Gilde und am Abend kamen neue hinzu. Theo Dostal, der die von der Stadt gestiftete Scheibe malte, erklärte seine Arbeit, eine Ruhe und Zuversicht ausstrahlende Stadtansicht mit Elch. Die Festscheibe der Gilde, von Hariolf Löffelad gemalt, zeigt Motive aus der Vereinsgeschichte. Weitere Scheiben stifteten der WSV und die Bürgergarde.

Mit dem Hauptthema aus dem Präludium des Te Deum von Marc-Antoine Charpentier, der Eurovisionsfanfare, beendete die Bürgergarde den Festakt. Danach traf man sich am üppigen Buffet mit Rotochsenbier.

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