Textilhandwerk der Alamannen

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Was die Standbetreiber und Aussteller am und im Alamannenmuseum alles zeigen. Ein Bogen vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart.

Ellwangen

Nur gut, dass alle wetterfest waren: Textilhandwerkerinnen ebenso wie weitere Akteure und Darsteller und letztlich auch die Besucher beim inzwischen 6. Alamannenforum am Wochenende. Denn ein guter Teil der Aktivitäten fand im Hof des Museums statt.

Insgesamt gab's zum Thema "Textilerzeugung bei den Alamannen" jede Menge Informationen in Wort und Bild sowie etliche praktische Vorführungen.

Zahlreiche bunt gefärbte Wollstränge zaubern am Stand von Esther Schneller bunte Farbtupfer ins Einheitsgrau des Wetters. Daniela Bittner zeigt farbige Borten, Sabine Maybaum und Bianca Oettlin präsentieren nadelgebundene Objekte wie Socken oder Mützen.

Schräg gegenüber fischt Doro Braun-Zeuner ein leuchtend orangefarbenes Gewebeknäuel aus dem dampfenden Färbekessel. Für den Laien sieht es gelungen aus, die Expertin aber ist nicht ganz zufrieden. Auch, weil sie zum Färben Handschuhe tragen muss, da der als Beize zur Krappwurzel verwendete Alaun die Haut angreift. "Ich weiß nicht, wie die Alamannen das gemacht haben", rätselt sie. Denn die trugen selbstredend keine.

Drinnen wie draußen wird an diesem Wochenende deutlich: Wolle war im Mittelalter der Kleidungsrohstoff schlechthin. Aus Quellen ist bekannt, dass die Schafe seinerzeit nicht zwingend geschoren wurden, sondern vielmehr "gerauft". Beim Raufen nutzt man den natürlichen Fellwechsel bestimmer Rassen dazu, die feineren Haare auszuziehen; die Grannenhaare verbleiben.

Wie die Alamannen das nur gemacht haben?

Doro Braun-Zeuner Standbetreiberin

Was dann aus der Wolle entstehen kann, die erst versponnen und zu Stoff verwoben werden muss, bevor an die Herstellung eines Kleidungsstücks zu denken ist, und welches Werkzeug dafür verwendet wird, konnten die Besucher sich von den Handwerkerinnen und weiteren Aktiven erklären und auch zeigen lassen. Kurator Jürgen Heinritz, der regelmäßig durch die Sonderausstellung "Gut betucht" im 1. Stock des Museums führt, lieferte manch wertvolle Zusatzinformation.

Erwartungsvolle Besucher fanden sich ein – manche sogar von weiter weg, so wie Jutta und Holger Munz aus Altersberg (Aspach). Gemeinsam mit ihrer Ellwanger Freundin Astrid Cepel waren die beiden zum ersten Mal im Alamannenmuseum. Interessant fanden's alle drei.

Die Kleidungsstücke, deren Herstellung im Mittelalter viel Zeit und Sorgfalt erforderte, mussten lange halten und taten dies in der Regel auch – ein frühzeitlicher Hinweis auf Qualität und Nutzwert nachhaltiger Produktion.

Den Bogen zur Gegenwart schlugen Bernadette Kohler und Martina Abele vom Ellwanger Weltladen mit ihrem Stand zum Thema "Fair gehandelte Kleidung" – unmittelbar neben der immer noch laufenden Posterausstellung "Ich mache deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien". Diese ist ebenso wie die Sonderausstellung "Gut betucht" sind bis zum 17. Januar 2021 verlängert.

Charlotte Braig

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