Trockenheit ja, aber keine Wasserknappheit

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Stets gut gefüllt: Die Stadt Ellwangen kann durch ihre insgesamt knapp 8000 Kubikmeter fassenden Speicherbecken theoretisch zwei Tage ohne fremde Wasserzufuhr überbrücken. Volker Engelhardt wacht über 133 Kilometer Leitungsnetz.
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Was die Trockensommer für die öffentliche Wasserversorgung bei uns bedeuten und welche Herausforderungen die Zukunft bringt.

Ellwangen

Eine angenehme Kühle herrscht im Gebäude tief unter der Erde. Knapp 13 Grad beträgt die Wassertemperatur in den drei insgesamt 750 Kubikmetern fassenden unterirdischen Speicherbecken neben der L 1060 am Gewerbegebiet Neunheim.

Hier endet eine der beiden Hauptversorgungsleitungen der Landeswasserversorgung, mit der die Stadt Ellwangen ein Drittel der Wasserversorgung der Gemarkung sicherstellt.

"Dieses Wasser kommt über Langenau vom Bodensee", erklärt Volker Engelhardt, technischer Leiter der Ellwanger Stadtwerke. "Die zweite Hauptleitung endet im Trinkwasserspeicher Galgenberg, dort haben wir 1500 Kubikmeter Speicher."

Die zweite Säule der Wasserversorgung fußt auf der regionalen Rieswassergruppe mit Sitz in Wört. "Deren Leitung kommt von Osten über Pfahlheim nach Rindelbach in die Stadt und macht ein weiteres Drittel des Ellwanger Wassers aus. Das letzte Drittel ist unser Eigenwasser." Dieses Eigenwasser fördern die Stadtwerke mit drei Brunnen aus 36 Metern Tiefe: im Sixenbachtal bei Espachweiler, im Rotenbachtal und bei Rötlen.

"Durch diesen Mix macht die Trockenheit für die öffentliche Versorgung im Land auch wenig aus. Ein Zusammenbruch des Netzes durch Wasserknappheit wie in anderen Bundesländern ist in Baden-Württemberg nicht zu befürchten." Das Tiefengrundwasser des Virngrunds regeneriert sich über nasse Winter und Frühjahre. Ein Absinken dieses Grundwasserspiegels kann Engelhardt nicht feststellen. "Es regnet nicht weniger in den letzten Jahren, sondern anders verteilt," stellt Engelhardt fest.

"Das bringt aber andere Herausforderungen mit sich. Wir haben nun größere Spitzen und Schwankungen, die wir ausgleichen müssen." Derzeit liegt der Pro-Kopf-Wasserverbrauch mit 160 Litern gut 40 Prozent über dem Durchschnitt. "Natürlich ist es wichtig, verantwortungsbewusst mit dem Wasser umzugehen. Denn das Wasser aus dem öffentlichen Netz kostet vor allem Energie für den Transport durch die Pumpkraftwerke."

Wasser darf nicht privatisiert werden.

Volker Engelhardt Technischer Leiter Stadtwerke

Zudem kommt durch die anders gelagerte Verteilung der Niederschläge, insbesondere Starkregen, ein höherer Aufwand für die Wasseraufbereitung von oberflächennahem Wasser hinzu, wie etwa bei Bodenseewasser, Donauwasser oder auch Rieswasser. "Der Starkregen schwemmt Verschmutzung und Keime ein, das muss wieder herausgefiltert werden. Hier werden wir alle künftig mehr investieren müssen."

Mehr Sorgen bereitet Engelhardt hingegen ein großflächiger regionaler Stromausfall. "Wenn das Stromnetz zusammenbricht, stehen die Pumpen. Daher ist diese Anlage hier mit einem Blockheizkraftwerk als Notstromversorgung gekoppelt."

Die übrigen Behälter der Stadt sollen in ähnlicher Art und Weise in Zukunft fit gemacht und dabei auch an Fernwartung angeschlossen werden.

Gut eine Million Euro nehmen die Stadtwerke aktuell für den Betrieb und die Erneuerung des Netzes pro Jahr in die Hand. Gut investiert, wie Engelhardt versichert. "In anderen Ländern gibt es große Probleme, weil die Wasserversorgung privatisiert wurde. Die Anlagen wurden kaputtgespart und die Verbraucher zahlen buchstäblich einen hohen Preis dafür."

Dabei ist Wasser auch die Grundlage unseres Wohlstands, verdeutlicht Engelhardt: "Ohne Wasser auch keine Landwirtschaft und keine Industrie."

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