Trucker-Treffen: Dusche inklusive

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Ein bisschen feiern, gemütlich mit Freunden zusammensitzen - in dieser Kulisse. So muss das sein beim jährlichen Treff der Ostalbtrucker.
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Wie Brummifahrer der Region in brütender Hitze ein Wochenende lang bei ihrem jährlichen Treffen auf dem Ellwanger Autohof ihre Freundschaft pflegen.

Ellwangen

Sie sind säuberlich aufgereiht. Stehen sich gegenüber. 65 imposante Trucks. Bilden eine Gasse zwischen sich und in ihr Platz für Geselligkeit. Von Freitagabend bis Sonntagnachmittag war das jährliche Treffen der Ostalbtrucker auf dem Ellwanger Autohof: das Highlight für die Fahrer.

Mit Freunden abends auf ein Bier zusammen sitzen oder grillen. Für viele eine Selbstverständlichkeit. Für Lkw-Fahrer nicht. Oft sind sie irgendwo in Europa unterwegs, abends oder am WE nicht zuhause. Sie sind befreundet. In echt. Nicht nur auf Facebook. Aber ihr Hauptkontakt findet das Jahr über dennoch übers Handy statt. Große Ausnahme: ihr großes Treffen, ein Mal im Jahr, in Ellwangen auf dem Autohof.

Das stand an diesem Wochenende und nicht erst Anfang September an. Vorverlegt wegen des anstehenden Betreiberwechsels, wie Pascal Winter vom dreiköpfigen Orga-Team erklärt.

Bis zum nächsten Jahr klappt's dann hoffentlich mit dem Okay vom neuen Betreiber. Denn die Ostalb-Trucker sind darauf angewiesen, dass da jemand ist, der sagt: kein Problem. Ihr könnt hier sein. „Das geht im Prinzip ja nur auf einem Autohof mit dem entsprechenden Platz für unsere über 60 Trucks. Wir müssen ja irgendwo parken können, sanitäre Anlagen haben, niemanden stören“, erklärt Winter. 65 große Lkw sind es diesmal, Menschen - Freunde, Kollegen und Familien - weit mehr. Rund 250. Die Lastwagen sind zwecks Schlafplatz dabei. Für die Fahrer selbst als auch ihre Familien. „Das ist für unsere Frauen dann ein bisschen wie Camping.“ Und für die Kinder: Abenteuer-Wochenende. Die einen flitzen mit ihrem Roller durch die breite Gasse zwischen den 40-Tonnern umher, andere hocken auf Papas Schoß, essen Eis oder freuen sich wie Leon (11) schon auf den Abend, wenn alle Trucks beleuchtet sind und ein beeindruckendes Bild abgeben.

Einer befördert „Passe“ in den von Jan spontan organisierten Gummi-Pool. Die Gelegenheit lässt sich Sophia (6) nicht entgehen. Die Kleine schnappt sich einen Kanister und schon bekommt der 1,90-Mann eine kräftige Kopfdusche.

Große Alltagspause

Musik, Grillen, Zusammensitzen, mal ein kleines Hupkonzert. Alltagspause. Mit den Freunden quatschen. Gegenseitig die Trucks besichtigen. Über die Inneneinrichtung fachsimpeln. Und das Bier, das darf auch nicht verkommen. Die Schichten an Grill und Ausschank übernehmen die Mitglieder und auch ihre Frauen und Freundinnen abwechselnd, so dass für jeden noch genügend freie Zeit bleibt. So sitzen sie beinah' Vier Uhr in der Früh bei ihren Lkw. Manu und Pascal kümmern sich um die Musik, darum dass es am Sonntagfrüh ein ordentliches Frühstück gibt, Autohof-Chefin Corinna Schneider selbst. Warum? „Weil wir so knuffig sind“, lacht Hans Mayer, die Nummer Zwei des Orga-Teams. „Weil ich die Trucker liebe. Das sind einfach gute, besondere Typen. Einfach menschlich“, weiß Corinna.

Das zeigt sich auch an der Versteigerung, die am Samstagabend steigt. Es wird fleißig geboten, „Passe“ macht den Auktionator und so sind anschließend stolze 700 Euro beieinander. Das Ganze geht noch aufgerundet an das „Blaue Haus“ in Stuttgart, einem Verein, der krebskranke Kinder und ihre Familien unterstützt. Dafür sammeln die Ostalb-Trucker seit Jahren.

Da schlägt das Herz eines jeden Truckers höher, wenn abends alle ihre Beleuchtung anmachen. Diesen Anblick gibt‘s nur hier und ein Mal im Jahr.
So was nennt man dann wohl Handdusche: Bei heftiger Hitze ist das genau das Richtige.
Kinder flitzen zwischen den großen Maschinen umher, die Frauen helfen am Grill oder beim Ausschank, freuen sich über die ungewöhnliche Familienzeit und neue Bekanntschaften.
Trotz der Hitze: Was gegrilltes geht immer.

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