Über die Zukunft des Glaubens

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Prof. Dr. Roman Siebenrock sprach im Jeningenheim darüber, wie die Krise des europäischen Christentums überwunden werden kann.
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Der Philosoph Roman Siebenrock sprach zum Comboni-Jubiläum über Kirche, Religion und die Zukunft des Glaubens.

Ellwangen Auf sehr großes Interesse stieß der Vortrag von Prof. Dr. Roman Anton Siebenrock im Jeningenheim. Stadtpfarrer Michael Windisch und Pater Dr. Franz Weber stellten den Redner vor, der 1957 in Mengen geboren wurde, 1986 bis 1977 seine Gymnasialzeit im Josefinum der Comboni-Missionare verbrachte und später in Innsbruck und München Theologie und Philosophie studierte. Seit 2006 ist er Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. "Er macht euch Mut zum Glauben", versprach Franz Weber dem Publikum.

Die Frage "Hat das Christentum eine Zukunft?" beantwortet Siebenrock mit einem klaren "Ja", so die Quintessenz seines Vortrags. In der Krise befinde sich nur das europäische Christentum, das noch auf dem Weltbild eines Aristoteles und Platon aufgebaut sei. Die Christenheit wachse aber vor allem in Afrika und Asien. Das europäische Christentum mache eine Metamorphose durch und werde zur Weltkirche. "Wer weiß, vielleicht haben wir bald eine chinesische Theologie, von der wir dann nichts mehr verstehen", öffnete Siebenrock das Denken der Zuhörer.

Eine Öffnung sei dringend nötig und mit Blick auf angedachte Reformen sprach sich Siebenrock für das Diakonat der Frauen aus. Afrika sei immer als kulturloses Land beschrieben worden. Jetzt entwickle gerade dort das Christentum eine enorme Dynamik. Siebenrock machte auf die Pfingstkirchen aufmerksam, die weltweit die am stärksten wachsende religiöse Gruppe seien. Auch in China entwickle sich eine starke christliche Glaubensbewegung, für die es aber noch keine sicheren Zahlen gebe.

Eine Öffnung für andere Kulturen hätten Combonis schon in der Vergangenheit vorgelebt. "Als unsere Missionare afrikanisch wurden, entwickelte sich etwas Neues", erinnerte Siebenrock an P. Arthur Nebel, der von 1923 bis 1959 im Sudan bei den Dinka lebte, Sprache und Kultur dieser Ethnie adaptierte. Die Arbeit von Comboni-Missionaren und Jesuiten seien "Laboratorien einer kommenden Weltgemeinschaft". Der missionarische Dienst bleibe von der Bekehrung getrennt, denn Bildung lasse sich nicht erzwingen, sie müsse erwachen und mit ihr erwachten christliche Werte, wie der selbstlose Einsatz für andere, der ohnehin in fast allen Kulturen zu finden sei.

Ein Blick in die Vergangenheit zeige schnell, dass die Kirche schon viele schwere Krisen überstanden habe, etwa den 30-jährigen Krieg, dem in Süddeutschland zwei Drittel der Bevölkerung zum Opfer fielen oder die Säkularisation 1802/3, als nahezu von einem Tag auf den anderen alte Strukturen, auch die Fürstpropstei Ellwangen, aufgelöst wurden und die Christen hier 25 Jahre lang keinen Bischof hatten. "Die Zuversicht ist der erste Zugang zu Gott", sagte Siebenrock und erinnerte an das "ora et labora" der Benediktiner, das eben nicht Planung und in die Zukunft gerichtetes Denken meine, sondern das Leben annehmen, wie es ist und vertrauen darauf, dass Gott dieses Leben segnet. Gerhard Königer

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