Überkonfessionell extrem erfolgreich

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CDU-Ortsverein Ellwangen 75 Jahre Jubiläum Plakate
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Wie es kam, dass die CDU bei den Kommunalwahlen 1946 in Ellwangen 93 Prozent der Stimmen gewann. Der CDU-Ortsverein feiert das 75-jährige Bestehen erst 2022.

Ellwangen

Im Januar 1946 wurde der Ellwanger Ortsverein der CDU gegründet, das 75-jährige Bestehen soll im kommenden Sommer gefeiert werden. Das teilten Stadtverbandsvorsitzender Thomas Arendt und Landtagsabgeordneter Winfried Mack bei einem Pressegespräch mit. Wie es zur Gründung kam und unter welchen Einschränkungen durch die us-amerikanische Militärregierung die ersten Gemeinderäte Kommunalpolitik machen mussten, das hat der Historiker Dr. Michael Hoffmann erforscht.

"Politische Betätigung war nicht erlaubt, es gab keine Souveränität, die Militärregierung hat entschieden", skizziert er die Situation im Winter 1945/46. Doch weil die Not extrem groß war, gab es Menschen in der Stadt, die sich für das Gemeinwesen einsetzen und Verbesserungen erreichen wollten. Das ist im Kern politisches Handeln und so verwundert es nicht, dass darin auch die Wurzeln der CDU in Ellwangen liegt.

Schon im Juni hatte sich in Berlin eine christlich-demokratisch-soziale Sammlungspartei, die CDU gebildet. Im September entstand in Stuttgart die christlich soziale Volkspartei, von wo sich die Bewegung nach Aalen und Ellwangen ausbreitete. Als Gründungshelfer trat Josef Vögele, Leiter der Schwabenverlag AG in Stuttgart auf. Die Gründungsversammlung war kurz vor der ersten Gemeinderatswahl, die am 27. Januar 1946 stattfand. 344 Namen enthält die Gründungsliste, die im Original erhalten ist. Sogar zwei Frauen waren aktive Gründungsmitglieder, darunter die Gärtnereibesitzerin Widmann.Ganze Familien traten in die neue Partei ein. Viele waren zuvor Mitglieder des Zentrums gewesen. Sie trafen sich im "Fuchskeller" und die größten Nöte der Zeit waren die Versorgung mit Heizmaterial, Wohnraum und Lebensmittel.

Anders als in Stuttgart und Aalen, wo die spätere CDU noch als CDP (Christlich demokratische Partei) auf dem Wahlzettel stand, trat man in Ellwangen als CDU an und gewann 93 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 90 Prozent. 17 Sitze entfielen auf die CDU, die der Studienrat Fridolin Gebhard anführte, ein Sitz erreichte die SPD-KPD. Unter den ersten Gemeinderäten waren Handwerker wie der Metzgermeister Kurz, Intellektuelle wie der Verlagsdirektor Mäule und der Präsident des Landgerichts. Zwei der CDU-Räte waren evangelisch, die Partei war erklärtermaßen überkonfessionell.

Die ersten Entscheidungen galten der Wiederherstellung der Gasversorgung, die in Teilen der Stadt durch die Zerstörung der Jagstbrücke unterbrochen war. Man setzte sich für die Brennholzverteilung ein und versuchte, Flüchtlinge in öffentlichen Gebäuden unterzubringen. Jede Entscheidung musste zunächst der Militärregierung vorgelegt werden, die ablehnen oder genehmigen konnte. Der Vorteil, so Hoffmann: "Die Entscheidungen dieser Zeit sind außerordentlich gut dokumentiert." Die Berichte des Office of Military Government for Germany (OMGUS) wurden in Washington gesammelt und sind mittlerweile digital verfügbar. Dass im Gemeinderat sogar über den Verkauf des städtischen Geißbocks abgestimmt wurde, kann man als Hinweis dafür sehen, wie wenig Kompetenzen dem Gremium zu seiner Anfangszeit zugestanden wurden. Andererseits fasste der Gemeinderat auch Beschlüsse von großer Tragweite, wie die Unterbringung der Hamburger Firma Pertrix, aus der später die Varta wurde, in den Gebäuden der Ellwanger Nabenfabrik.

Dass sich 1947 Politiker von CDU, CSU und SPD auf dem Schönenberg zum „Ellwanger Kreis“ trafen, der maßgeblich am Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland mitwirkte, brachte der Stadt eine überregionale Aufmerksamkeit. In der Prawda war zu lesen, hier sei eine Verschwörung antikommunistischer Kräfte mit dem Vatikan im Gange. Deshalb traf man sich fortan im "Goldenen Adler" am Marktplatz, wo bis heute eine Tafel an diese Treffen erinnert. Verschiedene Bundespolitiker waren in den Folgejahren zu Gast und 1960 trat Bundeskanzler Adenauer bei der Vertriebenenwallfahrt auf.

Im kommenden Jahr, am 6. und 7. Mai 2022, werde sich die Nachfolgeorganisation des Ellwanger Kreises, der Krone-Kreis zum 50-jährigen Bestehen auf dem Schönenberg treffen, teilte Winfried Mack mit. In diesem Rahmen wolle man das 75-jährige Bestehen der CDU in Ellwangen feiern. Auch der Kreisverband werde dann seinen Kreisparteitag in der Stadt abhalten.

Die Forschungen von Dr. Michael Hoffmann sollen noch als Festschrift erscheinen und auch als Vortrag für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden.

Dr. Michael Hoffmann hat die Gründungsgeschichte der CDU in Ellwangen aufgearbeitet.
Wahlplakat der CDU
Wahlplakat der CDU
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