Urlaub auf dem eigenen Bauernhof

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Immer dabei: Hund Lucy passt auf, dass kein Huhn ausbüchst. Lucy stammt aus dem Tierheim.
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Klaus Thalheimer aus Ellwangen hat ein ungewöhnliches Hobby: Er hält sich zu Hause Hühner, Schweine und Schafe.

Ellwangen

Vier Schafe, zwei Puten, 23 Hühner, ein Hase, zwei Schweine und ein Hund. Was sich bei Klaus Thalheimer rund ums Haus tummelt, ist inzwischen ein respektabler landwirtschaftlicher Kleinbetrieb geworden. "Das ist mein Hobby. Andere fahren in den Urlaub, ich habe jeden Tag Urlaub auf dem Bauernhof", meint Thalheimer augenzwinkernd. Denn verreisen ist nicht mehr drin, bei der Menge an Nutztieren, die Thalheimer privat im Wohngebiet am Ellwanger Stadtrand hält.

"Für mich ist das mein Ausgleich, ich bin sehr naturverbunden." Seine Brötchen verdient Thalheimer eigentlich buchstäblich als Bäcker. Das Frühaufstehen macht ihm daher nichts aus. "Früh morgens und abends schaue ich nach den Tieren, das nimmt schon Zeit in Anspruch." Begonnen hat seine kleine Farm mit zwei Hasen, die der damals fünfjährige Sohn zu Ostern bekommen hatte. "Ich wollte dann auch Hühner dazu."

Was sagte seine Frau dazu? "Die meinte, dass wir mehr Hühner brauchen, denn die Eier reichen nicht. Auch die Schweine waren ihre Idee." Bereut hat Thalheimer diese Entscheidung nie. "Ich komme vom Land und habe als Kind schon immer auf dem Bauernhof mitgeholfen. Ich brauche das. Und für meine Kinder war das genial."

Einer der Söhne ist auch vom Bauernhoffieber gepackt. "Der fährt am liebsten die ganz großen Maschinen." Thalheimer selbst hat einen kleinen Traktor. Und wie finden es die Nachbarn? "Super, die freuen sich, selbst wenn mir mal ein Schaf ausbüchst und im Nachbargarten steht." Das Fleisch der Tiere verbraucht die Familie selbst. "Im Winter wird geschlachtet und eingefroren. Im Frühjahr kommen die nächsten Jungtiere."

Leider gibt es keinen Schnitzelbaum.

Klaus Thalheimer Bäcker und Hobby-Landwirt

Romantik ist dabei fehl am Platz. "Aber das ist in Ordnung, denn ich habe einen anderen Bezug zu den Lebensmitteln und den Unterschied schmeckt man. Und leider gibt es keinen Schnitzelbaum." Nur seine Schweine bekommen Namen, aber jedes Jahr dieselben: Piggeldy und Frederick. Lohnen kann sich das Hobby freilich nicht. "Ich habe dieselben Auflagen wie ein Großbetrieb. Der Papierkrieg ist hoch. Und die Tierarzt- und Futterkosten sind enorm."

Fast zwei Tonnen Futtergetreide und -kartoffeln gehen im Jahr an seine Tiere. "Wie hoch mein Erzeugerpreis pro Kilo Fleisch liegt, weiß ich nicht. Ich habe es nie ausgerechnet und will es auch gar nicht wissen, weil ich sonst vielleicht die Finger davon lassen würde", meint Thalheimer.

"Aber klar ist: Der Verbraucher sollte Fleisch vom Metzger oder als Bioware kaufen. Lieber weniger, dafür bessere Qualität." Als Tipp für alle, die mit dem Gedanken einer Mini-Farm spielen, rät Thalheimer, erst mal mit ein paar Hühnern anzufangen. "Dann merkt man, welche Verantwortung man für die Tiere trägt und ob einem das liegt."

Eines macht ihn wütend: Pro Jahr werden in der Gegend zwei bis drei Schafe jährlich gestohlen. "Dabei steckt da unser Herzblut drin. Man rüstet auf, auch das kostet. Ich habe auch eine Videoüberwachung angebracht. Zum Glück bislang aber nur Waschbären und Füchse gesehen." Und wenn es mal nichts zu tun gibt? "Dann drechsle und schnitze ich", lacht Thalheimer.

Was Sie über private Nutztierhaltung wissen müssen

Beim Landratsamt melden: Wer privat Nutztiere wie Schweine, Schafe, Ziegen oder Geflügel halten möchte, muss dies wie bei gewerblicher Haltung vor der Anschaffung dem Geschäftsbereich Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landratsamts melden. Er erhält dann eine Registriernummer und muss ein Bestandsregister führen, also Herkunft und Verbleib der Tiere lückenlos nachweisen.

Schutz vor Seuchen: Hintergrund ist, im Fall einer Seuche die potentielle Verbreitung der Erreger nachvollziehen zu können. Spezielle Regeln für Schweine: Besondere seuchenhygienische Regelungen gelten für die Haltung von Schweinen. Schweine dürfen nicht in Kontakt mit Wildschweinen kommen.

Nötiges Wissen: Ein Tier muss seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden. Der Tierhalter muss über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Buchführung: Da es sich bei den Nutztieren um lebensmittelliefernde Tiere handelt, gibt es auch arzneimittelrechtliche Anforderungen an die Buchführung über vom Tierarzt verabreichte Arzneimittel.

Schlachtung: Die Schlachtung ist in zugelassenen Schlachtbetrieben möglich, hierbei wird eine Tier- und Fleischuntersuchung durchgeführt. Hausschlachtungen sind ebenfalls möglich, allerdings darf das Fleisch dann ausschließlich im eigenen Haushalt verzehrt werden. Personen, die schlachten, müssen die notwendige Sachkunde besitzen. Die Veterinäre kontrollieren private Nutztierhalter ebenso wie gewerbliche. jku

Zwei Schweine hat nicht jeder auf seinem Grundstück. Klaus Thalheimer kann sich nichts Schöneres vorstellen. Gut zwei Tonnen Futtermittel vertilgt der ganze Mini-Bauernhof im Jahr.
Die Nutztiere sollten immer mindestens als Paar gehalten werden, findet Thalheimer. Schafe als kleine Herde von drei bis vier Tieren.

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