Viele Wohnungssuchende und keine Bauplätze

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Das Konversionsgelände aus der Luft: Hier könnten über 700 Wohneinheiten entstehen. Foto: gek
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In Ellwangen fehlen immer mehr Wohnungen, Bauplätze gibt es kaum noch und das große Baugebiet auf dem Konversionsareal, das Entlastung bringen könnte, ist blockiert.

Ellwangen

Was Thomas Töpfl, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Ellwangen (BGE), am Donnerstagabend im Gemeinderat zur Wohnungssituation in der Stadt sagte, ließ manchen im Saal heftig die Stirn runzeln. Dabei hat die Baugenossenschaft bislang alles richtig gemacht, 622 eigene Wohnungen plus 524 in Verwaltung, günstige Kaltmieten zwischen 4,10 und 8,10 Euro pro Quadratmeter und ständig wird in den Wohnungsbestand investiert.

Töpfl schilderte jedoch, wie sich die aktuellen Rahmenbedingungen extrem bremsend auf die Bautätigkeit auswirken. Konkret sind es der Anstieg der Bauzinsen, Wegfall der staatlichen Wohnungsbauförderung (KFW-Mittel),  der Anstieg der Baukosten, Fehlen von Facharbeitern und Material und die steigenden Mietnebenkosten, die jeden Bauwilligen verunsichern und viele Vorhaben abwürgen.

„Wir brauchen ein Förderprogramm, der Markt allein macht es nicht“, stellte OB Michael Dambacher fest. Und eine Initiative sollte schnell kommen, denn die Wohnungsnot ist enorm.

214 Namen stehen auf Töpfls Liste mit Wohnungssuchenden, die meisten wollen eine 2- oder 3-Zimmerwohnung. Die Hälfte der Suchenden sind Deutsche, die anderen unterschiedlichster Nationalitäten. Die günstigen Mietwohnungen sind gefragt, aber auch Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern. Projekte von Investoren, wie sie unter anderem im Baugebiet „Boltersrot" geplant waren. Jetzt wurden die bereits verkauften Grundstücke wieder zurückgegeben, weil sich die Bauherren nicht in der Lage sehen, unter den momentanen Bedingungen so zu bauen, dass sie die von der Stadt geforderte und geförderte Mietpreisbindung einhalten können.

Was als „Mietpreisbremse“ wirken sollte, führt jetzt dazu, dass gar nicht gebaut wird. „Wir müssen dringend beraten, wie wir mit den Grundstücken dort umgehen“, sagte auch Wolfgang Baur vom Liegenschaftsamt. Er stellte die aktuelle Situation beim Bauland vor, die ebenfalls extrem angespannt ist.

„Wir haben jetzt praktisch keine Bauplätze mehr“, sagte er dem Gemeinderat. Und das große Baugebiet „Ellwangen Süd“, das man auf dem Kasernenareal entwickeln möchte, ist durch die Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA) blockiert. Gunter Frick meinte: „Wir brauchen Zugriff auf das Konversionsgelände. Wenn wir aus Flüchtlingen Mitbürger machen wollen, brauchen wir Wohnraum.“ Herbert Hieber sprach sich dafür aus, das Gebiet abschnittsweise zu entwickeln, parallel zum Betrieb der LEA.

Thomas Töpfl stimmte zu, „Ellwangen Süd“ wäre ein großer Wurf gegen die Wohnungsnot. Die BGE sei aber auch jetzt schon aktiv, etwa mit der Sanierung der Gebäude in der Goldrainstraße. Der Bebauungsplan lasse dort die Aufstockung zu. Die Zahl der Wohneinheiten könne man so um 80 Prozent erhöhen. Töpfl lobte auch das geplante, kommunale Wärmenetzwerk der Stadtwerke Ellwangen. „Das hat Charme, da sind wir dabei“, sagte er.

Ob eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft die Not lindern könnte, wurde Töpfl gefragt. „Unter den aktuellen Bedingungen kocht auch eine kommunale Gesellschaft nur mit Wasser“, sagte er dazu. Die Baugenossenschaft und die Stadt hätten dasselbe Interesse, nämlich günstigen Wohnraum zu schaffen und das möglichst schnell.

Wolfgang Seckler forderte die BGE auf, in den Teilorten aktiv zu werden und Martina Osiander regte an, die leerstehenden Wohnhäuser der BIMA in Hohenstaufen- und Karl-Stirner-Straße sanieren. „Das ist überhaupt ein Skandal“, pflichtete Hariolf Brenner bei. Der Bund lässt in Ellwangen über 20 Wohnungen leer stehen.“

Herbert Hieber regte an, mehr altersgerechte Wohnungen anzubieten, damit ältere Leute ihre Einfamilienhäuser frei machen. Töpfl sah das eher als Wunschdenken, er mache die Erfahrung, dass die Leute so lange im Eigenheim bleiben, wie es irgendwie geht, egal ob geeignete Wohnungen am Markt sind oder nicht.

Deshalb brauche man Seniorenwohnungen in Wohngebieten, meinte Bettina Vierkorn-Mack. „Damit man im Alter im Viertel bleiben kann.“ An solche Modelle dachte auch Jürgen Lang und bot der BGE an, ein solches Projekt in der Ortsmitte von Rotenbach zu entwickeln.

Warum der ehemalige und nicht der amtierende Oberbürgermeister im Aufsichtsrat der BGE ist, war die Frage. Töpfl: „Der Aufsichtsrat wird bei uns in demokratischen Abstimmungen gewählt. Wenn einer erneut kandidiert und gewählt wird, ist er drin.“

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