Vier Freunde wollen mit Hanfprodukten durchstarten

  • Weitere
    schließen
+
Vier Freunde und ein Start-up: (v.l.) Daniel Fritsche, Florian Unser, Andreas Fuchs und Michael Beetz gründeten die hanfmi GBR.
  • schließen

Auf seinem Feld bei Eigenzell baut der Nebenerwerbslandwirt Andreas Fuchs zusammen mit drei Freunden Nutzhanf zur Gewinnung von CBD-Öl an.

Ellwangen-Eigenzell

Was sofort auffällt, wenn man vor dem Hanffeld steht: Es summt und brummt ohne Ende. Bienen, Wildbienen, Hummeln, fast auf jeder Blüte sitzt eine eifrige Pollensammlerin. Links und rechts davon wächst Mais, doch da fliegt fast nichts. Ist dieses Feld also ein Biotop?

"Auf jeden Fall biologischer Anbau", erklärt der Besitzer Andreas Fuchs. Er ist Nebenerwerbslandwirt, hat seine Flächen umgestellt und baut dieses Jahr erstmals Nutzhanf an. Am 3. Mai hat er auf dem Streifen, 0,31 Hektar groß, die Sorte "Finola" ausgesät. Jetzt steht alles in Blüte, wenn man mit der Hand an den Blütenständen entlang fährt riecht man das duftende Harz.

Genau darauf hat es der 33-Jährige Landwirt abgesehen. Er will das Öl der Hanfpflanzen extrahieren und als Nahrungsergänzungsmittel vermarkten. Im April hat Fuchs mit drei Freunden ein Unternehmen gegründet, die hanfmi GBR. Gemeinsam wollen sie auf dem wachsenden Markt für Hanfprodukte ein neues Angebot platzieren.

"Wir hätten auch importiertes Hanföl aus China abfüllen können. Doch uns schwebt eine Qualitätsproduktion, eine richtige Manufaktur vor, die lokale Erzeugung und handwerkliche Verarbeitung kombiniert", erklärt Daniel Fritsche. Und so haben sich die vier erst einmal in die Materie eingearbeitet, Bücher gelesen, Informationen über rechtliche Hintergründe und Vor- und Nachteile verschiedener Sorten eingeholt.

"Finola" zeichnet sich durch besonders hohen Gehalt an Cannabidiol (CBD) aus, erklärt Andreas Fuchs. Dieser Wirkstoff gilt seit einiger Zeit als Gesundmacher schlechthin.

Uns geht es auch darum, das schlechte Image dieser Pflanze aufzupolieren.

Florian Unser Gründungsmitglied

Anders als das psychoaktive THC, das als Droge bekannt ist, kennt man bei CBD keine negativen Nebenwirkungen. Entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend wird es in vielerlei Form bereits konsumiert. Es darf frei gehandelt werden und die Nachfrage wächst enorm.

Um an den Wirkstoff zu kommen, werden die vier Unternehmer demnächst die Blüten der weiblichen Pflanzen von Hand ernten, trocknen, zerkleinern und mit Alkohol lösen. Im nächsten Schritt wird der Alkohol wieder verdampft und übrig bleibt das Hanföl, das dann sehr dickflüssig, fast schon eine pastöse Konsistenz haben wird. Das Feld in Eigenzell soll circa 30 Liter davon abgeben. Mit gewöhnlichem Speiseöl aus Hanf wird die Paste verdünnt, bis die gewünschte CBD-Konzentration erreicht ist und als CBD-Öl verkauft werden kann.

Derzeit bauen die vier eine Vermarktung über das Internet auf. Michael Beetz, ebenfalls Landwirt, hat in Hohenlohe ein zweites Feld mit einem Hektar Hanf bebaut. Man könnte also 120 Liter Öl ernten. In der Destille seines Onkels soll die Extraktion laufen. Das soll aber erst der Anfang sein. "Nächstes Jahr würde ich gern zehn Hektar anbauen", sagt Fuchs. Und das CBD-Öl soll nicht das einzige Produkt bleiben. Teemischungen, Honig, Käse, Brotaufstrich, Kosmetik und Schokolade mit CBD gibt es bereits auf dem Markt.

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

WEITERE ARTIKEL