Vom Glück im Waldkindergarten

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Idyllisch auf einer Lichtung inmitten einer Streuobstwiese liegt der Waldkindergarten Eulennest. Weitere Waldkindergärten gibt es im Ostalbkreis in Utzmemmingen, Lauchheim, Westhausen, Abtsgmünd, bei Treppach, in Aalen, Schwäbisch Gmünd und Alfdorf.
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Die Natur als Kita: Wie die Einrichtung Eulennest funktioniert und warum die Erzieherinnen sich keinen besseren Ort vorstellen können.

Ellwangen

Ein Gewitter ist durchgezogen am Vorabend, die Wiese ist noch nass und feucht. Unter Obstbäumen sind Kinder ins Spiel vertieft, in kleinen und größeren Gruppen. Sie basteln, flechten Zweige und reden viel und entspannt miteinander.

Auch Christa Krockenberger merkt man die Freude an. Sie ist mit Leib und Seele Kindergärtnerin und rundum glücklich. "Welch schöneren Ort gibt es für Kinder als hier?" Auch ihre Kollegin, Iris Kapfer, ist sich sicher: "Das ist der ideale Ort." Der größte Unterschied zu einem herkömmlichen Kindergarten? "Eindeutig die Ruhe und die Natur", da sind sich beide einig. "Wir haben hier natürlich keine Wände. Alles ist offen, da schaukelt sich Lärm auch nicht so hoch", sagt Krockenberger.

Dennoch war auch sie skeptisch, als die Stadt Ellwangen als Träger vor gut zweieinhalb Jahren mit der Idee eines Waldkindergartens an sie herantrat. "Ich war zuvor 17 Jahre ‘drinnen', hatte zwar Waldtage begleitet, aber es war doch fraglich, ob das funktioniert, ohne Strom, fließend Wasser und nur mit einer Komposttoilette."

Mittlerweile ist die gebürtige Jagstzellerin sicher: "Der Waldkindergarten war die richtige Entscheidung, für die Stadt, die Kinder und auch für uns Erzieherinnen." Vieles entsteht spontan vor Ort. "Wir haben natürlich ein pädagogisches Konzept und immer einen Plan B, wir dokumentieren leider genau so viel wie jeder ander Kindergarten auch." Doch hier steht das Kind im Vordergrund und dessen Phantasie und Kreativität. "Das lassen wir immer mit einfließen, die Ideen der Kinder gehen vor."

Der typische Tagesablauf ist strukturiert, aber eben anders. So spielen die Kinder gemeinsam am Wagnershofspielplatz, bis alle angekommen sind. "Das nimmt schon mal Energie raus, es entsteht für die Kinder keine Wartezeit." Dann gibt es drei Wege, festgelegte Stationen und Sammelpunkte.

Jeden Tag gibt es einen anderen Weg und eine andere Station auf dem Weg zum Eulennest, so kommt keine Langeweile auf. Vor Ort gibt es dann eine Kinderkonferenz. Jedes Kind stimmt mit Steinen oder Tannenzapfen ab, über welches Thema es mehr wissen möchte. Das kann von Steinen über Insekten hin zu Baustellen alles sein. "Wir können alles aufgreifen und einfließen lassen, was die Kinder beschäftigt oder was sie unterwegs entdecken. Auch wir lernen hier jeden Tag dazu", schmunzelt Krockenberger.

Auch wir lernen hier jeden Tag dazu.

Christa Krockenbeck Kindergartenleiterin

Im freien Spiel dürfen die Kinder komplett selbst entdecken, sandeln oder mit dem basteln, was die Natur je nach Jahreszeit hergibt. "Natürlich kochen wir auch zusammen. Und mit dem Bauhof und der LEA machen wir von den Streuobstwiesen den Stadtapfelsaft."

Das ganze Konzept funktioniert, weil die Kinder die Grenzen kennen und sich daran halten. "Jedes Kind muss in Sichtweite bleiben und auf den Namenruf hören können", so Krockenberger. "Wir haben schließlich keine Tür und keinen Zaun. Die Kinder tragen mehr Verantwortung füreinander und miteinander, sie sind sehr hilfsbereit." Und auch weniger krank. "Grippewellen oder andere Kinderkrankheiten, die ganze Kitas lahmlegen, haben wir hier noch nicht gehabt." Während des Corona-Lockdowns bewährte sich das Eulennest besonders: "Wir hatten nie zu. Für die Notbetreuung war der Ort hier ideal."

Ob sie sich vorstellen könnten, noch einmal in einen "normalen" Kindergarten zurückzugehen? "Nein, niemals," kommt die prompte Antwort der beiden Erzieherinnen. "Wir sind hier viel näher an den Kindern", betont Krockenberger. Und die Kinder sind offensichtlich auch begeistert: "Wenn wir mal nur zwei Stunden im Bauwagen sind, sagen die Kinder den Eltern enttäuscht, dass sie heute gar nicht draußen waren."

Nach unserem Gespräch gehen die Kinder ganz in die Nähe zu glücklichen Schafen und Schweinen, die sich im Matsch suhlen. "Da würden unsere Kinder am liebsten gleich mitmachen", lacht Krockenberger.

Der Waldkindergarten Eulennest eröffnete im Juli 2018. Mit 20 Kindern ist er voll belegt. Weitere Waldkindergärten gibt es im Ostalbkreis in Utzmemmingen, Lauchheim, Westhausen, Abtsgmünd, bei Treppach, in Aalen, Schwäbisch Gmünd und Alfdorf.

Idyllisch auf einer Lichtung inmitten einer Streuobstwiese liegt der Waldkindergarten Eulennest. Weitere Waldkindergärten gibt es im Ostalbkreis in Utzmemmingen, Lauchheim, Westhausen, Abtsgmünd, bei Treppach, in Aalen, Schwäbisch Gmünd und Alfdorf.

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