Vom schnellem Sex zum Halleluja

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Peter Schwarz und Claudius Zott gehen im Atelier Kurz der Musik und den Texten von Leonard Cohen auf den Grund. 
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Peter Schwarz und Claudius Zott gehen im Atelier Kurz der Musik und den Texten von Leonard Cohen auf den Grund.

Ellwangen. Am Freitagabend sah man im Atelier Rudolf Kurz einige enttäuschte und viele glückliche Gesichter. Enttäuscht waren die, die an der Kasse keine Tickets mehr bekamen, weil der Cohen-Abend von Peter Schwarz und Claudius Zott bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Der Redakteur der Waiblinger Kreiszeitung, der in Ellwangen aufgewachsen ist, hatte sich nach Bob Dylan ein weiteres Idol seiner Jugend vorgenommen: Leonard Cohen.

Über den Liedermacher aus Montreal wurde schon geschrieben, er mache mit seinen düsteren Texten und traurigen Melodien “ideale Musik, um sich die Pulsadern aufzuschneiden”. 

Peter Schwarz widersprach und nannte sieben Gründe, die für Leonard Cohen sprechen. Unter anderem die Schärfe, mit der er die Höhen und Abgründe der Liebe auslotet. Nacktheit, Sexszenen, lapidare Beschreibungen der vielen Liebschaften finde man so häufig bei Cohen wie die Anspielungen auf das alte Testament.

Wie fein der Künstler in seinen Songs immer wieder neue Bedeutungsschichten versteckt, zeigte Schwarz am Beispiel von “Chelsea Hotel no. 2” auf. Der Text scheint zunächst eher verschlüsselt, entpuppt sich als lapidare Erinnerung an ein One-Night-Stand mit Janis Joplin. Er sei zudem eine Abrechnung auf das Leben als “Worker in Song”, als Rockstar jener Zeit, “runnin for the money and the flesh”, geprägt von der Jagd nach Geld und Sex, so Schwarz. Und schließlich beschreibe der Song, wie Erinnerungen allmählich verblassen, plötzlich aber mit enormer Leuchtkraft wieder hervorbrechen, um erneut wieder zu erlöschen.

Caudius Zott, der mit der Gitarre immer wieder Cohen-Songs anspielte, gab “Chelsea Hotel no. 2” seine ganz eigene, nachdenkliche, traurige, leise Stimmung. 

Cohen nahm 1967 mit 33 Jahren seine erste Schallplatte auf, nachdem er zuvor zwei Romane und Gedichtbände geschrieben hatte. Er erlebte Mitte der 80-er Jahre den Tiefpunkt seiner Karriere. Das Album “Various Positions” wurde 1984 nur in Europa veröffentlicht und Cohen trat sogar bei “Wetten dass” auf, um es zu promoten. 

Es enthielt ein Lied, das fast 20 Jahre alt werden musste, bis es als das wahrgenommen wurde, was es heute ist: “Halleluja”, das wichtigste Lied des 21. Jahrhunderts. In kurzen Videoeinspielungen zeigte Schwarz, wie sich Bob Dylan, John Cale, Jeff Buckly daran versuchten, wie es erst zu “Shrek” als Filmmusik laufen musste, bevor es zum Synonym für Trauer, Freude und jedes andere Gefühl wurde. Cohen beschreibe “den perfekten Moment, der alles Begreifen übersteigt”, die Ekstase, das alles überragende Gefühl “jetzt ist alles perfekt”, das nicht bewusst herbeizuführen und auch nicht festzuhalten ist, so Peter Schwarz.

Der Kitsch, der nach zahllosen Interpretationen bei tränenreichen Ereignissen Cohens “Halleluja” anhaftet, war nur noch satirisch zu vermeiden. Und so kam es bei Claudius Zott nicht gehaucht, sondern eher gebrummt, als sänge es Aloisius, der “Münchner im Himmel”, der auf sein nächstes Weißbier wartet.

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