Vom Wissenshort zum Sorgenkind

+
Lehrerbibliothek PG Ellwangen Peutinger Gymnasium
  • schließen

Warum die historische Bibliothek des Peutinger Gymnasiums ein tristes Kellerdasein fristet und wie Abhilfe geschaffen werden soll.

Ellwangen

Einst war sie der humanistische Schatz des Ellwanger Jesuitenkollegs, nun fristet sie ein eher kümmerliches Dasein in einem Kellerraum des Peutinger Gymnasiums (PG).

Stadtarchivar Christoph Remmele öffnete für den Ausschuss für Kultur, Touristik, Sport und Soziales des Gemeinderats den gut gehüteten Ort. Zu gut, zumindest was das "Versteck" angeht. Eher ungut in Sachen Klimatisierung.

Denn die gut 4300 Bände umfassende Bibliothek, die in Teilen bis auf das Jahr 1658 zurückgeht, steht hier auf wenigen Quadratmetern zusammengepfercht, ohne Klimatisierung.

"Das ist ein Problem. Die Bücher ziehen Feuchtigkeit", so Remmele. Vor 500 Jahren wurde in der Regel kein Papier, wie wir es heute kennen, verwendet. Die Seiten der Bücher wurden statt dessen meist aus Hanf- und Flachsfasern hergestellt, teils aus Lumpen.

Der Wert dieser Bibliothek liegt aber nicht nur in den Werken selbst, hebt Remmele hervor: "Sie ist eine der bedeutendsten württembergischen Gymnasialbibliotheken." Ihre eigene Geschichte und die ihrer Besitzer spiegelt die Landesgeschichte Baden-Württembergs wieder, von der Fürstpropstei Ellwangen über die Zeit der Besetzung durch Napoleon hin zur Eingliederung in das Königreich Württemberg. Unterschiedlichste Signaturen der Buchrücken zeugen noch heute davon.

Um die 16 000 Bücher umfasste die wissenschaftliche Fachbibliothek des ehemaligen Jesuitenkollegs einst, so Remmele. Auf diesen Umfang sei sie durch Zukäufe und Schenkungen gewachsen. Oft hätten hochgestellte Ellwanger Bürger und Beamte ihre Bücher als Nachlass der Bibliothek vermacht. Der Gründer des Ellwanger Jesuitenkollegs und Namensgeber des heutigen Gymnasiums, Ignatius Desiderius von Peutingen, hinterließ etwa seine gesamte Arbeitsbibliothek. Geschrumpft sei die Bibliothek dann wieder durch die wechselnden Besitzer. So wurde ein großer Teil beispielsweise in die in die Tübinger Universitätsbibliothek oder die Landesbiblothek Württembergs verbracht. Zuletzt wurden 1939 rund 2700 Bücher dorthin abgezogen. "Das war der letzte Eingriff", erklärte Remmele.

Wie soll es weitergehen? Stella Herden, Rektorin des Peutinger Gymnasiums, möchte die Bibliothek als Teil eines Schulprojekts aufarbeiten und ihr einen würdigen Rahmen verleihen, nach Möglichkeit im PG. "Jedes dieser Bücher ist ein Schatz", so Herden. "Und wir wollen, dass die Bücher hier bleiben." Remmele pflichtete bei: "Sie gehören hier her, sie waren immer schon Bestandteil des Gymnasiums." Gemeinsam mit Remmele soll ein passendes Konzept erarbeitet werden.

Herbert Hieber erinnerte an das Eugen-Bolz-Zimmer in der gleichnamigen Realschule, und Oberbürgermeister Michael Dambacher befürwortete eine Schulinitiative, um der Bibliothek wieder einen angemessenen Rahmen zu verleihen.

  • Die Bibliothekt in Zahlen
  • Die historische Lehrerbibliothek des Peutinger Gymnasiums umfasst rund 4300 Bände. Zwölf Prozent der Bände stammen aus dem 16. Jahrhundert, 23 Prozent aus dem 17. Jahrhundert, 27 Prozent aus dem 18. und 38 Prozent aus dem 19. Jahrhundert.
  • 350 Bände der ehemaligen Jesuitenbibliothek befassen sich mit Religion, 181 mit Griechisch und Hebräisch, 133 mit Latein. 68 Bücher haben Französisch und 22 Italienisch als Sujet.
  • 230 Bücher behandeln Geschichte, 76 Naturwissenschaften und mit Mathematik befassen sich immerhin zwölf Bücher.

"Jedes dieser Bücher ist ein Schatz."

Stella Herden, Rektorin Peutinger Gymnasium

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare