Von Gebäuderesten und Musketenkugeln

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Grabungsarbeiten im Zuge der Umgestaltung des Karl-Wöhr-Platzes in Ellwangen: Das Team von Ostalb-Archäologie vor Ort (v. l.): Marina Hinnen, Dana Herrmann und Benny Rieger owie Olaf Goldstein, Gebietsreferent Mittelalter- und Neuzeitarchäologie des Landesamts fürDenkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, bei den Grabungsarbeiten auf dem Karl-WöhrPlatz.

Die Umgestaltung des Ellwanger Karl-Wöhr-Platzes wird von Archäologen begleitet – rund 70 Kleinfunde von Alltagsgegenständen erfreuen die Experten.

Ellwangen

Ein Gespräch mit den Mitarbeitenden der Firma Ostalb-Archäologie GbR entwickelt sich schnell zur Fantasiereise ins Ellwangen des 14. und 15. Jahrhunderts. Denn das Team um Geschäftsführerin Dana Herrmann hat unter der Asphaltdeckschicht des Karl-Wöhr-Platzes einiges gefunden, das Rückschlüsse auf diese Zeit zulässt - und Archäologen wie Laien in eine längst vergangene Zeit eintauchen lässt.

Die Grabungen laufen begleitend zur Baumaßnahme der Platzumgestaltung und sind teilweise nicht ganz einfach. Denn viele Versorgungsleitungen und Kanalschächte kreuzen den Platz, die bereits ältere Strukturen zerstört haben oder deren Freilegung jetzt verhindern. Doch im nordwestlichen Bereich haben die Fachleute einiges entdeckt: Mauerreste eines Hauses mit Gewölbekeller wurden freigelegt und zahlreiche Kleinfunde gesammelt.

Hinweis auf Brände im späten Mittelalter

„In Bereichen der Altstadt kann immer etwas kommen“, sagt Dana Herrmann. Diesmal eben Mauerreste eines Hauses – teilweise aus stark verwittertem Mürbsandstein – mit einer Zusatzinformation: „Es muss mal gebrannt haben, das sieht man deutlich an den Brandschichten“, sagt Herrmann. Über das Gebäude, das zur Zeit des Stadtmauerbaus im 14. Jahrhunderts entstanden sein müsse, habe man bisher allerdings keine weiteren Informationen gefunden, auch nicht aus alten Plänen oder im Stadtarchiv. Diverse Münzen, ein Nürnberger Fingerhut (tiefgezogen aus einem Stück Messing), Musketenkugeln, Murmeln, ein Miniatur-Hufeisen von einem Spielzeugpferd, Spinnwirtel (Schwunggewichte von Handspindeln), oder verschiedene Keramikscherben: Insgesamt rund 70 (Klein-)Funde von Alltagsgegenständen zählt das Team bereits; verwaltet werden sie von Archäologin Marina Hinnen.

Alle Funde werden freigelegt und dokumentiert

Wenn die Arbeiten nun in Richtung Methodiusplatz weiterziehen und auch dort die Tragschicht entfernt wird, bleiben die Mitarbeitenden von Ostalb-Archäologie weiterhin vor Ort. Alle Funde werden freigelegt und dokumentiert, bevor die neue Platzgestaltung darüber angelegt wird. „Es ist immer ein Abwägen zwischen den verschiedenen Interessen, wie intensiv man gräbt“, sagt Olaf Goldstein, der als Gebietsreferent Mittelalter- und Neuzeitarchäologie des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart die Untersuchungen angewiesen hat.

Goldstein: Baustelle läuft trotzdem wie geplant

„Archäologisch ist das höchstspannend. Das ist sicher eine der interessantesten Baustellenbegleitungen der letzten Jahre im Ostalbkreis“, sagt er. Gleichwohl könne die Baustelle wie geplant fortgesetzt werden. Alle Funde würden erfasst und akribisch dokumentiert.

Großes Lob gelte dem Team von Ostalb-Archäologie, das seinen Job hervorragend mache und sich mit der Region identifiziere. „Das ist eine schöne Grabung. Wir spüren auch das Interesse vieler Bürgerinnen und Bürger an unserer Arbeit, die wissen wollen, was wir zutage fördern“, zieht Dana Herrmann ein positives Zwischenfazit.

Im Bereich der Altstadt kann immer mal was kommen.“

Dana Hermann, Ostalb-Archäologie

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