Warnung vor neuem Antisemitismus

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Der ehemalige Landtagsvizepräsident Dr. Alfred Geisel hielt die Gedenkrede am jüdischen Friedhof. Mitglieder des Friedensforums beleuchteten die schrecklichen Geschehnisse des Hessentaler Todesmarsches. Foto: AK
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die Gedenkfeier am jüdischen Friedhof steht im Zeichen des Ukraine-Krieges. Der Hessentaler Todesmarsch als Mahnung. Warum Erinnerungskultur so wichtig ist.

Ellwangen

Am jüdischen Friedhof in der Dalkinger Straße ist am Volkstrauertag der  Hessentaler Todesmarsch in Erinnerung gerufen und der zahlreichen sinnlos ermordeten KZ- Häftlinge gedacht worden. Der ehemalige Landtagsvizepräsident Dr. Alfred Geisel würdigte in seiner Rede die Arbeit des Friedensforums.

Am jüdischen Friedhof  wurde am Sonntag an die Opfer und Verfolgten des nationalsozialistischen Terrors gedacht. Josef Baumann vom Friedensforum Ellwangen begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter auch Oberbürgermeister Michael Dambacher, Stadträte und viele Vertreter des öffentlichen Lebens.

Baumann wies auf die Wichtigkeit der Erinnerungskultur gerade in der heutigen Zeit hin: „In jetzigen Krisenzeiten ist es umso wichtiger, an die Opfer der Nazi-Herrschaft und an das sinnlose Morden zu erinnern. Wir müssen klare Antworten auf Drohungen geben, gerade jetzt, so sich der Antisemitismus wieder Bahn bricht.“

Peter Maile, Volker Lauster Schulz und Josef Baumann vom Ellwanger Friedensforum zeichneten anhand von Zeitzeugenberichten die schrecklichen Ereignisse des Hessentaler Todesmarsches nach, bei dem Häftlinge erniedrigt, gedemütigt, gefoltert und nach Schätzungen bis zu 200 von ihnen kaltblütig ermordet worden waren.

Als Gastredner sprach der ehemalige Landtagsvizepräsident  Dr. Alfred Geisel. Er würdigte die Arbeit des Ellwanger Friedensforums. Es sei das beispielgebende Verdienst des Friedensforums, das die grausamen Geschehnisse des Hessentaler Todesmarsches schon seit vielen Jahren reflektiere. „Die Blutspur des Todesmarsches hat sich ja auch durch Ellwangen gezogen. Die lokalen Geschehnisse wurden über Jahrzehnte hinweg verdrängt, verschwiegen, ja geleugnet.“

Der ehemalige Landtagsvizepräsident ging danach auf den Ukraine-Krieg ein. „Ich werde die Furcht nicht los, dass am Ende des Krieges mit Ausnahme der Rüstungsindustrie es nur Verlierer geben wird. Kriege haben in den seltensten Fällen Konflikte lösen können. Sie haben lediglich neue politische Konfliktfelder erzeugt.“ Alfred Geisel setzt seine Hoffnung in die Diplomatie und Friedensbereitschaft: „So kommen wir vielleicht am Ende doch noch zu einer friedlichen Lösung.“    

Nach den Redebeiträgen wurde eine Blumenschale am Gedenkstein vor dem jüdischen Friedhof niedergelegt. Daran schloss sich eine Gedenkminute an. Volker Lauster-Schulz und Bettina Strohm umrahmten die Gedenkfeier musikalisch. Die Gäste bekamen am Ende der Gedenkveranstaltung die Gelegenheit, den jüdischen Friedhof zu begehen.

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