Warum das Regina insolvent ist

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Sternstunde im Regina 2000- Kino: Als die Krimikomödie "Mord im Heiligenwald" von Birgit Kohl und Tim Spreng in Ellwangen Premiere feierte, lief der Film zeitgleich in mehreren Sälen. Archivfotos: rat/ gek
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Mit Corona kam die Pleite des Ellwanger Traditionskinos "Regina 2000". Doch die Kinosäle waren auch vorher schon halb leer.

Ellwangen

Im Internet ist die Seite des Regina 2000-Kinos nach wie vor zu finden. Es wird für Sitzreservierung, Kinogutschein, Kinocard geworben. Nichts dort deutet darauf hin, dass das Ellwanger Kino geschlossen ist und dass ein Insolvenzverwalter die Regie übernommen hat, wie die SchwäPo bereits am Freitag vermeldet hat.

Die Vorgeschichte: Das Regina 2000-Kino war eine Institution in der Stadt. Seit 1984 gehörte das renommierte Filmtheater an der Karlsstraße dem Betreiber Karl Helmreich. Erst gab es nur einen großen Saal und einen Film am Abend. Dann baute Helmreich um, verkleinerte den großen und richtete zwei weitere, kleinere Säle ein.

Mit dem Neubau im Jahr 2000 wurde das "Regina" zum "Regina 2000" mit nun sechs Sälen. Und mit der größten Leinwand der ganzen Region. 2003 kamen Digitalton, dann 3D und 2013 schließlich die Umstellung auf digitale Abspieltechnik. Helmreichs Schwiegertochter Viktoria Junker war Geschäftsführerin der "Regina 2000 Filmtheater GmbH".

Strukturwandel: Doch ein Strukturwandel setzte Kinos unter Druck, überall, nicht nur in Ellwangen. Zuerst das Fernsehen mit immer mehr Sendern. Dann die Videotheken.

Zuletzt das Internet mit Netflix und anderen Streamingdiensten. Druck kam auch von den Filmverleihern, die attraktive Kinostarts von technischer Ausstattung, Investitionen und Besucherzahlen abhängig machten. Und die Konkurrenz in den Nachbarstädten wuchs. In Aalen und Heidenheim entstanden große Multiplexkinos.

Zweites Standbein: Karl Helmreich hatte lange Zeit ein zweites Kino in der Region Stuttgart, konnte so relativ hohe Besucherzahlen vorweisen und auch in Ellwangen Blockbuster zum Kinostart zeigen.

In Ellwangen gab und gibt es auch Publikum für Programmkino. Das kam in den 1980er- und 90er-Jahren durch die Angebote des Movie-Filmclubs und in den vergangenen Jahren durch die Vorstellungen der Ellwanger Film Initiative, kurz efi, in den Genuss qualitätsvoller Autorenfilme. Die Familie Helmreich war für Kooperationen offen und machte auch bei der "Elchinale", dem Ellwanger Kurzfilmfestival, mit.

Filmförderung: Im Januar 2019 bewilligte die Jury der MFG Filmförderung Baden-Württemberg Förderdarlehen für vier gewerbliche Kinos. 50 000 Euro gingen an das Ellwanger Regina 2000 für die Anschaffung eines leistungsstärkeren 4K-Projektor mit Laserlichtquelle. Das zinslose Darlehen stand unter Kulturvorbehalt. Ein qualitativ gutes Jahresprogramm und das Abspielen von Filmen, die das Land gefördert hat, waren hierfür Bedingung.

Autokino: Diese Förderung ist ein Hinweis darauf, dass die goldenen Zeiten des Kinos längst vorbei waren, als wegen der Coronapandemie im März 2020 alle Kinos schließen mussten. Viktoria Junker hat beim Autokino am Schießwasen den vorerst letzten Kinofilm in Ellwangen gezeigt. Das Projekt, initiiert von und umgesetzt mit jungen Ellwangern, war ein Erfolg, auch finanziell. Trotzdem blieb das Regina 2000 geschlossen, als die Kinos, unter strengen Hygienekonzepten, wieder öffnen durften.

Reihe von Rätseln: Der Insolvenzantrag gibt nun eine ganze Reihe von Rätseln auf. Zum Beispiel würde man gerne wissen, ob die Regina 2000 Filmtheater GmbH Besitzer oder nur Mieter der Immobilie an der Karlsstraße ist. In dem Gebäude ist auch der Lebensmitteleinzelhändler Netto untergebracht, der weiterhin geöffnet hat.

Das Ende? Ist dies jetzt das Ende des Regina 2000? Übernimmt ein anderer Betreiber die schönen und modernen Kinosäle, vielleicht sogar der Mitbewerber aus Aalen? Oder ist das jetzt das Ende des Kinos in Ellwangen? Hoffentlich nicht.

Doch wer in Zeiten von Corona ein Kino eröffnet, braucht viel Optimismus. Wann man mit Filmvorführungen wieder Geld verdienen kann, steht in den Sternen. Und niemand kann abschätzen, wie sehr die Angst vor einer Ansteckung das Freizeitverhalten auch der Jugend beeinflussen wird.

Karl Helmreich im Jahr 2013: Er hat aus dem Ein-Saal-Kino ein Kino mit sechs Sälen gemacht.

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