Was geschieht mit Auffüllungen im Jagsttal?

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Postkarte mit der Ansicht der Unteroffiziers-Vorbildungsanstalt: Gut zu sehen ist, wie die Jagst vor der Korrektur in Mäandern durch das Tal floss.
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Auf dem Gelände der Landesgartenschau wurden nach der Jagstbegradigung Altarme aufgefüllt. Die Flächen sind auf Altlasten untersucht worden: Das Ergebnis: es wurden keine bedenklichen Stoffe gefunden.

Ellwangen

Wenn die Jagstaue bei Ellwangen für die Landesgartenschau bis 2026 in großem Stil neu gestaltet wird, haben manche befürchtet, die Bagger könnten auf unerwünschte Altlasten stoßen. Die einstigen Flussmäander, die im Zuge der Jagstkorrektion vom Fließgewässer abgeschnitten wurden, hat man bis in die 1960-er Jahre ohne großes Aufhebens verfüllt, um die Flächen so für die Landwirtschaft oder für andere Zwecke nutzbar zu machen.

In seiner Ansprache zum Jahreswechsel 1966 sprach der damalige Bürgermeister Karl Wöhr bereits über die Zukunft eines "Parks in der Talachse von Rotenbach bis zur Jagstbrücke. Zumal die jahrelang sich hinziehenden Auffüllungen nun vollendet sind". Damals gab es noch keine geregelte Mülldeponie in Ellwangen. Bis in die 1970er Jahre hat man Klingen, Lehm- und Sandgruben, Taleinschnitte und andere Vertiefungen in der Landschaft auch mit Sperrmüll verfüllt und der Umgebung angeglichen. Erst mit der Eingemeindung wurde die Mülldeponie Reutehau angelegt.

Im besten Falle waren es damals Erdaushub, Steine, Dachziegel oder Abbruchmaterial von Gebäuden, das in die Müllabfuhrplätze gekippt wurde. Im schlechtesten Fall Haus- oder gar Gewerbemüll. Wobei Hausmüll noch ganz anders aussah als heute, weil Metalle, Holz und andere Wertstoffe gesammelt und wieder verwertet wurden. Plastik fiel bis in die 1970-er Jahre nur wenig an. Was nun, wenn im LGS-Gebiet Altlasten zutage treten?

Weil die Verfüllungen im Vorfeld bekannt waren, auf einem Altarm der Jagst steht heute auch das Wellenbad, veranlasste die Landesgartenschau GmbH eine Baugrunduntersuchung des gesamten Geländes durch das Unternehmen BFI Zeiser. "Insgesamt wurden rund 40 Erkundungsbohrungen vorgenommen. Die abfalltechnische Einstufung ergab auf dem überwiegenden Gelände Werte die der Einstufung Z0 beziehungsweise Z1.1 zuzuordnen sind", berichtet der Landschaftsarchitekt der LGS GmbH Stephan Brendle.

Die Einstufung Z1.1 rühre aus einer "geogenen" Arsenbelastung, das heißt, das Arsen ist natürlicherweise im Boden vorhanden. Diese Böden können wieder verwendet werden. Die Einstufung Z1.2 sowie Z2 wurde in Teilen im Schießwasen und im Brückenpark festgestellt. Z1.2- und Z2-Böden sind zum Wiedereinbau geeignet, wenn ein Grundwasserabstand von 1 m eingehalten wird. Bei Z2-Böden muss der Einbau zudem unter einer gering wasserdurchlässigen Schicht wie beispielsweise Asphalt erfolgen.

Im Rahmen des Bodenmanagements werde angestrebt alle Z2-Böden im LGS-Gelände unter Einhaltung dieser gesetzlichen Vorgaben wieder einzubauen. Die bekannte Altlast im Bereich des Brückenpark, wo ein alter Tank der ehemaligen Tankstelle des Baubetriebshofs noch im Boden liegt, werde fachgerecht entsorgt werden. Hausmüllablagerungen seien im gesamten Gebiet nicht festgestellt worden.

Das LGS-Konzept sieht im Bereich Schießwasen eine großflächige Auffüllung vor. Von der Jagst her bis zur Rotenbacher Straße soll das Gelände terrassenförmig ansteigen. Insgesamt wird ein Massenmanagement angestrebt, bei dem möglichst viel Erde auf dem LGS-Gelände bleiben kann. Wie dies zeitlich funktioniert, ob und wo Aushub zwischengelagert werden muss, wird derzeit ermittelt. Als erstes werden voraussichtlich die "Jagstschleifen" bei Rotenbach ausgehoben werden. Dort soll das Gewässer möglichst naturnah in Mäandern fließen. Die reine Flussstrecke wird deutlich länger, entsprechend wird in diesem Bereich relativ viel Erdmasse ausgehoben werden müssen.

Diese vermutlich kolorierte Postkarte um 1920 zeigt, wie die Jagst im Bereich des Schießwasens mehrere Altarme und Mäander gebildet hat. Nach der Jagstbegradigung wurden die Vertiefungen aufgefüllt.

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