Was nicht geht, kommt in die Tüte

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Maximilian und Anton Wagner (v.l.) präsentieren ihr neuestes Produkt, die "bunten Kartoffelchips.
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Die Pandemie hat dem Kartoffelbauern Anton Wagner das Geschäft verhagelt, bis er auf die Idee mit den "bunten Chips" kam.

Ellwangen

Das Sprichwort "Not macht erfinderisch" trifft auf diese Geschichte zu wie kein anderes: Im Frühjahr 2020 kann Anton Wagner nur noch einen Teil seiner eingelagerten Kartoffelernte verkaufen. Weil die Gastronomie geschlossen hat, gibt es ausgerechnet für die besonders teuren, bunten Kartoffelsorten, die drei Euro pro Kilogramm kosten, keine Abnehmer mehr. 35 Tonnen muss er abschreiben, an Mastvieh verfüttern beziehungsweise in die Biogasanlage kippen.

Da wird eine ältere Idee spruchreif: die Kartoffeln als Chips vermarkten. In Bielefeld entdeckt Wagner ein Lohnunternehmen, das im Auftrag Gemüsechips fritiert und das bereit ist, für den Ellwanger Kartoffelbauern aus den bunten Kartoffeln die "bunten Kartoffelchips" herzustellen.

Die Tochter Antonia, die an der Hochschule für Kunst und Gestaltung studiert, entwirft eine Verpackung, die sich deutlich von sonstigen Chipstüten abhebt. Schwarze Folie und ein schwarzweiß-Bild, das den Vater und den Bruder mit Gabel und Hacke zeigt, soll deutlich machen, dass es sich um ein besonderes Produkt handelt, bei dem Regionalität und der unverfälschte Kartoffelgeschmack im Vordergrund stehen.

Deshalb entscheidet sich Wagner auch für das schonende Fritierverfahren im Vakuum mit Sonnenblumenöl und ein Würzen ausschließlich mit Meersalz.

Im Februar 2021 wird die erste Ladung bunter Kartoffeln nach Bielefeld gefahren, drei Tonnen, das ergibt 6500 Chips-Packungen zu 90 Gramm auf 12 Paletten.

Verkauft werden die "bunten Kartoffelchips" von Wagner auf dem Wochenmarkt und in den Geschäften, die auch schon die Kartoffeln des Landwirts aus Neunheim verkaufen. Das sind 20 Verkaufsstellen. Nach vier Wochen ist fast die ganze Charge Kartoffelchips weg.

"Manche haben einmal probiert und dann gleich Kartonweise gekauft", berichtet Anton Wagner. Außerdem beobachtet er, dass durch die Chips ganz neue Kunden an den Marktstand kommen: "Junge Leute, die auf Facebook unsere Chips gesehen haben und die nehmen jetzt auch unsere Kartoffeln mit."

Die zweite Ladung bunte Kartoffeln ist unterwegs nach Bielefeld. Es werden noch einmal 8000 Tüten Chips zurückkommen. Wenn sich die genauso schnell verkaufen, ist erst einmal Schluss. Die neuen Kartoffeln werden erst im Juni und Juli geerntet.

Wir werden den Anbau unserer bunten Sorten dieses Jahr verfünffachen.

Anton Wagner Kartoffelbauer

"Wir werden den Anbau unserer bunten Sorten dieses Jahr verfünffachen", hat Wagner aufgrund des Erfolgs mit den Kartoffelchips beschlossen.

Weil die Kartoffelzüchter weniger Pflanzgut im Angebot haben, war es gar nicht so einfach, die Sorten zu bekommen. Sohn Maximilian musste dazu bis nach Erding fahren, damit in der nächsten Woche die ersten Knollen gepflanzt werden können.

Unter dem Strich kann der Familienbetrieb Wagner den finanziellen Verlust durch den Wegfall der Gastronomie nur teilweise über die Chips auffangen.

Anton Wagner: "Wir haben 50 bis 60 Tonnen weniger Kartoffeln ausgeliefert als vor Corona. Zudem entstehen für die Chipsproduktion erst einmal Fixkosten, etwa für Herstellung und Druck der Tüten."

Trotzdem freut er sich über den Erfolg mit dem neuen Produkt und kann sich vorstellen, dieses Segment auszubauen und auch noch andere Sorten Kartoffelchips anzubieten.

Im Anbau wird er die bunten Kartoffeln in größerem Abstand setzen, damit die Knollen größer werden. Für die Chips sind größere Knollen zweckmäßig, während auf dem Wochenmarkt eher die Kleineren gefragt sind.

Mehr zum Betrieb Wagner unter www.wagner-kartoffeln.de

"Wir graben für Sie die tollsten Knollen aus", der Spruch steht auf jeder Chipspackung.

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