Weg von den fossilen Brennstoffen

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Die PV-Anlage der Enegergiegenossenschaft Virngrund auf dem Dach des Ellwanger Wellenbads liefert klimaneutrale Energie.
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Der städtische Energiemanager, Olaf Butz, mahnt im Energiebericht 2019/20 einen Grundsatzbeschluss im Gemeinderat an.

Ellwangen

Die Einsparung von Energie ist bei der Stadt Ellwangen seit 1996 institutionalisiert. Zunächst ging es um reine Datenerfassung und die Transparenz von Energieverbrauch, um Kosten zu senken. Seit 2006 werden im jährlichen Energiebericht auch konkrete Handlungsempfehlungen abgegeben. Mittlerweile steht die Vermeidung von CO2-Ausstoß im Mittelpunkt des Energiecontrollings. 2010 beschloss der Gemeinderat, den Ausstoß der Hauptverursacher, damals rund 3100 Tonnen CO2 pro Jahr, bis 2030 auf 1550 Tonnen zu senken. Dieses Ziel wurde im Wesentlichen durch eine einzige Maßnahme bereits 2013 übertroffen: man kaufte fortan nur noch "grünen Strom" aus Wasserkraft. Deshalb beschloss der Gemeinderat 2019 ein ehrgeizigeres Ziel: Senkung des CO2-Ausstoßes bis 2030 auf 700 Tonnen pro Jahr. Anfang 2021 setzte das Klimaschutzgesetz des Landes allen Kommunen ein noch höheres Ziel: Klimaneutralität bis 2040.

An diesem Ziel muss sich die Stadt messen, wenn am kommenden Donnerstag im Gemeinderat der Energiebericht 2019/2020 vorgestellt wird. Um es vorweg zu nehmen: auf den ersten Blick sehen die Zahlen sehr gut aus. Fast alle Verbräuche gingen zurück: beim Strom, beim Wasser und bei der Heizenergie. Weniger schön: Der Effekt beruht hauptsächlich auf eingeschränktem Betrieb während des Corona-Lockdowns und nicht auf strukturellen Veränderungen. Es ist zu erwarten, dass die Verbräuche 2021 wieder ansteigen.

Tatsächlich sinkt der Ausstoß von Klimagasen in den städtischen Gebäuden schon seit Jahren kaum noch. Der sinkende Stromverbrauch bringt keinen Effekt und der sinkende Wasserverbrauch nur in geringem Maß. Die aktuell 1328 Tonnen CO2 pro Jahr werden überwiegend durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern in städtischen Gebäuden ausgestoßen, vorwiegend durch Erdgas, das die eigenen Stadtwerke liefern. Wenn sich daran nichts ändert, lässt sich der Ausstoß von Klimagasen auch nicht mehr markant senken und die Stadt droht das vorgegebene Klimaziel zu verfehlen.

In dieser Situation schlägt der städtische Energiemanager vor: "Eine sofortige generelle Abkehr von der Wärmeerzeugung durch fossile Energieträger ist für die Eigenziele wie auch für gesetzliche Vorgaben unerlässlich. Es wäre ratsam, wenn der Gemeinderat die zukünftige Handlungsweise, nämlich den Ausschluss von fossilen Energieträgern für die Wärmeerzeugung per Grundsatzbeschluss verfestigen würde."

Als Heizquelle kommt dann künftig wohl fast nur noch klimaneutrale, elektrische Energie in Frage. Dafür bieten sich derzeit Lösungen an, zum Beispiel in der Eugen-Bolz-Realschule, wo auf dem Dach die PV-Anlage der Solarinitiative demnächst aus der Förderung geht und von der Stadt für eigene Zwecke übernommen werden könnte. Inwiefern eine Schule mit Elektrizität sinnvoll beheizt werden kann, bedarf sicher gründlicher Prüfung. Vielleicht wäre es schon sinnvoll, den CO2-neutralen PV-Strom unterstützend im Heizkreislauf einzusetzen. Möglicherweise wird die Wasserstoff-Technologie, die im neuen Baugebiet auf der Konversionsfläche angedacht ist, die zukunftsweisendere Variante sein, aber nur wenn sie schnell genug einsatzfähig ist.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die vorgegebene Klimaneutralität bis 2040 nur zu schaffen sein wird, wenn konsequent und schnell umgestellt wird. Und wenn technische Veränderungen mit neuen Gewohnheiten einhergehen. Das Nutzerverhalten zeige leider einen steigenden Komfortanspruch, liest man im Energiebericht. Die Motivation der Bürgerinnen und Bürger zu Klima-bewusstem Verhalten dürfte zum entscheidenden Element werden, auf dem Weg zur Klimaneutralität. Gerhard Königer

Info: Die Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag, 30. September, beginnt um 17 Uhr in der Stadthalle. Auf der Tagesordnung außerdem: Bericht über den städtischen Ruhehain, Neubau Pumpwerk Dettenroden, Anpassung Architektenwettbewerb Treffpunkt BW und anderes.

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